Jul
04
2010

Es wächst zusammen, was zusammen gehört: BPM und ECM. In Gleichberechtigung? Oder wird einer assimiliert?

Ich habe nach weiteren Anzeichen geforscht, dass die beiden Welten BPM und ECM immer näher aneinander rücken (siehe auch Post WfMC´s Vordenker proklamierten Ende 2009 in Maidenhead die nächste BPM-Revolution mit Adaptive Case Management). Und die Zeichen sind kaum zu übersehen.

Gartner als einer der großen Treiber der Funktionsblöcke, die hinter dem  Akronym BPM subsummiert werden, hat in der Veröffentlichung seines magic BPM Quadranten 2009 diese neue Anforderung formuliert:

“Enable participants to manipulate and manage structured and unstructured information within the process, not just as referenced attachments to their tasks.”

Ist hier Content und Document Managment noch nur zu interpretieren, so ist spätestens mit dem Post Do You Understand the Difference Between Workflow and BPM? von Janelle B. Hill, der führenden BPM-Experting bei Gartner, im April 2010 klar, dass diese Funktion ein Bauteil von BPM Suiten ist:

Gartner´s 2010er Defintion von BPMS

Gartner´s 2010er Defintion von BPMS

Dass das Thema Workflow Management in dieser Sicht auch nur ein Baustein unter vielen ist, wird an dem Rädchen Process Execution and State Management Engine deutlich. Wer also eine komplette BPM Suite anbieten will, muss sich ganz schön ins Zeug legen, sind doch inzwischen 10 Themenfelder zu beherrschen.

Noch hat Gartner einen eigenen magic Quadrant for Enterprise Contennt Management in 2009 veröffentlicht, in dem u.a. auch SAPERION als einer der deutschen Vertreter gelistet ist:

Gartner magic ECM Quadrant 2009

Gartner´s magic Quadrant for Enterprise Content Management in 2009

Schauen wir uns eine weitere, Markt-beeinflussende Kraft an. Die AIIM – Association for Information and Image Management – auch als Enterprise Content Management (ECM) Association bekannt. Diese Organisation führt in ihrer Definition schon länger das BPM als Teilaufgabe des ECM auf:

AIIM´s Teildefinition von ECM: Business Process Management/Workflow

“The tools that move content throughout an identified business process, such as claims processing. BPM solutions are frameworks that can be used to develop, deploy, monitor, and optimize multiple types of process automation applications-including processes that involve both systems and people. Consider which processes are candidates for automation, and whether they require some degree of ad hoc processing or manual intervention. Workflow is now commonly associated with the manual processes of managing documents. Workflow handles approvals and prioritizes the order documents are presented. In the case of exceptions, workflow also escalates decisions to the next person in the hierarchy. These decisions are based on pre-defined rules developed by system owners.”

Es ist hier klar zu erkennen, dass diese Definition von BPM deutlich kleiner gefasst ist als bei Gartner. Passender wäre es, hier nur von Workflow Management zu sprechen. Aber immerhin, die AIIM ist eine der ersten unabhängigen Organisationen gewesen, die eine Zertifizierung von BPM-Experten angegangen ist: Business Process Management (BPM) Certificate Program

Ein weiteres Indiz für das Zusammenwachsen der beiden Themen BPM und ECM ist die gegenseitige Mitgliedschaft. So ist die AIIM Mitglied der WfMC und vice versa. Die WfMC, eine Organisation von über 300 Anwendern, Beratern und Herstellern, hat sich seit 1993 auf die Fahne geschrieben, die Verbreitung von Workflow Management Systemen auf dem Markt zu fördern. Die neueste Erkenntnis der WfMC ist, dass viele Prozesse nicht vorhersehbar ablaufen. Daher gibt es nun neben BPM auch eine Definition für das neue Acronym ACM, stehend für Adaptive Case Management, siehe die Definition und Abgrenzung zu Workflow Management.

Es sieht danach aus, dass wir mehr und mehr zu Business Process Platforms kommen, die eine Reihe von zu einander passenden Tools zur Unterstützung spezifischer Aufgaben anbieten werden. Vom unstrukturierten bis strukturierten Content (Datenbank und Dokumentenmanagement) und von unstrukturierten bis strukturierten Prozessen (Workflow und Case Mangement). Das Eine wird nicht ohne das Andere effektive funktionieren. Ich bin allerdings gespannt, wer den Takt zukünftig schlagen wird:

  • Wird ECM in BPM aufgehen, d.h. darin assimiliert oder umgekehrt BPM von ECM assimiliert?
  • Oder gibt es etwas ganz Neues, wo es sich doch gezeigt hat, dass ERPs und CRMs mit entsprechenden BPM- und ECM-Funktionen sich besser auf dem Markt behauptet haben?

ECM-Funktionen waren eine der ersten ASP bzw. SaaS Angebote im Internet. Gefolgt von ERP und CRM Anbieter. Gerade Salesforce hat hier gezeigt, dass Firmen durchaus bereit sind, ihre sehr sensiblen Kundendaten und -prozesse auch außerhalb der eigenen vier Wände hosten zu lassen. BPM hat es bis vor einigenTagen nur im Bereich des Modellierens von Prozessdiagrammen gegeben. Singularity hat nun scheinbar als erstes Unternehmen auch das Ausführen von Prozessen über das Internet angeboten. Ich werde es mir diese Woche anschauen und noch berichten.

Bisherige BPM-Angebote waren eher unter dem Motto von social oder collaborativ im Netz. Eine der ersten Angebote kamen von unserem Partner Signavio mit dem Process Editor (siehe z.B. Signavio und AOK Berlin-Brandenburg gewinnen Award auf dem Process Solution Day 2010). Weitere Firmen folgten sogar wie berichtet mit aktuell noch kostenfreien Nutzungsangeboten. So die Software AG mit ARISalign, IBM mit BPM Blueworks oder auch der Hamburger Newcomer intellivate mit IYOPRO.

Ich bin mal gespannt, wie das aktuelle Jahrzehnt die Themen BPM, ECM, CRM und ERP gerade durch die Erschließung der Cloud wandeln wird.

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Written by Dr. Martin Bartonitz in: company,deutsch,language | Tags: , , ,

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