Jul
26
2009

Brauchen wir das Schulfach “Gesundes Leben”?

Ich möchte hier einen Leserbrief zur Diskussion stellen, den ich vor einer Woche zu einem Thema verfasst habe, das zumindest alle aktiven als auch zukünftigen Eltern, aber eigentlich unsere gesamte Gesellschaft angeht. Er wurde am Freitag in der Rhein-Erft Rundschau veröffentlicht. Auslöser war ein Artikel und ein erster Leserbrief. Der Artikel ging über die aktuelle Forderung der NRW Drogenbeauftragten Sabine Bätzing, gegen den Drogenmissbrauch, speziell dem Komasaufen mit einem flächendeckenden Schulunterricht “Gesundes Leben” entgegenzutreten.  Die Antwort eines Lesers war, dass es den Unterricht nicht braucht, wenn wir die Eltern entsprechend in die Pflicht nehmen, Ihren Erziehungsauftrag zu erfüllen. Hier nun meine Antwort auf beides:

Ich gebe Herrn Sandro Schmidt Recht, es sollte vorrangig die Aufgabe der Eltern sein, ihre Kinder mit den notwendigen Werten auszustatten. Sie sollten weder sich selbst noch andere gefährden.

Was aber, wenn die Eltern nicht (mehr?) in der Lage sind, Ihren Kindern das dazu notwendige Sebstbewusstsein zu geben? Sicherlich müssen wir Eltern in die Pflicht genommen werden. Aber im Gerichtssaal ist es dann schon zu spät! Was mir in den Diskussionen bisher fehlte, war der Frage des Warum stärker nachzugehen.

Nur an den Symptomen der Krankheit anzusetzen, wird uns nicht weiterhelfen. Warum sind unsere Kinder so wenig selbstbewusst? Warum haben sie so wenig soziale Kompetenz? Warum fehlt ihnen die Empathie, das von Ihnen an anderen Mitschülern ausgelöste Leiden selbst zu fühlen? Empfindet meine Generation falsch: vor 40 Jahren war die Jugend deutlich unbeschwerter? Was mir fehlen, ist eine proffessionelle Erziehung, in der Kinder gefordert als auch gefördert werden.

Bis weit in die 60er wurden Kinder bis zehn Jahre überwiegend von einem Elternteil fast rund um die Uhr betreut. In den letzten Jahren wird die Betreuung mehr und mehr and”Fremde” übergeben. Im Falle Alleinerziehender geht es häufig nicht anders. Aber auch in dem Fall der althergebrachten Familie gehen mittlerweile beide Elternteile arbeiten. Sei es, weil sonst nicht gnügend Geld in der Kasse ist, die Selbstbestätigung als Ausgleich wichitg ist, oder der Berufswiedereinstieg nach der Kinderzeit nicht sichergestellt werden kann.

Demnach haben Eltern immer weniger Zeit, und nach der anstrengenden Arbeit auch nicht mehr die Kraft und Motivation, sich ausreichend um die Kinder zu kümmern. Das heißt wir werden uns wohl damit abfinden müssen, dass in einem großen Teil der Tageszeit Kinder nicht mehr von den Eltern selbst erzogen werden können . Das heißt aber auch, dass Erziehung automatisch in der Fremdbetreuungszeit stattfindet. Wenn wir uns darauf einlassen, dass in unserer Gesellschaft Kinder über einen längeren Zeitraum von Fremden betreut wird, dann sollten wir diese Fremden auch in die Lage versetzen, sich ausreichend um Erziehung kümmern zu können. Wenn ich aber schaue, dass die Personalausstattung in Kindergärten meist nur noch dazu reicht, die Kinder zu verwahren, aber nicht mehr zu fordern und fördern, unsere Klassen so groß sind, dass unsere Lehrer ausgelaugt und so frustriert sind, dass sie kaum noch auf unsere Kinder einwirken können bzw. mögen - dann ist offensichtlich, was insgesamt getan werden sollte. Wir müssen uns darüber klar sein, dass wir die Eltern, die ihren Erziehungsauftrag nicht wahrnehmen, nicht mehr umerziehen können.

Wir müssen aber dafür sorgen, dass unsere zukünftigen Eltern wieder das notwendige Rüstzeug während ihrer eigenen Erziehung erhalten. Wenn wir die Betreuung von der Krippe über den Kindergarten, die Grundschule bis zur weiterführenden Schule professionell betreiben, dann brauchen wir kein extra Schulfach, um unseren Kindern klarzumachen, dass es keinem etwas antut, das es nicht möchte, dass man es ihm selbst es tut.

Dann sollten gelegentliche Gruppenarbeiten zu wichtigen Themen des Miteinanderumgehens ausreichen. Ich denke, dass die Menge an Geld, die dafür eingesetzt werden muss, sehr viel geringer ist, als wir für die Behebung von Fehlern ausgeben müssen, weil wir überall in der Betreuung gespart haben. Kinder, die so erwachsen werden durften, sollten auch wieder ihre eigenen Erzienungspflichten besser wahrnehmen können.”

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Written by Dr. Martin Bartonitz in: general | Tags: , , ,

2 Comments »

  • Paolo Lenzen

    Sehr geehrter Herr Dr. Bartonitz,

    Ihre Bemühungen mit solchen Leserbriefen die Gesellschaft für sozial-kritische Themen zu sensibilisieren in allen Ehren.

    Doch brauchen wir solche Leserbriefe in einem Technologieblog?

    MFG
    PL

    Comment | 30 July 2009
  • Sehr geehrter Herr Lenzen,

    der SAPERION Blog ist kein reiner Technologie-Blog. Hier findet sich alles, was die Mitarbeiter bewegt. Sei es der Umzug, der Staffellauf oder neue Java-Standards ;-)

    Beste Grüße

    Barbara Landgraf

    Comment | 17 August 2009

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