Jun
20
2010

Der verloren gegangene Schatz Darwins: die sexuelle Selektion – Wir haben ein großes Gehirn, weil der Mann buhlt und die Frau wählt

Der Schmuck des Pfaus

Der Schmuck des Pfaus

Habe ich vor einigen Tagen geschrieben, dass wir vermutlich vor einer BPM-Revolution stehen, so scheinen wir auch eine in den Evolutionstheorien zu erleben. Geoffrey F. Miller beschreibt in seinem Buch Die sexuelle Evolution – Partnerwahl und die Entstehung des Geistes sehr nachvollziehbar, warum Darwins zweite wichtige Theorie über 100 Jahre verloren ging und wie sich mit Ihr deutlich besser erklären lässt, warum sich in der Fauna männlicher Schmuck wie der Pfauenschwanz oder “Mein Haus, meine Yacht, mein Auto, …” ausgebildet haben, obwohl sie für das Überleben des Best-Angepassten keinen Nutzen bringen.

Miller sieht auch in unserem großen Gehirn einen Beweis der Ausbildung von Schmuck. Denn wofür sollte das Komponieren und Spielen von Musik, das Malen von Bildern, das Schreiben von Gedichten und das Erzählen von Geschichten für das Überleben gut sein. Zudem verbraucht das Gehirn extrem viel Energie,was für das Überleben eher hinderlich ist, da viel mehr Nahrung aufgenommen werden muss?

Darwin erkannte sehr schnell, dass seine Theorie der natürlichen Selektion das Phänomen des Schmucks nicht erklären konnte. So entwickelte er seine zweite Theorie, die der sexuellen Selektion. Anhand vieler Beispiele erklärte er, dass durch die Wahl der Weibchen, mit welchem Männchen es sich paaren wollte, zu einer Ausbildung von zufälligen Präferenzen kommt. Und dass die Wahl begleitet wird durch das Empfinden des Gesünderen und Überlebesnfähigeren, indem z.B. schillerndere Farmen oder intensiverer Geruch, oder der Besitz der größeren Ackerfläche den Ausschlag gibt, bleibt den Männchen nichts anderes über, als sich beim Buhlen richtig ins Zeug zu legen.

Und da dass das Bild des bestimmenden Weibchens so gar nicht in das Bild der Gesellschaft zu Darwins Zeiten passte, geriet diese seine zweite Theorie für gut 100 Jahre in Vergessenheit und wurde erst so richtig seit etwa 1990 wieder beachtet. Leider sind uns inzwischen die damals noch vorhandenen Naturvölker entweder verschwunden oder assimiliert, so dass weitere Erkenntnisse im Kontext dieser Theorie nun verloren sind.

Miller sieht noch einen zweiten wichtigen Punkt zur Ausbildung von Arten. Damit sich eine Präferenz auch ausbilden konnten, müssen die Arten polygyn sein, d.h. ausgeprägtere Männchen müssen mehrere Weibchen begatten während die anderen weniger gut und eher leer ausgehen. Auch das sieht er in unseren Vorfahren gegeben, als es darum ging, das Volumen unseres Gehirns innerhalbvon 2 Millionen Jahren zu verdreifachen. So sind wir Männer nun in der Lage, neben dem “natürlichen”  Streben zu immer mehr Reichtum und Einfluss (siehe auch Lassen sich Geschäftsprozesse besser verbessern, wenn man die Mitarbeiter mehr motiviert? ) auch noch durch unseren Humor die Frauen zu becircen. Letzteres ist neben, Besitz und gutem Aussehen doch immer wieder ein wichtiges Kriterium, das Frauen als Maßstaben für ihren Prinzen nennen. Und dass unsere Sprache auch das Balzverhalten unterstützt, ist auch nicht zu übersehen: Wer gut formulieren kann, wird seine Vorteile besser an die Frau bringen können.

Zurück von einem Sonntagmorgenlauf rund um unseren “Hausberg”, den ich genutzt habe, um meine Gedanken zu dieser Thematik weiter zu sortieren, hier noch ein paar eigene Ableitungen von Darwins Theorie im Kontext unserer Geschäftswelt.

