Oct
27
2010

Deutscher Bundestag und 10 Thesen zum Internet und zur digitalen Gesellschaft von Prof. Kruse

In seinem Beitrag zur öffentlichen Anhörung am 5. Juli 2010 der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft, veröffentlicht als Ausschussdrucksache 17(24)004-H vom 5.7.2010, schlägt Prof. Kurse seine 10 Thesen dazu an das imaginäre Internettor. Besonders gefallen hat mir der Hinweis, dass wir Bürger durch die Nutzung des Internets und damit der schnellen Verfügbarkeit von Informationen mehr Teilhabe und auch Verantwortung an unserer Gesellschaft erwarten. Hatten wir doch eher den Eindruck, dass wir Bürger immer Politik-verdrossener werden. Aber hier scheint sich gerade durch das Internet eine Trendumkehr zu erkennen. Hier nun erst einmal die Titel der Thesen:

  1. Die emotional geführte Debatte um die negativen persönlichen und gesellschaftlichen Auswirkungender digitalen Medien ist Ausdruck der ganz normalen Zurückhaltung gegenüber neuen Technologien.
  2. Die angeblich durch die digitalen Medien ausgelöste Überforderung durch Informationsüberflutung ist eine Frage der Bewältigungsstrategien und nicht Folge des Erreichens prinzipieller Kapazitätsgrenzen.
  3. Aufgrund des im Internet realisierten strukturellen und funktionalen Entwicklungsstandes entsteht ein generell wachsendes Bedürfnis der Menschen, sich aktiv an gesellschaftlichen Prozessen zu beteiligen.
  4. Durch die enorme Vernetzungsdichte, die hohe Spontanaktivität der Nutzer und die Existenz länger kreisender Erregungen besteht im Internet eine hohe Auftretenswahrscheinlichkeit für Lawinen-Effekte.
  5. Mit der Möglichkeit des spontanen Entstehens von Massenbewegungen durch Resonanzbildung in den sozialen Netzwerken verlagert sich die Macht grundlegend von den Anbietern auf die Nachfrager.
  6. Durch die enorme Zunahme der Nutzerzahlen und die Angleichung der Altersverteilung der User an die Gesamtbevölkerung wird die Internet-Dynamik zunehmend zum Spiegel von Gesellschaftsdynamik.
  7. Die durch das Internet gesteigerte Einsichtsfähigkeit in gesellschaftliche Zusammenhänge führt in Verbindung mit dem Wissen um die Macht der Resonanzbildung zur Re-Politisierung der Öffentlichkeit.
  8. Das erstarkende öffentliche Interesse am Spiel der Kräfte zwischen unterschiedlichen Stakeholder-Perspektiven fordert von Unternehmen und Institutionen maximale Transparenz und Nachhaltigkeit ab.
  9. Die Machtverschiebung durch das Internet stellt eine große kulturelle Herausforderung dar für alle Organisationen mit primär auf Systemkontrolle und Wettbewerb ausgerichteten Handlungsstrategien.
  10. Das im Internet bestehende Missverhältnis zwischen der erlebten Flüchtigkeit von Interaktionen und der dauerhaften Speicherung hinterlassener Spuren erhöht systembedingt das Risiko von Missbrauch.

These 3 geht genau auf den von mir erwähnten Wandel hin zu mehr gestalterischer Teilhabe an politischen Prozessen ein, so wie wir es aktuell z.B. an Stuttgart 21 nachvollziehen können. Herr Kruse schreibt:

“… Die bloße Existenz des Internets erzeugt Erwartungshaltungen bezogen auf Beteiligung, die zu ignorieren, sich weder die Wirtschaft noch die Politik leisten kann. Die Entwicklung von Mehrwert stiftenden Instrumenten der Einbeziehung der Menschen in Ideenfindungs- und Entscheidungsprozesse sollte Gegenstand entsprechender Forschungsförderung sein. Die Leitfrage zu dieser Thematik wurde bereits 2006 vom Massachusetts Institute of Technology zusammengefasst: How can people and computers be
connected so that – collectively – they act more intelligently than any individuals, groups, or computers
have ever done before?

D.h. sowohl die Entscheidungsprozesse in den Firmen (Wirtschaft) als auch die in der Politik werden sich durch die vielen sozialen Anwendungen des Web 2.0 wandeln. Mitarbeiter und Bürger werden demnach  immer besser informiert sein und durch die Nutzung der Gesamtintelligenz (siehe auch Ist unsere Schwarmintelligenz nützlich oder gefährlich? Web 2.0 basierte Online-Dienste jedenfalls schwärmen von und werben mit ihr) zu besseren Lösungen beitragen können, so man sie lässt. Ich würde uns allen wünschen, dass Herr Kruse mit dieser These Recht behält, sollten wir doch schneller zu noch lebenswerteren Strukturen kommen.

Und da kann ich nur den Kopfschütteln, dass der Bund es nicht geschafft hat, unseren neuen Personalausweis gleich an alle Bürger und kostenfrei inklusive dem Komfort-Kartenlesegerät  als Basis für zukünftige Bürgerbeteiligungen auszugeben. Da fehlte wohl der Mut und der Weitblick trotz der vielen Lobbyisten, oder war es doch Anderes. Siehe auch meinen gestrigen Post Geiz ist geil: Run auf den alten Personalausweis dazu.

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Written by Dr. Martin Bartonitz in: deutsch,general | Tags: , , ,

1 Comment »

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    Pingback | 9 November 2010

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