Mar
25
2011

Compliance: Mitarbeiter sind die größte Bedrohung

So titelt die Computerwoche und berichtet über eine Studie des Datenrettungsspezialisten Kroll Ontrack in Kooperation mit der Anwaltskanzlei CMS Hasche Sigle. Ihr zufolge regeln 87 Prozent der Unternehmen den Umgang mit Internet und E-Mail am Arbeitsplatz. Aber mehr als 75 Prozent kontrollieren nicht regelmäßig, ob diese Regeln auch eingehalten werden. Und so werden die Regeln eben nur lasch befolgt und es würde den Mitarbeitern leicht gemacht, Daten zu stehlen.

Empfohlen wird ein Compliance Programm, das regelmäßig prüft, ob die aufgestellten Regeln auch eingehalten werden.Zudem fehlten Handlungsanweisungen für den Eintrittsfall. Auch würde es kaum eine Hotline geben, über die im Sinne eines Whistle-Blowings anonym über Regelverletzungen berichtet werden kann.

Ich habe mich seit einem Jahr intensiv mit der Thematik befasst und komme zu dem Schluss, dass eine dauernde Überprüfung der Mitarbeiter nur zu mehr Stress führen wird und sonst wenig Positives bewirken wird. Firmen mit einer offenen Kultur im Umgang mit Fehlern und einem vorbildlichen, wirtschaftsethischen Verhalten (siehe Post: Ehrlich währt am längsten) gekoppelt mit einem Belohnungssystem (besser gar keins? siehe Dan Pink), das erst gar nicht eine Versuchungen zur Regelverletzung forciert (siehe Die Kunst des Compliance Management ist, nach den Ursachen für die Gier der Manager zu suchen, so Prof. Josef Wieland), haben wenig Probleme mit dem Thema.

Zudem komme ich immer mehr zu der Überzeugung, dass wir uns mit einem zu viel an Regeln aus der Verwantwortung stehlen können, uns bei jeder Aktion zu hinterfragen, ob mein Handeln angemessen ist. Ich empfehe hierzu den Post Überregulierung: An die Stelle einer sozialmoralischen Selbststeuerung tritt die soziale Fremdsteuerung durch Vermehrung von Vorschriften und Gesetzen. Es deutet darauf hin, dass eher mit einem Erstarren zu rechnen ist und dies diametral steht zu einer Kultur von Agilität und Innovation, die derzeit gefordert wird, um die immer komplexer werdende Wirtschaft zu beherrschen.

Erfolgreiche Firmen besitzen eine Kultur des Vertrauens, in der Mitarbeiter Fehler machen dürfen, wenn sie diese als solche früh erkennen und entsprechend korrigieren. Denn ohne den Versuch des Neuen, nicht von im Vornhinein Kalkulierbaren, entstehen keine Innovationen.

Und dass Firmenkulturen nicht befohlen sondern nur druch viele Diskurse verändert werden werden können, das verdeutlicht Prof. Peter Kruse in einem Kurzvideo nachvollziehbar. Und er gibt uns auch noch 8 Regeln mit, die uns helfen können, einen Betrieb komplett lahmzulegen.

Ja, Regeln sind sinnvoll, denn nur durch das Vertrauen, dass Andere sie einhalten kann eine Gemeinschaft funktionieren. Einige wenige Regeln sollten da reichen. So viele, dass man sie sich gut merken kann. Und wenn dann Mitarbeiter sich gerecht bezahlt fühlen, einer sinnvollen Arbeit nachgehen (erfüllte Grundbedürfnisse KOMPETENZ, AUTONOMIE und VERBUNDENHEIT), keine internen Anreize zur Regelverletzung erliegen können und zudem Vorbilder sehen, kann nichts schief gehen. Oder?

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Written by Dr. Martin Bartonitz in: deutsch | Tags: , ,

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