Jan
16
2012

Die neuen BPM-Trends für 2012: was uns dieses Jahr anmachen wird …

Es ist wieder einige Zeit her, daher habe mich mal wieder umgeschaut, welche neuen Akronyme, Begriffe und sonstigen Schönheiten sich am BPM-Horizont bemerkbar machen, jedenfalls was die Marktanalysten so sehen. Fangen wir mal mit Gartners Hype Cycle for Business Process Management aus 2011 an. Da ich die Grafik hier nicht veröffentlichen darf, so sei noch kurz für Jene, die ihn nicht kennen, gesagt: der Hype Cycle wird für viele Technologien von Gartner erstellt, um den Reifegrad der einzelnen Disziplinen zu visualisieren. Es ist eine Kurve, die von null startet und über die Zeit ähnlich einer Gaußkurve zu einem Maximum ansteigt. Produkte oder Methoden, die unten aufgeführt werden, sind ganz neu am Markt und damit ein neuer Hoffnungsträger. Wenn sie oben angekommen sind, ist der Hype, also die größte Aufmerksamkeit und Erwartung erreicht. Anschließend geht es erst einmal wieder bergab in das Tal der Ernüchterung. Produkte die das Tal durchschreiten und den dann flachen etwas höher liegenden Ausläufer erreichen, dürfen sich als ausgereift betrachten.

Und nun kommt´s: Auch nach Jahren dieser BPM-Hype-Veröffentlichungen sind die BPM-Suiten immer noch nur auf der Hälfte des Abgangs in die Talsole registriert. Überholt haben sogar die Business Rule Management Suiten. Ausgereift sind allein die Disziplinen Business Activity Monitoring sowie die BPM Standards.

Aber schauen wir mal nach, was da an neuen Punkten am Anfang der Kurve zu finden ist:

Ganz unten am Fuße des Berges findet sich das Akronym S-BPM für Subject-Oriented BPM, einer Disziplin aus einem akademischen Zirkel in Deutschland inkl. einem Produkt. Hut ab, dass sie es auf die Kurve gebracht haben.

Etwas höher angesiedelt ist EAD, stehend für Enterprise-Class Agile Development.  Das zietere ich mal, bevor ich mich hier verbiege:

This is the use of customer-centric, collaborative and cooperative practices with constant stakeholder feedback in dynamic and changing heterogeneous environments throughout the software life cycle, in support of the continuous delivery of adaptive solutions. EAD is not just important to, or a concern of, IT as a business unit, but it also applies to the enterprise.

Weiter geht es mit den Business Rule Management Services in der Cloud, eigentlich konsequent, auch diesen zu erwartenden Hype zu sehen.

Das Thema Case Management ist nur ein wenig höher gerutscht gegenüber dem letzten Jahr. Wenn ich nicht schon vorher den Post von BPM: The Trends to watch in 2012 von Adam Deane gelesen hätte, hätte ich diesen Punkt als Adaptive Case Management erwartet und zudem was weiter oben. Adam sieht noch wenig Adaptives am Case Management der Hersteller. Ich würde zumindest hier das ISIS Papyrus vom Ziehvater Max J. Pucher als fundierten Anwärter des ACM sehen. Immerhin wird über das Thema ausführlich in dem neuen WfMC-Buch Taming the Unpredictable – Real-World Adaptive Case Management gesprochen, aber das Buch kam ja auch etwas später als der 2011er BPM Hype Cycle heraus.

Auch noch immer in den Kinderschuhen stecken soll das Thema Process Registry and Repository. Ist das womöglich der Grund, dass Gartner die BPM-Suiten noch immer auf dem Weg ins Tal der Ernüchterung sieht und nicht ausgreift?

Neu auf der Kurve ist der Topic BPM Certification. Das ist wohl der Tatsache geschuldet, dass es seit vorletztem Jahr einen Standard für den Umfang des Wissens eines BPM-Experten gibt in Bezug dessen dieselben geprüft werden können, siehe auch meinen damiligen Artikel dazu: Die BPM-Wolke nimmt weiter Strukturen an.

