Jun
17
2010

Beginnt nun ein Glaubenskrieg zwischen den ECM und BPM Lagern oder ist das der Beginn der endgültigen Verschmelzung?

Letzte Woche hat Adam Deane auf seinem Blog den Beginn des Kriegs zwischen BPM und ECM “ausgerufen”. Ist das wirklich ein Krieg oder ist nur erkannt, dass die Funktionen beider Systeme mit ein bisschen Mehr zusammen gehören. Ich hatte ja schon vorgestern mit WfMC´s Vordenker proklamierten Ende 2009 in Maidenhead die nächste BPM-Revolution mit Adaptive Case Management gepostet, dass wir, genauer die BPM-Gemeinde, ein weiteres Akronym beginnen, als neue Sau durchs Dorf zu treiben: ACM = Adaptive Case Management.

Ich hatte schon dazu bemerkt, dass die ECM-Gemeinde sich hier freuen kann, denn sie steht plötzlich auf der Sonnenseite, ist das Case Management, sprich das Verwalten von Content zu einem Fall doch eine der Funktionen, die von Anbeginn zu beherrschen waren.Adam meint, dass zwar schon seit geraumer Zeit die ECM Hersteller begonnen haben, auch Workflow-Funktionen zur Verfügung zu stellen, aber natürlich nicht so ausgefeilt wie die BPM-Hersteller. Und dass die BPM-Hersteller geonnen haben, sich um die Verwaltung von Content zu kümmern, aber auch hier eher schwächer und nicht vollständig, z.B. was das Schriftgutmanagement mit der Sicherstellung Aufbewahrungsfristen angeht.

Er sieht zudem, dass durch die Meinungsbildung der Berater wie die Gartners oder Forresters dieser Welt, die Hersteller den Trend weiter führen werden, so dass am Ende BPM = ECM ist oder umgekehrt.

Seine Meinung ist, dass die Differenzierung von ECM und BPM aber weiterhin sinnvoll ist und auf Grund der funktionalen Unterschiede beide Systeme ihre Daseinsberechtigung hätten. Wenn ein Kunde ein professionelles BPM als auch ECM System braucht, solle er doch jeweils das Beste aus beiden Funktionsbereichen nehmen und zusammen betreiben (Best of Breed Ansatz).

Ich bin hier anderer Meinung. Wenn zwei Systeme zusammenspielen sollen, geht das nur über Integration. Selbst wenn es Standards gibt wie JCR oder CMIS, so wird es auch bei komplizierteren Anforderungen über die proprietären Schnittstellen der Hersteller gehen. Und dann gibt es Abstimmungsprobleme: bleiben die Schnittstellen erhalten? Wie ändern sie sich? Was, wenn weitere Schnittstellen benötigt werden? Die Koordination zweier Hersteller ist immer schwieriger als im Falle “Alles aus einer Hand”.

Hinzu kommt, dass beide System unterschiedliche Benutzer- verwaltungen und -oberflächen sowie Programmiersprachen besitzen. Hier ist der Aufwand für die Ausbildung der Adminstratoren entsprechend höher, als bei nur einem System. Hinzu kommt auch noch das Backup-Verfahren, das doppelt zu betrachten ist. Ich bin ganz klar der Meinung, dass der Kunden besser bedient ist, wenn er sich nur mit einem Hersteller und einem System “herumschlagen” muss.

Aber vielleicht übersehe ich da ja was?

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Written by Dr. Martin Bartonitz in: deutsch,general | Tags: , , ,

3 Comments »

  • Dr. Martin Bartonitz

    Diskussion ist nun auch auf XING und im BPM-Netzwerk angestoßen.

    Comment | 18 June 2010
  • Dr. Martin Bartonitz

    Die Antwort von IBM auf Adam Deans Kriegsproklamation:
    http://4most.wordpress.com/2010/06/07/ecm-bpm-nowar/

    Comment | 21 July 2010
  • Hallo Martin,

    ich denke man kann das heutzutage alles nicht mehr getrennt betrachten. So stark wie hier die Integration der Systeme gefragt sind, so fließend sind auch die Übergänge in der Definition. ECM ohne BPM ist heute kaum noch vorstellbar. Content lebt und der Lebensprozess will verwaltet sein. Und was macht ein BPM-Tool ohne Daten oder Content? Was will es denn verwalten? Das müssen jetzt zwar nicht zwingend Daten aus einem ECM-System sein, aber ohne korrekten Daten- bzw. Anwendungsbezug halte ich ein BPM-System für ziemlich wertlos. Sicher variieren die die verschiedenen Systeme in Ihren Möglichkeiten und Ausprägungen, aber das tun die zu lösenden Probleme ja auch. Die universelle Lösung kann und wird es da nie geben. Unter all diesen Gesichtspunkten halte ich den Streit über Begrifflichkeiten für rein akademischer Art, weil einfach eine saubere Abgrenzung zwischen den Bereichen nicht möglich ist und meiner Meinung nach auch nie wirklich existiert hat, außer in einigen Köpfen.

    Aus Anwendersicht stellt sich das noch ganz anders dar: Dem ist ziemlich egal wie das Ding heißt, Hauptsache es löst sein Problem ;-).

    Comment | 30 July 2010

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