Feb
26
2009

Gartners Blick in die BPM-Kristallkugel 2009

Ich hatte diese Woche mal wieder die Gelegenheit, mir mit etwa 300 Teilnehmern auf dem jährlich stattfindenden Garnter BPM-Summit Event die Ansicht von Top-Beratern teilen zu können. Auch diese Veranstaltung stand wie so viele heute im Schatten der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise. Daher nahm ein Teil der Handlungsempfehlungen Bezug auf den aktuellen Druck auf die Unternehmen, Kosten einsparen zu müssen. Janelle B. Hill äußerte ihre Überzeugung, dass Firmen, die Mitarbeiter in großer Zahl ohne weitere Analysen freisetzen, einen beträchtlichen Verlust ihrer Wissens-Assets erfahren werden und sich damit noch schlimmer stellen werden. Des Weiteren wurde darauf hingewiesen, dass Firmen, die in einer Krisenzeit einen Teil der Kosteneinsparungen in Prozessoptimierungen investiert haben, deutlich besser aus als ihre Konkurrent wieder zum Laufen kamen.

Nutzen Sie eines der Tools in Ihrem Hause

Spannend empfand ich die Empfehlung gleich in der Key-Note des ersten Tages: “Sie brauchen eigentlich kein neues Tool für Ihre anstehenden BPM-Initiativen. Nutzen Sie eines der Tools in Ihrem Hause!” Als einer der gut zahlenden Aussteller der begleitenden Messe, hätte ich mich bedankt.

Apropos Aussteller. Diesmal hatte Ultimus als einer der Positionierten im Magic Quantrant für BPM gefehlt. Dafür waren das erste Mal CORDYS und Microsoft dabei. Letzterer trat mit dem doch nicht kleinzukriegenden BizzTalk Server, diesmal Version 2009 an.

Und auch ein AHA zum Magic Quadrant: die Positionierung sagt wenig zur Funktionalität aus, da auch die weicheren Faktoren wie Größe und Stabilität der Firma mit starkem Gewicht eingegangen ist. Es gab daher den Hinweis, dass es noch immer notwendig ist, die Anfoderungen gegen die Funktionen der einzelnen Produkte zu prüfen, wenn man etwas gut passendes finden möchte. Ich hatte die Gelegenheit, einige der anwesenden Anwender zur Nützlichkeit des Magic Quadrant zu befragen: man war eher skeptisch.

SOA is dead

Spannend war auch die Stellungnahme zum Artikel “SOA is dead”, der in den letzten Wochen für Aufregung im Web sorgte. Bei Gartner sieht man, dass SOA und BPM wie das Yin und Yang sich einander ergänzen. SOA benötigt BPM zur Koordination und BPM braucht die Services des SOA zur Konsumierung in den Prozessen. D.h. 1 + 1 > 2. Zudem wüsste man, wer die Autorin wäre. Sie hätte auch schon andere aufreißerische Artikel geschrieben, deren Voraussagungen auch nicht eingetroffen wären.

Unübersehbar ist inzwischen auch die Positionierung der Rule Engines im Kontext von BPM-Implementierungen. Es gibt die unterschiedlichsten Stellen in den Prozessen und Anwendungen, wo entsprechende Regeln zur Entscheidung wieder verwendet werden können. Dieses Potential hat auch IBM erkannt und gleich einen der bisher gut platzierten Hersteller gekauft. Die ILOG läuft seit Januar unter der IBM-Flagge. Des Weiteren ist zu bemerken, dass sämtliche Hersteller, die in dem rechten, oberen Magic Quadrant stehen, eine entsprechende Rule Engine Komponente im Portfolio haben.

