Mar
21
2010

Auf Ihr Wissen ist wohl auch weiterhin NICHT zu verzichten: Business Experten, Designer, Software-Architekten, Ärzte, …

Quelle: Paul Harmon

Quelle: Paul Harmon

Das Buch Payback von Frank Schirrmacher, das ich in einem meiner vorherigen Posts, speziell den Konsequenzen des Lernens besprach, hat mich in Bezug auf unser Prozessverhalten neugierig gemacht. Reicht es, wenn wir nur noch das Lernen lernen und uns darauf verlassen, dass wir zukünftig jederzeit alle Information durch Googeln finden können. D.h. brauchen ich dann keine Experten mehr in meinen komplizierten Prozessen, die sehr viel Kreativität benötigen und deren Ablauf im Vorhinein nicht festgelegt werden kann? Immerhin sind, wie schon die Unternehmensberatung Gartner im letzten BPM Hype Cycle festgestellt hat, 80% aller Geschäftsprozesse diesem eher dynamischen / komplexen Bereich zuzuordnen.Ich habe heute zu dem Thema einen weiter aufklärenden Artikel von Paul Harmon gefunden, der sich seit den 1980er mit dem Aufbau von Expertensystemen beschäftigt hat und nun feststellt, dass man zwar ein solches System, das in der Lage ist zehntausende von Regeln zu verwalten und  Lösungsvroschläge zu machen, dieses aber nicht in der Lage ist zu pflegen. Gerade das Wissen im Bereich der Gesundheit schreitet in einem solchen Tempo voran, dass das System schnell veraltet. Er ist der Meinung, dass wir auch weiterhin auf die Experten angewiesen sind, die sich ihr Wissen über Jahre angeeignet haben:

“… In effect, we will be identifying human practitioners who have learned how to solve complex and vexing problems, and we will need to formalize their insights into rules. This isn’t really information in the control of the organization; it is a collection of insights into how to solve specific problems that have been captured by employees in the course of their work.” Dieser Schluss führt übrigens auch zu der Erkenntnis, dass der Mitarbeiter als Experte ein sehr wichtiges Asset der Firma ist.

Aber noch viel interessanter ist sein Rückschluss auf die Art und Weise der Modellierung von Prozessen: “… In other words, I am suggesting a kind of triage approach. Routine processes should be
completely analyzed and, whenever cost-effective, automated. Processes of mid-level complexity and dynamics are the challenge that we ought to focus on, defining those that are most valuable to define, and automating those that are appropriate. Here, new work in modeling notations and rules is valuable and should be pursued by companies seeking to advance their use of processes. Processes of great complexity, or those that are very dynamic processes involving human expertise and tens of thousands of rules, should be modeled at a high level, but otherwise, left to managers and employees who have acquired and continue to maintain the expertise required.”

Also, die 20% aller Prozesse, den strukturierten Prozessen (Production Workflow), haben wir gut mit den Sequenzfluss-Modellen im Griff. Die völlig komplexen Prozesse sollten wir demnach erst gar nicht versuchen zu modellieren. Hier arbeiten die meisten unserer Kunden schon so, in dem sie SAPERION als reines Content Repository nutzen. Sie legen Informationen so ab, dass sie sie über Suchen oder Navigieren in Verzeichnissen wieder finden. Alle anfallenden Tätigkeiten entscheiden sie adhoc Kraft ihres Expertenwissens. Für die Prozesse dazwischen brauchen wir neue Modellierungsmöglichkeiten, aber auch mehr Flexibilität in der Art, Prozesse abzuarbeiten. Hierzu erwähnt Paul Harmon noch die Aktuellen arbeiten an der Standardisierung der Case Management Process Modeling. Einen weiteren sehr lesenswerten Artikel dazu hat diese Woche Andreas Leue, mit dem ich zu dem Thema auf der OOP2010 im Januar vorgetragen habe, im BPM-Netzwerk veröffentlicht: “Jetzt im Frühjahr: BPM Rostschutz aufbringen!“. Er hat seit einigen Jahren eine weitere Notation entwickelt, um diese dynamischen / komplexen Prozesse zu modellieren, die UBPML (Konstrukt aus UML und BPM).

Meine kurzfristige Vision zur Unterstützung der Experten ist es, in der Dokumenten-zentrierten Sicht auf den Fall (Case, Aktensicht) auch einen Ordern mit den aktuell anfallende Aufgaben in Abhängigkeit der Vollständigkeit der Akte anzubieten. Ebenso sollte nicht der Ordner fehlen, indem die zusätzlich startbaren, kleineren Prozessmodule angeboten werden, die aktuell Sinn machen gestartet zu werden.

Nachtrag vom 08.04.2010:

Prozess Matrix der Havard Business School

Prozess Matrix der Havard Business School

Die Havard Business School hat in ihrem März 2010 Online-Magazin das Thema der Prozesskategorisierung auch aufgegriffen und spricht hier sogar von künstlerischem Arbeiten. Dort, wo die Prozesse sehr flexibel sein müssen und auch die Ergebnisse stark variieren kommt es besonders auf die Erfahrung der Protagonisten an. Sie dürfen nicht eingeengt werden, brauchen aber dennoch unterstützende Mittel zum Kontext, in dem sie sich gerade bewegen.

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Written by Dr. Martin Bartonitz in: deutsch,general,language | Tags: , ,

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