Feb
14
2010

Ethische Richtlinien nur für BPM Professionals?

European Association of Business Process Management

European Association of Business Process Management

Die aktuelle Krise hat uns deutlich vor Augen geführt, dass es mit der Vermittlung religiös-basierter, ethischer Werte nicht weit her ist.  Umso mehr scheint mir der Ansatz der European Association of Business Process Management (EABPM), in ihrem Leitfaden zum BPM CBOK (Guide to the Business Process Management Common Body of Knowledge) ethische Richtlinien zu verankern, eine wichtige Ergänzung zu sein. Jeder BPM Professional, der sich von der EABPM zertifizieren lassen will, muss sich vorher den ethischen Richtlinien durch Unterschrift verpflichten:

“Rechtschaffenheit ist das Fundament professionellen Verhaltens. BPM Professionals erledigen ihre Aufgaben, indem sie gegenüber der Öffentlichkeit, Arbeitgebern, Kunden und Kollegen ehrlich, fair und nach besten Kräften objektiv sind.”

Erweitert werden die ethischen Richtlinien durch die folgenden Verhaltensnormen:

  • “ich vermeide Interessenkonflikte soweit dies möglich ist und mache den Beteiligten bestehende Interessenkonflikte bewusst
  • ich sichere zu, niemals vertrauliche Informationen oder Betriebsgeheimnisse zu missbrauchen oder zu meinem eigenen Vorteil zu nutzen
  • ich übernehme die volle Verantwortung für die Leistung, die ich erbringe
  • ich stelle sicher, dass die Ergebnisse meiner Arbeit nach meinen besten Kräften sozial verantwortlich umgesetzt werden
  • ich beachte und befolge alle relevanten Gesetze und Verordnungen
  • ich stelle sicher, dass ich über die aktuelle Entwicklung in meinem Fachgebiet informiert bin und sorge dafür, dass das entsprechende Wissen in die Arbeit mit einfließt
  • ich teile mein Wissen mit Dritten und stelle ihnen nach besten Kräften sachbezogene und objektive Information zur Verfügung
  • ich bin bei allen meinen beruflichen Aktivitäten ehrlich, fair und strebe höchstmögliche Objektivität an
  • ich respektiere und schütze jederzeit die Interessenlage meines Arbeitgebers/ Kunden
  • ich werde geeignete Maßnahmen in den Fällen ergreifen, in denen ich Kenntnis erhalte von Verstößen gegen ethische Grundsätze und gesetzliche Vorschriften, unabhängig davon, wie meine persönlichen Interessen aussehen; Anschuldigungen gegenüber Dritten werde ich nur dann erheben, wenn ich dafür ausreichend fundierte Informationen habe
  • ich werde niemals Informationen, die für eine Problemlösung oder Situation relevant sind, selbst entstellen oder unterdrücken noch werde
    ich hinnehmen, dass Informationen entstellt oder unterdrückt werden
  • ich werde Informationsdefizite oder mangelnde Erfahrungen Dritter nicht zu meinem Vorteil missbrauchen
  • ich werde nicht die Urheberschaft für Leistungen beanspruchen, die von anderen erbracht wurden
  • ich werde die Befugnisse, die mir übertragen wurden, nicht missbrauchen.”

Diese verbindlichen Regeln sind zwingend in der beruflichen Arbeit einzuhalten. Ich bin der Meinung, dass diese Regeln in jedem Unternehmen wie unser Grundgesetz für unseren Staat Geltung haben sollten. Am Besten verankert im Arbeitsvertrag.

Ob dann die Krise hätte abgewendet werden können? Vielleicht schon. Wenn diese ethischen Handlungsnormen nicht nur in den Unternehmen, sondern schon in der Schule und nicht zuletzt im Elternhaus verankert und gelebt würden, wären wir im Ou Topos, nach Dr. Heiner Geißler an dem Ort, den es geben müsste.

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Written by Dr. Martin Bartonitz in: general | Tags: , ,

3 Comments »

  • Hallo Herr Bartonitz,

    ein sehr edler Gedanke. Die Welt könnte so schön sein. Aber die Realität sieht wohl leider etwas anders aus. Ich finde die ethischen Richtlinien gut und würde mich freuen wenn möglichst viele Professionals diesen Grundsätzen folge leisten. Zum Glück treffe kann ich immer wieder mit Menschen zusammenarbeiten, für die solche Grundsätze selbstverständlich sind. Da braucht keiner mehr Unterschreiben. Denn wie Sie schon sagen ist es zum Großteil eine grundlegende Einstellung der Menschen, wie sie mit Ihrem Umfeld umgehen. Und wenn jemand meint er braucht sich nicht angemessen verhalten, bringt auch eine Unterschrift auf einem Blatt Papier nichts. Leider.

    Schöne Grüße
    Martin Wieschollek

    Comment | 15 February 2010
  • Hallo Martin,

    ich bin mir bei der Beurteilung nicht so ganz sicher:

    Was kommt als nächstes? Ethische Richtlinien für Köche (“ich werde den Eintopf nicht versalzen”) oder Taxifahrer (“ich werde nicht zu schnell fahren”) oder Banker (“ich will eigentlich gar keinen Bonus”)?

    Was da steht, ist nett und schön und gilt generisch für so gut wie jeden, inkl. Köche, Taxifahrer und Banker. Ich kann das nicht ernstnehmen. Muss man wirklich ein guter Mensch sein, um in seinem Fachgebiet gute Arbeit zu leisten?

    Und noch etwas: ich persönlich würde mich in meiner Berufsehre gekränkt fühlen, wenn ich Dinge, die 1) Selbstverständlichkeiten und 2) Gemeinplätze sind, unterschreiben müsste.

    Als letzter Vorschlag: 16 Punkte sind eine ganze Menge, mehr als 10 scheinen sich Menschen ohnehin nur schwer merken zu können ;-)

    Viele Grüße
    Andreas

    Comment | 26 February 2010
  • Nach etwas Zeit, die den Rhein runtergeflossen ist, gebe ich Dir Recht. Wenn wir schauen, was uns die von Dir aufgeworfene Zahl 10 gebracht hat, so muss man doch konstatieren, dass auch die ständige Wiederholung der christlichen 10 Gebote nicht nicht erreicht hat, dass Verbrechen nicht stattfinden.
    Speziell hat sich gezeigt, dass gerade der Teil der Christen, die zwar regelmäßig in die Kirche gehen, aber nicht die Bibel komplett verinnerlicht haben, und das ist der größere Teil der Gemeinschaft, sehr intollerant gegenüber den anderen Religionen sind (siehe “Die Vermessung des Glaubens” von Ulrich Schnabel).
    Also werden wir auch mit der Unterschrift unter den Ethikrichtlinien in den Arbeitsverträgen nicht viel erreichen können.

    Comment | 28 February 2010

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