May
22
2010

Bin ich ein Moralapostel, wenn ich einen Eid für Manager ähnlich dem des Hippokrates für Ärzte gut finde?

Wie immer während meiner Bahnfahrten in den letzten Monaten, habe ich auch gestern wieder in Zeitungen nach weiteren interessanten Compliance-Aspekten gefahndet. Dieses Mal bin ich im Handelsblatt auf den Artikel “HIPPOKRATES-EID FÜR BANKMANAGER – Denn sie wollen doch nur Gutes tun. Der Banker-Nachwuchs von Havard will der ein für alle Mal abschwören.”aufmerksam geworden. Heute Morgen habe ich dann nochmals im Internet recherchiert. Auch die MBA-Studenten der Universität St. Gallen haben schon Ende letzten Jahres ihren Eid feierlich abgelegt, wie es im Wirtschaftsteil der Basler Zeitung zu lesen ist.

Havard Absolventen schwören: «Als Manager ist es meine Aufgabe, der Gesellschaft zu dienen.»

Havard Absolventen schwören: «Als Manager ist es meine Aufgabe, der Gesellschaft zu dienen.»

“Der Eid scheint wie eine Show” wird tituliert. Denn die Kritik lautet, dass dies nur ein reines Lippenbekenntnis sei, wenn keine Konsequenzen aus Verletzungen des Eids erwachsen. Laut der Basler Zeitung arbeite die Havard Business School aber daran festzugelegen, wie eine Verletzung überprüft und geahndet werden könnte.  In Zusammenarbeit mit dem World Economic Forum und dem Aspen Institute wird geprüft, wie dem Gelöbnis mehr Biss zu verliehen werden kann. Im Gespräch sind unter anderen auch die Einführung einer Art Lizenz für Manager oder die Etablierung einer Organisation, die unprofessionelles Verhalten bestraft.

Dass ich dem Thema aufgeschlossen gegenüber stehe, hatte ich schon einmal im Post Ethische Richtlinien nur für BPM Professionals? besprochen. Ein Kollege hatte mich damals darauf aufmerksam gemacht, dass er keinen extra Eid brauche, da er in seiner Berufsehre verletzt wäre, wenn man ihm sein natürliches Verhalten nicht abnehme. Ich zähle mich selbst zu denjenigen, deren Gewissen (siehe auch Wenn unser Gewissen bei einer Regelverletzung anschlägt hilft Whistleblowing!) genügend schnell anschlägt, wenn im Handeln ethische Regeln verletzt. Wie die Finanzkrise und alle andere Skandale (siehe Post Warum man sich um die Einhaltung von Regeln kümmern sollte und nicht wegschauen) zeigen, gibt es genügend schwarze Schafe, die immer wieder unsere Firmen, ja sogar die Weltgemeinschaft gefährden.

Im letzten Satz des Hippokratischen Eids heißt es: “Wenn ich diesen Eid erfülle und nicht breche, so sei mir beschieden, in meinem Leben und in meiner Kunst voranzukommen, indem ich Ansehen bei allen Menschen für alle Zeit gewinne; wenn ich ihn aber übertrete und breche, so geschehe mir das Gegenteil.“ Immerhin ist es so, dass ein Arzt bestraft wird, wenn er des Arztberufes unwürdig wird, indem er seine Approbation verliert (Beispiel: Wer Arzneimittel für Dopingzwecke verschreibt, kann Approbation verlieren). Auch Rechtsanwälten kann die Lizenz entzogen werden (US-Gericht entzieht Ed Fagan die Anwaltslizenz). Wäre es dann nicht zu abwegig, dass ein Manager Vergleichbares verwirkt, wenn er sich nicht an die gesetzlichen und damit gesellschaftlichen Regeln hält?

THE  MBA OATH:

As a business leader I recognize my role in society.

•  My purpose is to lead people and manage resources to create value that no single individual can create alone.

•  My decisions affect the well-being of individuals inside and outside my enterprise, today and tomorrow.

Therefore, I promise that:

•  I will manage my enterprise with loyalty and care, and will not advance my personal interests at the expense of my enterprise or society.

•  I will understand and uphold, in letter and spirit, the laws and contracts governing my conduct and that of my enterprise.

•  I will refrain from corruption, unfair competition, or business practices harmful to society.

•  I will protect the human rights and dignity of all people affected by my enterprise, and I will oppose discrimination and exploitation.

•  I will protect the right of future generations to advance their standard of living and enjoy a healthy planet.

•  I will report the performance and risks of my enterprise accurately and honestly.

•  I will invest in developing myself and others, helping the management profession continue to advance and create sustainable and inclusive prosperity.

In exercising my professional duties according to these principles, I recognize that my behavior must set an example of integrity, eliciting trust and esteem from those I serve. I will remain accountable to my peers and to society for my actions and for upholding these standards.

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Written by Dr. Martin Bartonitz in: deutsch,general,language | Tags: , , ,

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