Oct
20
2010

IBM´s Chefarchitekt Prof. Gunter Dueck begeistert mit seiner Definition einer “menschlichen” Ökonomie

Es ist selten, dass man ein Sachbuch liest und dabei tief ergriffen ist. So jedenfalls ging es mir, als ich gerade nach dem letzten Kapitel das Buch Abschied vom HOMO OECONIMCUS … von Prof. Gunter Dueck aus der Hand gelegt habe. Herr Dueck hatte in dem Buch ziemlich klar dargestellt, dass unsere Wirtschaft aufgrund der Erfindung von Basis-Technologien wie die Dampfmaschine, die Eisenbahn, die Elektrizität, das Auto oder den Computer Achterbahn fährt. Beim Ausrollen der neuen Technologie ist so viel zu tun, dass alle Arbeit haben und alle freundlich miteinander sind. Die Welt ist nach Ansicht der Manager voller selbstmotivierter Y-Menschen. Wenn die Sättigung erreicht wird, wird es eng und es wir um jedes bisschen Effizienz gekämpft. Überall sehen nun die Manager faule X-Menschen (siehe Post Phasic Instincts – wann sind wir gute Y-, wann schlechte X-Menschen?).

Herr Dueck führt die extremen Schwankungen auf die falschen Theorien der Makro-Ökonomien zurück, die uns den Belick verstellen. Das Menscheln, unsere Irrationalität wird überhaupt nicht berücksichtigt, man geht nur von rational denkenden Menschen, die nur nach ihrem Vorteil Entscheiden aus. Und so werden falsche Annahmen getroffen.

Wir würden nun wieder in eine Aufschwungphase geraten: Maschinen werden nun mit Intelligenz versorgt, so dass ganz neue Arbeitsplätze geschaffen werden. So könnten zukünftig z.B.  LKWs oder Taxen vom Home Office aus gesteuert und damit besser ausgelastet werden.

Herr Dueck ist absoluter verfechter der Theorie, dass fast jeder Mensch zu einem Experten ausgebildet werden kann, wenn wir es nur tun wollten (hier sein genialer Artikel Polemik gegen den Hass auf „Jeder kann und soll studieren!“). So weist er auf Schweden hin, wo zwei Lehrer in einer kleinen Klasse lehren. So bleibt keiner auf der Strecke. Und für Experten scheint es ja derzeit Arbeit genug zu geben.

Warum war ich so ergriffen?

Anstelle einer getriebenen Ökonomie der Phasic Instincts schlägt Herr Dueck folgende inspirierende  Definition vor: “Die ganze Ökonomie dienr der Versorgung der gesamten menschlichen Gemeinschaft, die in sich fühlt, dass sie ein gemeinsames Schicksal hat. Die Ökonomie gründet sich in starkem Maße auf die Arbeitsleistung von einzelnen Menschen, ja, aber auch auf die gemeinschaftliche Leistung einer Kultur. Im Hin und Her der Wirtschaftsphase kommt es zu großen Schäden, zu Missbrauch. Im Aufwärts beuten die Menschen die Unternehmen und die Gemeinschaft aus, sie erzwingen lohnerhöhungen durch Streiks und Staatsleistungen durch Wählerstimmen für Großversprecher. Im Abschwung nehmen die Starken im Namen der Vernunft und der Effizienz den Schwachen alles weg und lassen die Schwachen notfalls verarmen oder gar verhungern, wenn sie es nicht direkt mit ansehen müssen. Im Abschwung vernichten die Starken die Kultur der Gemeinschaft. Dieses extreme Hin und Her legt die Kultur fortwährend in Asche und baut es wieder auf. Wir müssen uns überlegen, wie wir die Ökonomie gleichmäßig entwickeln. Die Gemeinschaft muss ethisch stark genug sein, das kämpfen einzudämmen und die Forderungen nach Luxcusmit Bestimmtheit abzuweisen.

Dass wir das könnten, sieht er am Beispiel der Eindämmung der Inflation. Sein Schlusssatz ist: “Das Hin und Her ist das Übel! Wir müssen mit Freude und Energie unseren Weg gleichmäßig und gemeinsam gehen.

Ich bin mal gespannt, ob unsere Makro-Ökonomen unsere Manager auf den rechten Pfad der dauerhaften Y-Sicht bringen werden, ob wir das Erhard´sche Maßhalten befolgen, um in guten Zeiten für die schlechten zu sparen, und es damit zu einer dauerhafteren Gemeinschaft kommt. Vielleicht hilft uns ja der von Herr Dueck vorausgesagte neue Aufschwung mit der positiveren Stimmung uns so einzurichten, dass wir unsere Kultur beim nächsten Abwärtsgang nicht schon wieder mit dem Arsch umhauen.

