Oct
12
2010

Die Hölle wünscht sich Regeln und der Himmel weniger Harmonie

Musical-Szene aus Paradise of Pain

Musical-Szene aus Paradise of Pain

…, so die Erkenntnis des Musicals Paradise of Pain, aufgeführt von der BZN-Musical AG aus Reutlingen. Ich habe am letzten Wochenende das erste Mal die Gelegenheit gehabt, mir auf dem 4. Europäischen Jugend und Musical Festival vier von insgesamt acht Aufführungen von jungen Künstlern im gerade Mal 10.000 Seelen zählenden Herxheim anzuschauen. Alle Ensembles hatten wie durch Zufall ein gemeinsames Thema: die Hoffnung auf eine bessere Welt.

Was hat mir an dem Musical Paradise of Pain so gut gefallen? Nun, neben der Performance der Gruppe passte die Geschichte sehr gut zu den von mir schon thematisierten Problemen der Regelkonformität (Compliance), die auf der einen Seite hilfreich, auf der anderen Seite aber auch durch Überregulierung wieder negativ werden kann. Während im Himmel wie zu erwarten alle auf Schmusekurs gingen,  war in der regellosen Welt sprichwörtlich die Hölle los.

Nun kam es durch einen Computer-Hack eines Teufelsknechts zu einer Verwechslung. Johanna, eine ethisch standfeste Finanzbuchhalterin landete nach ihrem Tod in der Hölle, während der smarte Gauner Jonathan sich im Himmel wiederfand. Johannas erste Tat war es herauszufinden, dass es in der Hölle sehr wohl ein Regelwerk für ein gutes Zusammenleben gab, dies nur in Vergessenheit geraten war bzw. sich keiner daran hielt. Durch entsprechende Aufklärungsarbeit dieser quasi Compliance Managerin (dass es eine solche Rolle in der Wirtschaft gibt, ist sicherlich nicht reflektiert worden) ist es in der Hölle wieder für Alle erträglicher geworden, denn man ließ sich die Willkür der Chefin Mephista nicht mehr gefallen. Und wie es kommen muss, auch Jonathan wurde durch die Harmonie im Himmel zum Guten geläutert. Er und der hier ruhende Pool Angelina werden ein Paar. Aber ihm wurde dieser Zustand schnell langweilig. Er zeigte nun im Himmel, dass bei weniger Harmonie (-> tolle Jazzmusik) mehr Kreativität zu mehr Abwechslung und Spaß führt. Im übertragenen Sinn: Innovation. Nur wo eine Streitkultur gepflegt wird, wo jeder auch wertgeschätzt wird, ist das Potential zu Neuem vorhanden.

Am Ende haben sich die Schwestern Mephista und Angelina ausgesöhnt und auch die Bewohner von Himmel und Hölle konnten (wieder?) miteinander.

Dieses Musical Festival ist nun schon zum 4. Mal ausgerichtet worden. Dies ist ein imposantes Beispiel von engagierten, ehrenamtlichen Helfern. Die 8 Jugendgruppen sind mit 400 Personen für 6 Tage angereist. Tags über fanden professionelle Workshops zu Tanz, Gesang und Theaterspiel statt. An 4 Abenden führten jeweils 2 Ensembles ihr Musical in einer Länge von 100 Minuten auf. Diese 400 Teilnehmer müssen verpflegt und gut durch den Zeitplan gebracht werden. Damit der Ablauf reibungslos klappt, haben nochmals 100 Personen in den unterschiedlichsten Gruppen mit angepackt, sei es bei der Essensausgabe, dem Spülen, dem Bühnenumbau, oder bei Licht und Ton. Auch hier gilt: Teamarbeit ist, wenn man sich blind auf seine Kollegen verlassen kann.

Da fragt man sich, wieso sich hier alle so rein hängen und motiviert sind, ohne dass die Peitsche geschwungen werden muss (siehe X-Y-Theorie) und es noch nicht ein Mal eine finanzielle Entlohnung dafür gibt. Es liegt wohl einfach daran, dass der Mensch in sich motiviert ist und sich selbst belohnt. Die Akteure bekommen ihre Rückkopplung im Applaus und die vielen Helfer im Gesicht der vielen glücklichen Jugendlichen.

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Written by Dr. Martin Bartonitz in: deutsch,general | Tags: ,

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