Neu dabei: Process Mining

Neu auf das BPM-Parkett gekommen ist das Thema Process Mining. An diesem Thema arbeitet Prof. Wil van der Aalst, dessen Workflow Pattern Home Page die bestbesuchte BPM-Site ist, schon seit 10 Jahren. Mittlerweile konnten sowohl er als auch einer seiner Schüler, der inzwischen bei einem Hersteller ist, auf der Veranstaltung nachweisbare Erfolge präsentieren. Beim Process Mining werden Daten aus unterschiedlichsten Quellen zusammengetragen, um daraus Aufgabenketten abzuleiten.  Über einen “Korrelationsschieber” können die wichtigsten Pfade “herausgeschält” werden. Vorteil dieses Vorgehens ist, dass auf langwierige Befragungen der Prozessbeteiligten verzichtet werden kann, um die Prozesse herauszuarbeiten (discover). Das könnte dem BPM einen weiteren Schub verschaffen.

Business Process Modeling Notation

Auch beim Prozessmodellieren zeigt sich inzwischen ein eindeutiger Trend ab. Derek Miers hatte die Ergebnisse einer aktuellen Online-Umfrage zu Verwendung von Tools mitgebracht. Die Business Process Modeling Notation (BPMN) hat inzwischen den Platzhirsch EPK (ARIS Toolset) verdrängt. Allerdings war festzustellen, dass nach wie vor die Hälfte aller grafischen Modelle mit Visio gepinselt werden. Aber auch hier ist abzusehen, dass Visio in Kürze von dem kostelose BPMN-Tool BizAgi überholt wird. Ich selbst hatte auch  schon damit gespielt und war beeindruckt über die Ergonomie dieses Tools und kann nur jedem empfehlen, es für die Darstellung von Prozessen auszuprobieren. Übrigens werden zu 75 % die Prozesse nur für die Dokumentation im Zuge des Qualitätsmangements gemalt. Nur 20% gehen in die Implentierung. Und diese Modelle wurden dann mit den Tools der BPMS/WMS erstellt.

Nur 20% aller Prozesse sind strukturiert, 40% sind rein kollaborativ

Und abschließend habe ich noch eine wichtige Information für die zukünftige Gestaltung von Workflow-Systemen mitgenommen. Nur 20% aller Prozesse sind strukturiert, 40% sind rein kollaborativ. Der Rest ist teilstrukturiert mit vielen Zwischenstücken, die AdHoc ablaufen. Die Art der Bearbeitung dieser Zwischenstücke wurde als Case Management bezeichnet. Als Beispiel seien hier die Abläufe in Krankenhäuser genannt. Patienten haben immer wieder unerwartete Komplikationen, die jeweils individuell bearbeitet werden. D.h. es gibt zu jeder Zeit eine Fülle an möglichen Aktivitäten. Wenn aber eine dieser Aktivitäten begonnen wird, folgen anschließend wieder klardefinierte Aktivitäten. D.h. heißt für ein Workflow-System, dass in einem groben Prozessmodell jederzeit beliebige Zwischenschritte oder auch Ketten zur Laufzeit von den Anwendern “eingebaut” werden können müssen.  Bzw. müssen zu einem bestimmten Zeitpunkt eine bestimmte Menge an Aktivitäten ausführbar sein , die jeweils parallel und optional ausgeführt werden können. Ich kenne bisher nur ein System, das dieses Konzept konkret umsetzt: CORDYS Business Operation Platform.

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Written by Dr. Martin Bartonitz in: deutsch,products | Tags: , , ,

1 Comment »

  • Hi,

    ich glaube das der Markt aber Artikel wie “SOA is Dead” braucht, denn nur so werden viele wach gerüttelt. Frei nach dem Motto:”Wer auffallen will, muss anecken.”

    Allgemein glaub ich das wir mit dem SAPERION Content Repository (“Larix”) den richtigen Schritt getan haben, um den Markt die Werkzeuge in die Hand zugeben, um SAPERION noch weiter integrieren zu können.

    Wenn ich da nur an unseren “Workflow Step Performer” denke, welcher eine super einfaches Toolset ist, um entweder eine Rules Engine, einen ESB oder andere Workflows (z.B. SAP-Workflow) anzubinden.

    Ich freue mich schon, wenn wir es in unserem Entwickler Portal (http://forge.saperion-dn.com) veröffentlichen und es in Kooperation mit unseren Kunden und Partnern weiterentwickeln.

    Comment | 2 March 2009

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