Was wir dazu bräuchten, ist eine Einstellung, jeder Zeit gut sein zu wollen im Sinne des Kant´schen Kategorischen Imperativs. Und dies auch durchzuhalten. Dass das aber wohl nicht ganz so einfach ist, scheint mir unser neuer Volksphilosoph Richard David Precht untersucht zu haben. Ich bin mal gespannt, was mir dazu sein neuestes Buch Die Kunst, kein Egoist zu sein: Warum wir gerne gut sein wollen und was uns davon abhält offenbart.

Ergänzung vom 23.10.2010:

Herr Dueck schreibt regelmäßig eine Kolumne auf seiner Web-Site. Der aktuelle Artikel dreht sich um Bewertunngssysteme zur Motivation von Mitarbeitern und um die Angst des Managers, seine Mitarbeiter zu bewerten. Er, aber damit auch die Firmenleitung kann dabei nur verlieren. Es wird anschließend n-1 weniger motivierte Mitarbeiter haben (sieh auch Lassen sich Geschäftsprozesse besser verbessern, wenn man die Mitarbeiter mehr motiviert?)

Und: der hier vorliegende Artikel wurde von einer Reihe mir unbekannten getwittert. Ich habe mir mal die Mühe gemacht nachzuverfolgen, wer so für meinen Artikel geworben hat. Sehr interessant fand ich ein Projekt, das jetzt in die reale Erprobung gehen soll und unter “sinnvolles Wirtschaften” im Sinnen des “Arbeiten ist ein Spiel” läuft: alle Mitarbeiter einer Firma erhalten den gleichen lohn. Es gibt keine Manager. Ich bin schon sehr gespannt, ob und mit welchen Regeln das funktioniert!

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Written by Dr. Martin Bartonitz in: deutsch,general | Tags: , , , ,

9 Comments »

  • Danke, freut mich…ist aber schon das nächste Buch erschienen, es heißt AUFBRECHEN, da habe ich versucht, konstruktiv zu sagen, wohin wir müssen. Oder besser wollen sollten.

    Comment | 21 October 2010
  • [...] This post was mentioned on Twitter by Ute Apfel, Nils, Markus Stegfellner, Kirsten Einhoff, Gunter Dueck and others. Gunter Dueck said: RT @statera_de: IBM´s Chefarchitekt Prof. Gunter Dueck begeistert mit seiner Definition einer “menschlichen” Ökonomie http://j.mp/cJEN3S [...]

    Pingback | 21 October 2010
  • Dr. Martin Bartonitz

    Herr Dueck, ich bin schon dran :-)
    Ich finde Ihre Idee, dass in Deutschland jeder studieren sollte, zumindest das Abi machen können sollte unbedingt richtig. Es ist Vergeudung menschlicher Potentiale, die Spätkommer einfach durchflutschen zu lassen. Je besser wir bei den Jüngsten sind, desto besser geht es unserer Gemeinschaft. Heißt auch, dass wir die Besten Didakten an das frühe spielerische Lehren bringen müssen. Aber ob das in unserem konservativ verharrenden Deutschland je hinzubewegen ist? Bleibt zu hoffen.
    Aber eine Herausforderung habe ich dann doch: Es gibt da schon noch ein paar Tätigkeiten, bei denen ein so langes Lernen für den Job übertrieben wäre. Wird es genügend Mitbürger geben, die nicht Abi machen wollen und diese Aufgaben gerne übernehmen.
    Viele Grüße, Martin Bartonitz

    Comment | 21 October 2010
  • Dr. Martin Bartonitz

    Herr Dueck,
    hab noch was vergessen: Ich war heute in Köln bei Microsoft, wo der Arbeitskreis “Der Wissensarbeitsplatz der Zukunft” des BITKOM getagt hat. Dort habe ich von Ihrem Kollegen und Leiter des AK, Dr. Schütt, erfahren, dass IBM vor 20 Jahren die Vertrauensarbeitszeit eingeführt hat. Es hätte zwar 10 Jahre gebraucht, aber inzwischen gehe man davon aus, dass die Wochenarbeitszeit verantwortlich frei eingeteilt u.a. auch im Home Office erbracht werden kann. Das setzt dann voraus, dass die Manager bei IBM ein Y-Menschenbild haben. Ist der Rückschluss so korrekt?
    Viele Grüße, Martin Bartonitz

    Comment | 21 October 2010
  • Leider fängt das ganze Rattenrennen und die Gier nach mehr ja schon spätestens(!) in der Schule an: Nur die besten sind die coolsten, keine Zeit vertrödeln, nebenher noch Klavier o.ä. lernen, usw. Und sobald ein Kind sagt: Ich möchte da noch mal drüber nachdenken, sagen Lehrer tatsächlich:”Lass es sein, denk nicht drüber nach und mach es einfach!” Mit dem Bachelor geht es dann weiter (ich durfte damals ja noch ein mußevolles Diplom machen), usw. usf. Heute gebe ich u.a. Trainings zum Querdenken und seinem Leben eine neue Richtung geben. Es ist kaum zu glauben, wie viele Menschen es gibt, die mit Mitte 40 vor dem Aus stehen (studiert oder nicht), weil sie bei dem ganzen Tempo auf dem Weg ihr Leben verloren haben.
    Herzliche Grüße, Michael Hübler

