Sep
03
2012

Innovation: weniger auf Experten hören sondern mehr auf die eigene Entscheidungskompetenz vertrauen

so lautet die Botschaft von Noreena Hertz, die sie in einem lehrreichen Vortrag zum Umgang mit Experten auf einer TED Konferenz ausgesprochen hat:

Wir sollten mehr unser eigenes Urteilsvermögen nutzen, denn auch Experten machen Fehler und benutzen Modelle, die nicht zu jedem Fall passen. Wir sollten durchaus mehrere Experten im Sinne eines Denkanstoßes anhören, aber uns selbst mehr zutrauen.

Was mir stark zu denken gab, ist ihr Hinweis auf eine Studie, in der das Gehirn Erwachsener gescannt wurde, während sie Ausführungen von Experten zuhörten. Gerade die Bereiche des Gehirns, die für unsere unabhängige Entscheidungsfindung zuständig sind, gingen auf eine Flatline. Wir scheinen uns auf Gedeih und Verderb auf die so genannten Experten zu verlassen. Und genau hier greift sie an. Wir sollten viel skeptischer mit Experten sein und viel mehr auf unsere eigenen Erfahrungen vertrauen. Noreena Hertz geht soweit, dass sie auch die Nutzung der Schwarmintelligenz der Firmenangehörigen empfiehlt, und zwar ohne Ausschluss (siehe auch Was ist eine Innovation?).

Ich hatte schon in dem Post agiles Geschäftsprozessmanagement durch intuitive Improvisation a la SCRUM die Empfehlungen von Dr. Andreas Zeuch zur Nutzung unserer Intuition für Entscheidungen in komplexen Situationen angesprochen. Noreena Hertz scheint in die gleich Richtung zu denken.

Man könnte diesen Inhalt auch gesellschaftlich transportieren. Im Kleinen: Da ich mich und meinen Körper über die Jahre sehr gut kennen gelernt habe, kann ich eine neue Krankheit, die ich wahrnehme, häufig selbst sehr gut diagnostizieren. Frau Hertz sprach an, dass 4 von 10 ärztlichen Diagnosen falsch liegen. Also konsultiere ich besser bei kritischen Erkrankungen mehr als einen Arzt und ziehe dann meine eigenen Schlüsse. Im Großen: Großprojekte wie Hamburgs Philharmonie oder Stuttgart 21 zeigen, dass Experten häufig blind für andere Blickwinkel sind. Besonders, wenn es um die das Gemeinwohl der Bürger geht. Hier sollte es den Politikern helfen, eine Diagnose aus Sicht des Bürgers als weiterem Experten (wieder: Schwarmintelligenz) einzuholen. Dann klappt es auch wieder mit dem Gemeinwohl.

Zum Abschluss ein kleiner Schmunzler zum Thema Expertentum :-)

In einer einsamen Berggegend hütet ein Schäfer seine Schafe. Er sieht von weitem ein Staubwolke auf dem Weg den Berg hinauf näherkommen. Einige Zeit später hält ein nagelneuer, roter Ferrari neben ihm. Der Fahrer, ein junger Mann in Brioni Anzug steigt aus, schaut sich um und fragt den Schäfer:
“Wenn ich errate, wie viele Schafe Sie haben, bekomme ich dann eins?”
Der Schäfer schaut den jungen Mann an, dann seine friedlich grasenden Schafe (es ist eine große Herde), und sagt ruhig “In Ordnung”.
Der junge Mann steigt wieder in seinen Wagen, verbindet sein Notebook mit dem Handy, geht im Internet auf eine NASA-Seite, scannt die Gegend mit Hilfe seines GPS-Satellitennavigationssystems, öffnet eine Datenbank und 60 Excel Tabellen mit einer Unmenge Formeln. Schließlich druckt er einen 150-seitigen Bericht auf seinem Hi-Tech-Minidrucker, dreht sich zu dem Schäfer um und sagt:
“Sie haben hier exakt 1586 Schafe.”
Der Schäfer sagt “Das ist richtig, suchen Sie sich ein Schaf aus.” Der junge Mann nimmt ein Schaf und lädt es in seinen Ferrari. Der Schäfer schaut ihm zu und sagt:
“Wenn ich Ihren Beruf errate, geben Sie mir das Schaf dann zurück?” Der junge Mann antwortet: “Klar, warum nicht.” Der Schäfer sagt: “Sie sind Consultant einer Unternehmensberatung.”
“Das ist richtig, woher wissen Sie das?” will der junge Mann wissen.
“Sehr einfach,” sagt der Schäfer, “erstens kommen sie hierher, obwohl Sie niemand gerufen hat. Zweitens wollen Sie ein Schaf als Bezahlung haben dafür, dass Sie mir etwas sagen, was ich ohnehin schon weiß, und drittens haben Sie keine Ahnung von dem, was ich tue. Und jetzt geben Sie mir meinen Hund zurück!

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Written by Dr. Martin Bartonitz in: deutsch,innovation,Video | Tags: , , ,

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