Oct
22
2010

BITKOM und die Sicht auf den Wissensarbeitsplatz von morgen

Ich habe gestern wieder an dem Treffen des Arbeitskreises Knowledge Management teilgenommen. Dieses Mal war Microsoft der Gastgeber in Köln. Morgens gab es Gelegenheit, sich einige interessante Vorträge zum Thema Innovationsmanagement anzuhören. Unter anderem hatten wir ein wenig Einblick in die aktuellen Forschungsarbeiten von Microsoft bekommen.

Am Nachmittag ging es dann ans Arbeiten. Der Arbeitskreis plant für das nächste Jahr die Herausgabe einer Broschüre zum Wissensarbeitsplatz der Zukunft. Dieses Mal hatten wir uns mit dem Aspekt “Leben” beschäftig, verwischen doch bei Vielen mittlerweile Arbeit und Freizeit. Wie zu erfahren war, hat IBM vor 20 Jahren den Begriff der Vertrauensarbeitszeit eingeführt. Damit ist gemeint, dass man das Vertrauen in den Mitarbeiter hat, dass er seine vereinbarte Wochenarbeitszeit leistet, es aber egal ist, wie und wo er dies macht. Es ist dabei unterm Strich nur entscheident, was dabei hinten raus kommt, wie mal einer unserer Kanzler formulierte. Inzwischen würde sehr viel vom Home Office geabeitet, wo man auch ungestörter ist und damit effizienter. Dem kann ich aus Erfahrung bei SAPERION auch nur zustimmen, denn auch wir haben ntsprechend gute Erfahrung damit.

Dass das effektive Arbeiten von zuhause möglich ist, ist noch gar nicht so lange her. Benötigt wird ein mobiler Rechner, ein Breitbandanschluss und eine sichere Verbindung in das Firmennetz. Wir sprechen also von etwa 5-6 Jahren, seitdem das einigermaßen effizient machbar ist. Inzwischen müssen die Firmen auch keine Zusatzgebühr für die Nutzung des Internetzugangs zuhause entrichten, denn man ja eine Flatrate. So braucht es auch weniger interne Arbeitsplätze. So hat IBM bei mehr Mitarbeitern nur noch einfünftel der Liegenschaften als noch vor 20 Jahren. Das ist übrigens eine andere Schattenseite des Arbeitsplatz-Shifts: es werden icht mehr so vile Bürogebäude benötigt.

Hier ist übrigen ein weiterer Effekt zu sehen, den Prof. Dueck in seinem neusten Buch Aufbrechen!: Warum wir eine Exzellenzgesellschaft werden müssen beschreibt. Immer mehr Services werden an den Kosumenten ausgelagert, sei es das Ziehen des Geldes am Automaten, die Überweisung per Home Banking, oder das Ziehen der Fahrkarte am Automaten, oder das Einchecken in den Flieger von zuhause. Nun bietet der Konsument des Arbeitsangebots seinen Arbeitsplatz zuhause an und der Anbieter spart an der Infrastruktur.

Dass es dabei auch kritische, d.h. negative Aspekte gibt, kam auch zur Sprache: Burnout. Wer zuhause arbeitet und seine Arbeit flexibel einrichtet, macht schon mal eine längere Pause, weil ggf. etwas zu beschaffen ist oder ein Freund auf einen Kaffee vorbeit kommt. Zum ausgleich arbeitet man schon Mal in die Nacht rein oder am Wochenende. Da dann auch schon Mal fleißig gemailt wird, kommen zu diesen Zeiten auch vermehrt Antworten zurück. Da das Arbeiten in den späten Zeiten und am Wochenende häufig ungestörter und damit effektiver ist und daher mehr Spaß macht, besteht die Gefahr deutlich mehr zu arbeiten als es gesund ist. Die Kunst wird es also sein, das Arbeiten und Leben ausgewogen zu gestalten. Die Vorteile, die Familie oder den Lebenspartner häufiger zu sehen, darf nicht auf Kosten der Gesundheit gehen.