    Comment | 22 October 2010
  • Hallo Herr Bartonitz,
    auch ein KFZ-Schlosser ist doch jetzt mehr Elekroniker etc, der Bauer fast Wissenschaftler beim Züchten und bei Precision Farming. Ich meine mit ALLE vielleicht 80%…klar. In Nowegen studieren knapp 80%! Frage: Haben wir alle vergessen, dass Bildung schön ist? Ist Bildung verschwendete Zeit, wenn man hinterher nachts auf Computer aufpasst? Brauchen wir nicht schon deshalb alle, echt ALLE Bildung, um sie unseren Kindern weiterzugeben? Warum streiten sich Ungebildete mit Schulen und Kindern rum, wo es doch mit eigenem Abitur viel reibungsloser ginge?
    Auf meiner Homepage sind dazu Artikel, einer heißt “Hirn verpflichtet” und einer ist gegen Zweifler geschrieben (“Viele sind zu dumm”)… http://www.omnisophie.com/day_119.html

    Gruß GD

    Comment | 22 October 2010
  • Hallo Herr Bartonitz,

    Vertrauensarbeitszeit: Leute, die gern arbeiten, machen Überstunden aus Liebe. Leute, die bei zu hohen Zielen unter Versagensstrafe schuften, machen Überstunden aus Angst. Es ist also IMMER unsinnig, die Arbeitsszeit zu messen, wenn man sich auf ein Arbeitsziel verständigt hat oder wenn man sich etwas Echtes vorgenommen hat. Dann steht das Schaffen im Vordergrund und hat mit Menschenbild nichts zu tun.

    Ich selbst würde nur Ziele vergeben und zufrieden sein, wenn alle dann meinetwegen drei Monate in Urlaub gehen, wenn sie es geschafft haben. In diesem meinem System ist es nämlich schlau, sich zu bilden und clever zu arbeiten, sich weiterzuentwickeln etc. Bei Stechuhren muss man eben trantütig dösen, bis die Zeit rum ist, oder?

    Das ist der Unterschied zwischen Stundenbezahlung und Werkvertrag. Werkverträge schließen die echten Könner ab! Die IT ist wegen des Jahr-2000-Fehlers damals in die Sackgasse gerannt. Sie hat die Leute gegen Tagessatz und ohne Verantwortung für die Leistung teuer verkauft. Das macht mittelmäßig! Stellen Sie sich vor, jemand könnte die Elbphilharmonie oder den Stuttgarter Bahnhof gluabwürdig zum Festpreis erstellen! Wow, wäre der gut!

    Gruß GD

    Comment | 22 October 2010
  • Hallo Herr Hübler,

    die kenn ich auch! Viele von denen sind zu ehrgeizig und brennen aus, weil sie nicht überdurchschnittlich verdienen oder befördert werden.
    Was zählt, ist nicht das Tempo unter Angst oder Ehrgeiz, sondern eine grundsolide Professionalität, die auch das Kümmern um sich selbst einschließt. Das Beste ist bei Aristoteles so etwas wie die Kunst, eine schöne Mitte zwischen den Polen zu halten, also zB nicht zu geizig, nicht verschwenderisch oder nicht zu schnell/langsam, Wandel ja, aber achtsam um das jetzt Wertvolle etc.
    Was Sie aufzählen, ist zu nahe an einem der Pole.

    Gruß GD

    Comment | 22 October 2010
  • Hallo Herr Dueck,

    Ihre Aussage, dass jeder Mensch zu einem Experten ausgebildet werden kann unterstütze ich voll.

    Auch meine bisherige 20-jährige Arbeitserfahrung lehrte mich, dass dort wo man es bei Menschen am wenigsten vermutete der wahre “Experte schlummerte”.

    Es braucht lediglich Orte, sogenannte Hot Spots, an denen dieses Wissen der Einzelnen geborgen und gepflegt werden kann. Collaborative oder auch CoWorking Spaces ermöglichen dies einem freien Umfeld des Arbeitens, nicht nur für kreative Selbstständige, sondern auch für Angestellte. Unternehmen haben stets auch Mitarbeiter, die eine Intrapreneur-Rolle in der Organisation einnehmen, sozusagen der Entrepreneur im Hause sind. Um diesen die Möglichkeit zu geben sich mit Kräften außerhalb des Unternehmens zu verbinden, neue Wege für die eigenen Prozesse zu finden, in den Dialog zu treten dazu vertreten wir hier in Dresden die Idee des EnterpriseCoWorkings.

    Come in and find out – im Netz als auch im Raum.

    Beste Grüße aus Dresden, Ralf Lippold

    Comment | 23 October 2010

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