Ansonsten ist noch das Thema BPM Cloud Services mit aufgenommen worden, was sich aber noch sehr schwer tun soll. Ähnlich sieht das auch Adam Deane.

Abschließen will ich noch mit einem Punkt, den Gartner als wichtig erachtet – Intelligent Business Operations, womit gemeint ist:

This is a style of work in which near-real-time analytic and decision management technologies are integrated into the transactionexecuting and bookkeeping operational activities that run the business.

Hm, ich erinnere mich, dass diese Ideen schon zu Zeiten der Brainware von SER Anfang des Milleniums unterwegs war, also so neu ist es dann eigentlich auch wieder nicht.

Dann habe ich mal einen Blick auf die Themen der Agenda des diesjährigen von Gartner veranstalteten BPM Summit in London geworfen, denn da sind die neuesten Buzzworte meist auch zu finden. Hier fiel mir neben den aktuellen Trends wie social, agile, adaptive und mobile BPM, wie sie Adam auch sieht (und wir sie auch z.T. unterwegs haben ;-), noch der Begiff des Internet der Dinge auf.  Die Closing Keynote von John Mahoney lautet: The Next Frontier — People, Process and Things: Taking BPI To The Internet Of Everything.

Und da mir dieses Internet der Dinge noch gar nicht richtig ins Blickfeld geraten war, habe ich mich mal im Netz umgeschaut und dabei das interessante Whitepaper The Internet fo Things – How the Next Evolution of the Internet Is Changing Everything von Dave Evans gefunden. Und ja, darin sind revolutionäre Dinge geschildert, wie sich  viele Dinge dem Internet bewusst machen und damit unsere Geschäftsprozesse verändern werden. Mein Bauch grummelte bei der Lektüre so vor sich hin, bis sich auch mein Geist eindrucksvoll mit Bildern meldete, die ich mir als Jugendlicher beim Lesen des Buchs 1984 von George Orwell ausmalte. Aber da dieser Artikel schon wieder zu lang ist, gehe ich das Thema im nächste Post an, versprochen.

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Written by Dr. Martin Bartonitz in: general,process management | Tags: , , , ,

1 Comment »

  • Dr. Martin Bartonitz

    Ein Kommentar, der uns von Albert Fleischmann erreichte: Danke für das Abnehmen des Hutes, hinsichtlich S-BPM. Ich bin in diesem “akademischen Zirkel” obwohl ich nicht an einer Hochschule oder sonstigen Lehr- und Forschungsinstitution beschäftigt bin. Gott sei Dank stimmt die Aussage von Gartner nicht ganz. Zu S-BPM gibt es eine umfassende Werkzeug Suite die von Unternehmen wie z.B. die Fiducia, der FI-TS, der Swisscom bereits produktiv oder in Pilotprojekten genutzt wird d.h. da hat man die Akademie schon hinter sich gelassen. Es gibt aber auch noch zahlreiche Forschungsideen die durchaus noch in zum Teil EU geförderten Projekten untersucht werden. Alle die sich über den Stand der praktischen Nutzung und der Forschung informieren wollen sind gerne auf die 4. S-BPM ONE nach Wien eingeladen (Details siehe http://www.s-bpm-one.org). Um aus den seit Jahrzehnten eingefahrenen Geleisen des BPM etwas heraus zu bekommen haben einige engagierte BPM Enthusiasten das Institut for inovative Process Management gegründet ( http://www.i2pm.net ). Wenn man dort Mitglied wird kann man sich in diesen ominösen akademischen Zirkel einbringen. Was sehr erwünscht ist. Nun noch ein bisschen Eigenwerbung. Zu S-BPM gibt es seit einem halben Jahr ein 400 seitiges Buch. Subjektorientiertes Prozessmanagement, Hanser Verlag 2011. Eine englische Version ist in Arbeit. Ich hoffe dass dies hilft den Startpunkt des Hype Cycles etwas zu erklären und dass S-BPM eigentlich schon weiter ist.

    Comment | 17 January 2012

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