Jun
02
2009

Geschäftsprozessmodellierung: BPMN weiter auf dem Vormarsch! Auf Kosten von BPEL und XPDL? Es bleibt spannend …

Ich hatte am 27 Mai die Gelegenheit, mich auf einer Veranstaltung der Humbold-Universität in Berlin auf den aktuellen Stand der BPMN 2.0 zu bringen. Fazit: es bleibt in den nächsten 2 Jahren für alle, die sich für einen BPM-Standard in Spe entscheiden wollen sehr spannend. Nebenbei durfte ich auch einen historischen Augenblick für mich mitnehmen, denn die Veranstaltung fand in dem ältesten, noch erhaltenen Gebäude Berlins statt. Das Universitätsgebäude wurde an eine Kapelle aus dem 13. Jahrhundert angebaut und wird für entsprechende Veranstaltungen genutzt.

Der erste von vier 20-minütig Vortragenden plauderte als Mitglied der BPMN-Expertengruppe aus dem Nähkästchen. Zu erfahren war, dass sich die zwei teilweise konträren Lager nach anfänglichen “Grabenkriegen” sich doch auf sinnvolle Definitionen einigen konnte.Die beiden Lager vertreten auf der einen Seite Software für die reine Prozessdokumentation und auf der anderen Seite die Ausführung der Modelle. Die Expertengruppe wird nun die Spezifikation der OMG-Gremien zur Prüfung und zur Freigabe übergeben. Dieser Prozess wird dann nochmals 6-12 Monate andauern. D.h. im optimalen Fall werden wir noch in diesem Jahr die BPMN 2.0 sehen.Neben einigen neuen, bisher fehlenden Objekten, im Wesentlichen Ereignissen, ist die wichtigste Neuerung das integrierte Metamodell für die Speicherung des Modells. Bisher wurden für den Austausch der Modelle zwischen unterschiedlichen Anwendungen die XML Process Definition Language (XPDL) der Workflow Management Coalition (WfMC) und für die Ausführung neben der XPDL (human centric) auch die Business Process Execution Language (BPEL – web service centric) der OASIS genutzt. Aufgrund der Mapping-Probleme von den Graph-orientierten BPMN-Modellen hin zu den Block-orientierten BPEL-Modellen sowie fehlenden Konstrukten der XPDL für ein vollständiges Laufzeitverhalten, hat sich die Expertengruppe darauf geeinigt, mit der Version 2.0 eine eigenes Prozessausführungsmodell mitzuliefern.

Bisher war die Planung, die BPMN mit dem Business Process Definition Metamodel (BPDM) zusammenzubringen. Allerdings stellte sich heraus, dass die BPDM auf Basis des OMG-sepzifischen MOF-Modells zu viele Freiheitsgrade besaß, weshalb diese Idee verworfen wurde. Für mich ist es nun spannend zu beobachten, ob und welche Firmen sich der mit der BPMN 2.0 freigegebenen Prozessausführungssprache widmen werden. Viele Hersteller von Software für die Prozessdokumentation einerseits sowie für die Unterstützung eher human centric Workflows haben die Spezifikation der XPDL umgesetzt. Auf der anderen Seite gibt es ein starkes Lager mit IBM, Oracle, SAP und ggf. auch Microsoft, die BPEL-orientierte Software auf dem Markt haben. Die Frage ist nun, ob die Vorteile der Version 2.0 für die Prozessausführung groß genug sind, dass die Firmen nochmals richtig Geld für den umstieg in die Hand nehmen. Wir, die SAPERION hat jetzt ebenfalls zu entscheiden, ob man nicht doch anstelle des bisher angedachten XPDL-Imports auf die neue Spezifikation umsteigt. Mein Bauch sagt mir, dass es noch gut 2 Jahre brauchen wird, bis die Hersteller von BPMN-Tools soweit sind. Daher wäre es sicher besser, jetzt auf die vorhandenen Export-Modelle aufzusetzen und das wäre für das Graphen-orientierte SAPERION Worfklow-Modell die XPDL.

Wenn ich mal ein paar weitere Blicke in die Kristallkugel werfen darf, dann sehe ich den BPEL-Stern in etwa 2 Jahren sinken. Das liegt vorrangig an meiner zweiten Einschätzung. Ich hatte 2005 in meiner ersten Publikation meine Einschätzung abgegeben, dass BPMN das Zeug dazu hat, sich als der Standard für die Prozessemodellierung durchsetzen zu können. Schaut man sich die Menge der Tools an, die dies Notation inzwischen beherrschen, und nimmt man die Häufigkeit der Nennung in Ausschreibungen hinzu, so habe ich den Eindruck, dass BPMN schon heute nicht mehr wegzudenken ist. Bemerkbar ist auch die Zusendung von Prozessmodellen zwecks Beurteilung, ob wir diese umsetzen können. Damit komme ich zu einer weiteren Einschätzung: auch die EPKs der IDS Scheer werden deutlich weniger werden. Einerseits fehlen den EPKs eine Reihe sinnvoller Beschreibungsobjekte, andererseits gibt es inzwischen deutlich günstigere BPMN-Tools auf dem Markt. Nicht zu übersehen ist allerdings auch die Macht der großen Firmen. Großkunden haben viel Zeit und Geld in die Erstellung von EPKs gesteckt, so dass diese Clientel nicht so schnell auf BPMN migrieren kann. Dagegen wird der Mittelstand, der erst jetzt verstärkt an die Prozessmodellierung geht, direkt auf BPMN setzen. Des Weiteren ist es den großen BPEL-Hersteller noch gelungen, als Voraussetzung für eine vollständige BPMN-Konformität auch das Mapping nach BPEL festzulegen.

Zum Schluss lade ich alle Interessierten ein, sich einmal das BPMN-Tool von der itp-commerce AG anzuschauen, das sich mit BPMN-Stencils als auch einigen weiteren nützlichen Funktionen in Visio Microsoft einnistet. D.h. schon in Visio trainierte Personen werden sehr schnell auch BPMN-Grafiken erstellen können. Einen interessanten Ansatz bietet die Fa. Signavio, mit Sitz direkt gegenüber der SAPERION. Das Tool basiert auf den modernen Internet-Infrastrukturen. D.h. es kommt mit einem Client, der keine Installation benötigt und das Modelle in einem zentralen Repository ablegt. Eine Diskussionsfunktion fördert das gemeinsame Arbeiten an den Modellen. Neben einem Inhouse-Betrieb wird auch ein SaaS-Modell auf Mietbasis von 30 € pro Monat mit konkurrierenden Bnutzern angeboten. Zum kostenlosen Test geht´s hier lang: http://www.signavio.com/try.

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Written by Dr. Martin Bartonitz in: deutsch,general | Tags: , , , , , ,

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