Feb
24
2010

Das ist der HIT: Human Intelligence Task

Payback

Payback: Warum wir im Informations-zeitalter gezwungen sind zu tun, was wir nicht tun wollen, und wie wir die Kontrolle über unser Denken zurückgewinnen

Gut, dass es einen Human Task gibt, wissen wir Workflower schon länger, aber was hat es denn mit dem HIT auf sich?

Ich habe am Wochenende ein hoch interessantes Sachbuch begonnen zu lesen, was man kaum aus der Hand legen mag, erkennt man doch viele Dinge, die einem aktuell selbst durch das Internet widerfahren. Besonders durch die vielen Ablenkungen durch Mails, SMS, Feeds, … so dass die Konzentration über längere Phasen immer schwieriger werden und damit meine Aufmerksam auf Anderes gelenkt wird (was ich im Übrigen auch gerade mit Ihnen tue) .  Auf der anderen Seite habe ich inzwischen aufgehört, mir irgend eine interessante neue Information aus dem Netz auf meinen Rechner zu speichern, weil ich sie ja Jederzeit dort irgendwo in Sekunden wiederfinden kann. D.h. ich muss mir auch nichts mehr für immer merken, denn auch hier hilft Wikipedia und Co in Sekunden. Aber in einigen Dingen ist unser menschliches Gehirn noch im Vorteil gegenüber den Algorithmen auf den Rechnern in der Cloud.

Waren im Workflow der 1990er Jahre überwiegend Aufgaben durch den Menschen durchgeführt, so kam mit dem Wechsel vom WMS zum BPMS um die Jahrtausendwende das Orchestrieren von Web-Services, also Computerprogrammen, auf. Also bleiben immer weniger Human Tasks übrig. Und dann wäre es eigentlich offensichtlich: überall da, wo es den Menschen noch braucht, wird eine besondere Intelligenz benötigt, also könnte man auch von Human Intelligence Task sprechen, um sich noch ein Wenig vorzumachen, dass uns die Rechner bald auch dort den Schneid abkaufen.

Nein. HIT sind Aufgaben auf Plattformen von z.B. Amazon oder Google, wo die Beurteilung oder Kommentierungen von Informationsobjekten nicht oder zu schlecht  von Programmen ausgeführt werden kann. Hier wird Menschen angeboten, sich etwas dazuzuverdienen. Allerdings kann man dabei nicht reich werden. 1 bis 5 Cents für eine Kommentierung von z.B. Bildern oder Videos scheint mir dann doch eher eine ehrenamtliche Aufgabe zu sein. Ein solches Konzept durch verdienen von Cents gab es auch schon für das Schreiben von Berichten über Waren, die man gekauft hat, oder Dienstleistungen, die man konsumiert hat, siehe z.B. Ciao.

Herr Schirrmacher stellt in seinem Buch die These auf, dass aktuell unser Gehirn umprogrammiert wird. Unser Denken wird zweigeteilt sein: Eines in sich und das andere außerhalb, in der Cloud. Damit wird die Selbstwahrnehmung vermutlich auch ganz anders. Auch stellt er die kritische Frage, wie weit wir noch selbst entscheiden können.  Oder verlassen wir uns zunehmend auf das Vorschlagswesen der diversen Plattformen, wo wir unsere Profile hinterlegt haben oder unsere Bewegungsdaten zu Profilen werden. z.B.: “Martin ist immer Freitagabend sehr empfänglich, Vorgeschlagenes zu kaufen …”

Nun könnte man sagen, man zieht sich komplett aus dem Netz zurück und löscht sich überall raus. Hm, dann muss ich auch das Handy wegtun. Aber das wird alles nicht wirklich helfen. Ohne Vernetzung in der Cloud wird man arbeitstechnisch nichts mehr wert sein.

Man darf also gespannt sein, was aus den Menschen wird, ob er sich z.B. dem Computer angleicht. Schon heute habe ich Manches nicht auf dem Radar gehabt, abends ist manchmal mein Akku leer, und am Morgen nach einer langen Nacht  muss ich feststellen, dass meine Festplatte gelöscht wurde. Sieht also so aus, dass unsere Sprache schon auf dem Weg dorthin ist.

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Written by Dr. Martin Bartonitz in: general | Tags: , , , ,

1 Comment »

  • Dr. Martin Bartonitz

    Kann man sich blöd informieren?

    Der Spiegel-Online hat einen höchst interessanten Artikel zum Thema Aufmerksamkeitsverlust veröffentlicht:
    “Infomanie” – der Drang, sich ständig auf dem Laufenden zu halten – ähnele einer Sucht mit massiven Auswirkungen, behaupten britische Psychologen. E-Mails und SMS austauschend verblödeten Menschen regelrecht. Die negativen Einflüsse auf das Gehirn seien “stärker als bei Marijuana”.
    http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,352825,00.html

    Derzeit läuft im BPM-Netzwerk eine Diskussion zum Thema “Welchen Einfluss hat die Erkenntnis des Aufmerksamkeitsverlusts für BPM?”
    http://www.bpm-netzwerk.de/forum/listBoardMessages.do?id=d915570e26fc9bee0127021dcfd201b2

    Comment | 25 February 2010

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