Jan
23
2012

Das Internet der Dinge zwischen Himmel und Hölle und agilem BPM/ECM

Milch an Kühlschrank: “Hey, wenn wir zwei Flaschen noch einen Tag länger schaffen sollen, dann kühl uns bitte mal zwei Grad runter. Außerdem ist Nr. 2 schon fast leer, d.h. Nachschub wird notwendig.”
Kühlschrank an Lebensmittel-Service: “Hier ist mein neuer Einkaufszettel. Geliefert werden kann morgen im Zeitraum von 10-12h.”
Lebensmittel- an Liefer-Service: “Folgende Pakete sind in die den Vorort XYZ auszuliefern.”

So oder ähnlich wird es bald um uns herumschwirren. Nicht mehr spricht Mensch mit Mensch und erzeugt den größten Datenstrom sondern es wird Ding mit Ding und das übers Internet kommunizieren. Sei es das Auto der firmeneigenen Flotte mit den dezentralen Service-Punkten, das Leihfahrrad der Bahn mit den registrierten Apps der Kunden, der Patientenmonitor mit dem Krankenhausrechner, ganz zu schweigen von den vielen Dingen, die in den Logistikketten dieser Welt über diverse Verteilbänder geschickt werden. Die neuen Smartgrids als Ersatz der alten Stromzähler werden unsere Heimgeräte anschalten, wenn der Strom gerade billig ist, weil es viel Wind draußen gibt und die Windanlagen nur so vor Kraft ächzen.

Etwa 2009 sollen das erste Mal genauso viele Geräte am Internet angeschlossen gewesen sein wie Menschen als Anwender darin unterwegs waren. Seitem spricht man auch vom Internet of Things (IoT). Von 2010 bis 2020 soll die Zahl der angeschlossenen Dinge sich verzehnfachen, was ich selbst als zu niedrig gegriffen ansehe. Mit dem Internet der Dinge gehen unsere Automatisierungen in die nächset Runde: Die Dinge werden autonom. Sie wissen alles Notwendige über sich, so dass andere Dinge, die sich um sie kümmern sollen, sofort Bescheid wissen, wenn sie an den Servicepunkten ankommen, und was mit ihnen passieren soll. Gerade in der Logistik werden die einzelnen Verteilsysteme dezentral agieren und über den Zutand der an sie angrenzende Systeme Bescheid wissen. Wenn ein System ausfällt, verhandelt der Rest über Alternative Lieferwege.

Der Himmel: wir Menschen werden weiter entlastet und können uns mit wichtigeren Dingen befassen. Die Produkte können noch günstiger werden, da immer weniger Menschen in den produktiven Ketten Hand anlegen müssen. D.h. unsere Geschäftsprozesse werden an vielen weiteren Punkten effizienter, da weiter automatisiert und aufgrund der bekannten Daten besser analysierbar.

agiles BPM/ECM: Ein kleines Beispiel aus Sicht eines ECM-Systems: Der Monteur erhält, angekommen an dem Ort seines Auftrags, alle Daten und Beschreibungen zu dem zu reaprierenden Gerät auf seinem Mobilen gerät. Nach beendigtem Service quittiert das “Ding” durch Meldung seines Status, der entsprechen revisionssicher zur Geräteakte archiviert wird. Oder im Krankenhaus: durch das wissen um den Aufenhalt der Ärzte kann die OP-Planung angepasst werden.

Die Hölle: Es werden noch viel mehr persönliche Daten gesammelt, die Auskunft über unsere Bewegungen und Vorlieben geben. Ist es heute schon so, dass unser Bewegungsprofil leicht via Mobile nachvollzogen werden kann (siehe aktuelle Lauschangriffe durch die Polizei), so ist es via Smartgrid möglich festzustellen, welcher Film angeschaut wurde oder wie viele Personen sich in der Wohnung aufhalten. Letzteres kann auch aus den Daten des Kühlschranks rückgeschlossen werden.

Neelie Kroes, European Commissioner for the Digital Agenda, sprach in ihrer Keynote auf dem 3rd annual Internet of Things Conference in Brüssel darüber, dass es zwar große Pontiale gäbe, dass wir aber auch dringend über die verantwortliche Beherrschung gerade ethischer Punkte werden ringen müssen. Gerade der Sicherstellung der Privatsphäre bis hin zur opersönlichen Kontrolle über die Abschaltbarkeit der geschwätzigen Chips (“Silence of the Chips”) :

Ich gestehe, dass ich hin und her gerissen bin. Auf der einen Seite kann uns Vieles abgenommen und Kranken besser geholfen werden. Ja, mir fallen spontan sehr viele weitere, schöne Anwendungsfälle im Bereich der Optimierung unserer Geschäftsprozesse ein.

Aber auf der anderen Seite steht da ein tiefes Unbehagen. Da sehe ich, wie unsere demokratischen Regierungen immer weiter Persönlichkeitsrechte unter dem Deckmantel unseres Schutzes einschränken und fleißig Daten aufsammeln, aber ihre eigenes Handeln immer weniger transparent machen. Und das erinnert mich wieder an die intensiven, düsteren Bilder, die das Buch 1984 von Goerge Orwell  vor meinem inneren Auge ablaufen ließen. Auch der Film dazu hat die Stimmungen gut dargestellt.

Ja, Frau Kroes tut gut daran, an unsere Ethik zu appellieren. Wie leicht kann hier der Schuss nach hinten losgehen, wo wir doch eigentlich nur Gutes für den Menschen wollten.

Und dann muss ich doch gleich wieder ein wenig in mich Hineinschmunzeln: Wozu sind elektronische Archive da? Zum Nachweis eines regelkonformen Verhaltens (Compliance). Brechen also für die ECM-Hersteller mit dem Internet der Dinge erst Recht rosige Zeiten an?

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Written by Dr. Martin Bartonitz in: general,process management | Tags: , ,

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