56 DOMEA am Scheideweg: zukunftsweisender Neuanfang oder alter Wein in neuen Schläuchen? 41
Im Mai 2012 ist auf der Web-Seite Verwaltung innovativ das neue DOMEA-Konzept Organisationskonzept elektronische Verwaltungsarbeit vorgestellt worden. Das alte Konzept hatte ausgedient. Die Kritiken an dem überbordenden Konzept wurden aufgrund der gemachten Umsetzungserfahrungen immer lauter. So wurde entschieden, das Konzept zu verschlanken und an die moderneren Technologien anzupassen. Das alte 1994 geborene Konzept ist zwar gerade volljährig, aber nie richtig “geschäftsfähig” geworden. Ist das neue Konzept wirklich der große Wurf zu mehr Pragmatismus oder nur die Modularisierung des Alten und die Ergänzung um das Kollaborative der neuen Web 2.0 Welt?
Historie: das eigentliche Problem von DOMEA
Wenn wir uns die Anforderungen an eine DOMEA-Lösung anschauen, die sich aus dem alten Konzept ergaben, und auf den Automobilbau übertragen, dann würde das Lastenheft folgende Punkte beinhalten:
- 30 Tonnen Nutzlast, italienisches Design
- Beschleunigung von 0 auf 100 in 8 Sekunden
- Höchstgeschwindigkeit 160 Km/h
- Wendekreis kleiner 10 Meter
- Stuttgarter Komfortniveau
- Nummer 1 in der ADAC-Pannenstatistik bei absoluter Wartungsfreiheit
- Green-IT: geringster Energieverbrauch und dieser emissionslos
- Optimale aktive und passive Sicherheit für Insassen und jeden weiteren Verkehrsteilnehmer
Und das alles bei asiatischem Kleinwagen-Preisniveau
Jede Forderung für sich, ist zweifelsfrei 100% gerechtfertigt.
Offensichtlich kann eine Lösung aber immer nur einen Kompromiss dargestellt haben. Also darf man sich nicht wundern, wenn in der Regel eine Lösung für ein Problem, die nur zwei Kernanforderungen adressierte, nicht optimal unterstützt wurde. Zumal bei einer Ausschreibung das Zertifizierungsdogma höher bewertet wurde, als der gesunde Menschenverstand.
Wünsche an das neue DOMEA
Bleiben wir bei der Analogie zum Automobilbau und versuchen die Gründe ihres Erfolgs zu indentifizieren, speziell in Deutschland. Die Strategie der Hersteller, die unterschiedlichsten Anforderungen optimal zu adressieren, ist am Beispiel von Volkswagen offensichtlich. Je nach Anforderungsschwerpunkt werden unterschiedliche Marken ins Rennen geschickt. Die Zuordnung liegt auf der Hand:
- Scania
- Lamborgini
- Skoda, Seat
- Ducati (Motorrad), VW Lupo
- Bentley
- Audi
- VW
Trotzdem versteht es der Konzern, die Teile, die mehrfach verwendet werden können, auch sinnvoll mehrfach zu verwenden, z.B. Motoren, Elektronik, etc. aber nie alles überall. Übertragen wir das auf DOMEA, kann es zukünftig nur darum gehen, die wirklich passende Lösung zu einem konkreten Anwendungsfall auszuwählen. Das bedeutet, das neue DOMEA funktioniert nur dann, und genau dann, wenn sich aufgrund des Konzeptes eine Markenvielfalt entwickeln muss, und DOMEA dafür Sorge trägt, dass nur die “sinnvoll” mehrfach verwendbaren Komponenten vereinheitlicht werden.
Das nun nicht mehr ein Systemmonster eingekauft werden muss, ist an der Modularisierung des neuen Konzepts erkennbar. Der Baukasten unterscheidet folgenden Funktionsblöcke (mit Link: fertige Bausteine):
- E-Langzeitspeicherung
- E-Poststelle und Signatur
- Scan-Prozess
Die Anforderungen an eine elektronische Akte sowie an die Vorgangsbearbeitung (Geschäftsprozessmanagemt/Workflow/BPM) waren die Schwerpunkte im alten Konzept. Inzwischen brennen die Thema Kollaboration, E-Mail-Management (E-Poststelle) sowie das beweissichernde Aufbewahren von signierten Dokumenten (Langzeitspeicherung) auf den Fingernägeln, daher sind sie neu hinzugekommen.
Auf eine Zertifizierung ist inzwischen auch verzichtet worden. Das reduziert zudem die immensen Aufwände auf Seiten der Hersteller und Auditoren, den Kosten sei es Dank. Oder wenn wir das einfacher formulieren:
Anstelle des bürokratischen Formalismus tritt der gesunde Sachverstand.
Wer direkt mit uns diskutieren möchte, der mag uns eine E-Mail an domea[at]saperion.com schicken
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Dazu passend:
gefunden in: Vom Fluch der Standards, von Uwe Hauck
1eAuf der diesjährigen CeBIT gab es eine Podiumsdiskussion Sinn und Unsinn von ECM-Standards, in der klar wird, dass Standards gut sind bei wenig Parametern, aber weniger Sinn machen, wenn der Umfang sehr groß wird.
1eAxel Kroll hatte das Thema Backend-Standards in 2010 ebenfalls schon kritisch auf seinem Blog beleuchtet:
1eAuf Anregung von Dr. Ulrich Kampffmeyer habe ich noch einen Artikel auf XING eingestellt, so dass auch auf “neutralem Boden” diskutiert werden kann.
Herr Kampffmeyer hat auf Facebook in der Gruppe Project Consult Fans schon einen ersten Kommentar gegeben:
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