Inzwischen ist das kollaborative (bitte an die bösen Zeiten dabei denken) Arbeiten von unterschiedlichen Orten aus durch Tools des Web 2.0 sehr vereinfacht (siehe z.B. auch Ist collaborative BPM auch eine effiziente Methode zur Erhebung von Geschäftsprozessen?). D.h. man muss sich nicht mehr synchorn treffen. Und wenn doch, dann mittels Telefon- oder Videokonferenz oder durch gleichzeitige Nutzung der Tools ober Kilometer hinweg.  Die Teilnehmer des Arbeitskreises waren sich aber sicher, dass ein Gar-nicht-mehr-treffen auch nicht gut ist. Denn man wird a) sich für einen Anderen besser einsetzen, wenn man ihn von Angesicht zu Angesicht gut kennengelernt hat, man nennt das auch den Nasenfaktor, und  b) wird Innvoation auch eher beim Treffen in ruhigen Ecken wie die Kaffeeküche, Raucherecke (wenn man es mag), oder beim Bíerchen stattfinden.

Dass die zunehmende Mobilität der Geräte auch zu Unsitten führen, war ein weiterer angesprochener Effekt. So wurde erzählt, dass sich ihre Besprechungskultur zum Schlechten geändert hätte. Man komme zu den Sitzungen, klappe den Rechner auf und würde häufig abwesend Zeit, da an Mails gearbeitet würde. Als Lösung wurde das Aufstellen von Richtlinien zum Verahlten während der Sitzungen genannt. Entweder Rechner und Handys aus oder zumindest Rechner an, um mitzuschreiben, aber die Kommunikationsprogramme aus.

Der nächste Punkt ist der Datenschutz. Was darf auf die Rechner? Auch Persönliches? Wie macht man das dann mit Backups über die Cloud? Wie kann man sicherstellen, dass dem Mitarbeiter in seinem Home Office keiner über die Schulter schaut, wenn er gerade an sensiblen Daten arbeitet? Jedenfalls ein wichtiger Punkt, das mit der Personalabteilung und dem Datenschutzbeauftragten zu klären.

Wie passend zu dem Nachmittag, hatte ich mir für die Rückfahrt mit der S-Bahn noch die Ausgabe August der Zeitschrift CHEFBÜRO mitgenommen und schlug direkt den Artikel Kollaboration statt stagnieren von Kai Gutzeit, dem Chef von Google Enterprise DACH & Nordics auf. Klar, dass er Werbung macht, die vielen kostenfreien  Tools von Google zu nutzen. Er macht dies aber anhand von Kundenreferenzen und damit sehr eingängig. D.h. Firmen sind immer mehr unterwegs, die notwendigen Kollaborationsfunktionen aus der Cloud zu nutzen. Arbeiten von überall ohne sich großartig um die Technik kümmern zu müssen. Service Mitarbeiter können so viel leichter mit den Kollegen in Kontakt treten und effizienter zu den notwendigen Lösungen kommen. So berichtet er, dass bei der Telegraph Media Group die Matarbeiter direkt mit der Nutzung der Cloud-Computing-Services angaben, 6 mal produktiver zu sein.

Ich folge zwar nicht jeder Technik, d.h. ich habe nur ein “einfaches” Handy, immerhin mit Mail-Funktion aber ohne Touch-Screen, noch kein iPad oder Ähnliches. Aber für das Arbeiten von zuhause möchte ich die inzwischen guten Möglichkeiten des gemeinsamen Arbeitens nicht mehr missen. Ich habe das deutliche Gefühl , dass sich meine Lebensqualität deutlich erhöht hat. Ich spare Fahrzeiten (Achtung: Green-IT), kann flexibler auf die Bedürfnisse meiner Familie reagieren und bin daher deutlich motivierter bei der Arbeit. Unterm Strich gewinnen beide Seiten der Arbeitswelt. Und seit dem ich wieder regelmäßig Laufen gehe, bin ich deutlich kreativer geworden. Und auch das Laufen lässt sich mit dem Arbeiten von zuhause deutlich besser verbinden.

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Written by Dr. Martin Bartonitz in: deutsch,general | Tags: , ,

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