Wenn die Theorie auch auf Systeme anggewendet werden kann und wenn das mit der Wahl des Imposanteren durch die Evolution so programmiert ist, sollten wir aufhören, unser Marketing zu “beschimpfen”, wenn es immer mal wieder eine neue Sau durchs Dorf jagt , um das alte, abgestumpfte  Thema wieder etwas attraktiver zu machen, siehe zum Beispiel Auch wenn das BPM-Buzzword-Bingo mit Case Management, adaptive, dynamic, social, unstructured, ad-hoc fleißig weitergeht, bleibt doch ein gemeinsamer Kern. Denn die Wählenden brauchen die Signale.

Firmen müssen sich daher für Kunden und Partner attraktiv und innovativ präsentieren, um damit ihre Überlebensfähig herauszustellen. Seit Neuestem z.B. durch eingeführte Compliance Programme, siehe auch Warum man sich um die Einhaltung von Regeln kümmern sollte und nicht wegschauen.

Sie müssen sich aber auch bei der Suche nach neuen, guten  Mitarbeitern attraktiv präsentieren, z.B. indem sie ein dediziertes Wissensamangement oder bei der Entwicklung Methoden wie SCRUM eingeführt haben, siehe z.B. SAPERION benutzt Scrum als Hilfsmittel beim Entwickeln von ECM-Produkten im Rahmen agiler Softwareentwicklung.

Übrigens kann eine Übersteigerung von Schmuck auch zum Aussterben führen, wenn man zu leicht Beute einer anderen Art wird. Oder, ob  Theo Löbsack mit seinem Buch Versuch und Irrtum. Der Mensch: Fehlschlag der Natur Recht hat, indem er sagt, dass unser Gehirn nicht in der Lage ist die aktuellen Probleme zu lösen und wir daher zum Scheitern verurteilt sind?

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Written by Dr. Martin Bartonitz in: deutsch,general,language | Tags: , ,

6 Comments »

  • Dr. Martin Bartonitz

    Ich habe noch einen schönen Artikel gefunden, der das Thema mit vielen Details weiter bespricht und am Ende noch aufklärt, warum die Frauen sich nun durch Kleider und Schminke schöner machen und es dabei zur monogamen Beziehung kommt: nun werben beiden Partner gleich.
    http://www.sueddeutsche.de/wissen/serie-jahre-darwin-lohn-der-pracht-1.444102

    Comment | 20 June 2010
  • Miller hat übrigens noch ein anderes Interessantes Buch geschrieben, nämlich “Spent”, dass sich mit Marketing und Evolution beschäftigt. Auch sehr gut!

    Comment | 27 September 2010
  • Michael Mertins

    Ich glaube ja nicht, dass Darwins zweite Theorie so lange “verloren ging” weil sie so anstößig war, sondern weil sie schlichtweg Teil seiner Theorie der natürlichen Auslese war. Wie sollte man sich denn sonst biologisch Selektieren wenn nicht über Sexualität?

    Leider habe ich das Buch nicht gelesen, würde mir aber wünschen, genau hinzuschauen, ob dort nicht auch im Hinblick auf die sehr problematischen sozial-darwinistischen Gesichtspunkte argumentiert wird. Die ganze Eugenik Debatte ist ja gerade wieder allzu en vogue dank des Herren Sarrazin…

    Comment | 1 October 2010
  • Dr. Martin Bartonitz

    Ich kann versichern, dass in dem Buch keine sozial-darwinistische Aspekte besprochen werden. Es geht hier rein um die Aspekte der Fittness Signale.

    Comment | 1 October 2010
  • Dr. Martin Bartonitz

    Ich denke schon, dass die beiden Theorien relativ entkoppelt betrachtet werden können. Wenn die sexuellen Vereinigung rein zufällig ablaufen würde, gäbe es keine Ausprägungen wie z.B. den Pfauenschwanz, der ja eher hinderlich im Lebenskampf ist.

    Comment | 5 October 2010
  • Dr. Martin Bartonitz

    Hier ist ein schönes Beispiel für das Präsentieren einer Eigenschaft, mit der Gefahr gefressen zur werden, zur Werbung eines Weibchens:
    Vögel locken mit „Scary-Movie-Effekt“ Weibchen an
    Artikel veröffentlicht im Handelsblatt.

    Comment | 18 January 2011

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