Mar
28
2010

iPad relevant für Dokumenten Management und Records Management?

"Nicht die IT oder die Verfügbarkeit einer Funktion wird die Frage entscheiden"

Während die Entwicklung der Komponenten für den iPad weiter gehen (in etwas über einer Woche werden ich SAPERION auf dem iPad das erste Mal live testen können), möchte ich heute einmal einen Schritt zurück treten und mich dem Business Case des Tablets von Apple zuwenden.

Consumerization of IT

Vorweg nehme möchte ich eins: Man kann diese Betrachtung recht entspannt angehen. Denn: Was ist der Business Case des iPhones? Ist das iPhone ein Handy, dass in Richtung Geschäftsanwendung entwickelt worden ist? Sicherlich nicht. Es ist ein Handy, dass fokussiert entwickelt wurde. Fokussiert auf einfache, durchgängige Bedienung.

Und warum sieht man heute so viele Geschäftsleute mit einem iPhone? Sicherlich nicht, weil die IT dies eingeführt hat. Arbeitnehmer, wie z.B. Information Worker, entscheiden heute selbst, welche Hilfsmittel sie benötigen. Und das iPhone wird von diesen Fach- und Führungskräften als ein Gerät erkannt, dass den Geschäftsalltag erleichtert und dass sicherlich auch mit seiner einfachen, intuitiven Benutzerführung und den unendlich vielen, praktischen Apps einen nicht unerheblichen Spaßfaktor vermittelt.

Forrester nennt diesen Trend “Technology Populism” (oder auch “Consumerization of IT”). Dieser Trend hat z.B. dazu geführt, dass ich diesen Beitrag auf einem schicken Alu MacBook und nicht auf einem langweiligen Dell oder Lenovo Notebook tippe. Und dieser Trend wird auch die Relevanz des iPads im Geschäftsalltag erheblich beeinflussen.

Anwendungsgebiete für den iPad in den Fachabteilungen

Aber wenden wir nun erst einmal den Blick ab von den Führungskräften und Wissensarbeitern hin zu den “echten” Arbeitern. Das iPad wird sich wie das iPhone durch eine klare, einfache, präzise Benutzerführung auszeichnen. Mit seinem großen Display ist es sehr gut zum Durchsuchen und Betrachten von Dokumenten und Bildern geeignet (weniger sicherlich zum Erstellen von langen Texten – obwohl dies mit einem Bluetooth-Keyboard ja auch möglich sein wird). Suchen, betrachten, blättern in großen Dokumentenmengen ist mit einem iPad sicherlich wesentlich benutzerfreundlicher und intuitiver als auf einem Laptop oder Desktop PC.

Wenn man diesen Gedanken weiter geht, kommt man schnell zu Anwendungsszenarien wie das Durchblättern von Wartungsanleitungen, die Beweisführung vor Gericht oder der Zugriff auf Patientenakten (vgl. auch CMS Watch). Anwendungen, die sehr eng mit dem Gedanken des Enterprise Content Managements verbunden sind. Wenn man sich die Bandbreite der iPhone-Spezialgeräte anguckt, die es heute schon gibt (vom Nike-Lauftraining bis hin zur Blutzuckermessung), braucht es nicht allzu viel Phantasie um sich vorzustellen, was es mit einem iPad alles an Geräten geben kann. Gerade in Verbindung mit der Bluetooth-Tastatur werden diese Szenarien richtig rund.

Und Multitasking?

Ersten kann der iPad natürlich Multitasking (auch das iPhone kann das) und zweitens: wer braucht das? Ich kann dieses beständige “und was ist mit Multitasking” nicht mehr hören. Konzentration und Fokussierung ist das Thema. Und ich kann hier auch einen ganz klaren Trend erkennen. Während ich diesen Artikel schreibe, möchte ich nicht von Skype-Messages oder E-Mails gestört werden. Daher habe ich auch alle Benachrichtigungen ausgeschaltet. Ich konzentriere mich auf die eine Sache, die ich gerade tue. Und genau das ist auch mit dem iPhone/iPad möglich bzw. vorgegeben. Zugegeben: ich mache gerade doch eine Sache parallel – ich höre Musik. Und hey: das ist mit dem iPhone/iPad möglich! Genial. Texte betrachten/schreiben und nebenbei Musik hören. Multitasking at it’s best! ;-)

Perfekte Benutzerführung

Viel wichtiger als Multitasking ist mir eine durchgängige Benutzerführung. Ein entscheidender Schritt hierfür war die Einführung von Copy&Paste. Zum Glück hat Apple so lange daran gearbeitet, bis es benutzerfreundlich war. Denn die Implementierung auf meinem bisherigen Mobiltelefonen war eine echte Zumutung.

Ein Beispiel für eine perfekte Benutzerführung auf dem iPhone: Ein Geschäftsfreund ruft mich auf meine iPhone an und fragt, ob wir uns bei ihm privat treffen können. Seine Adresse ist in meinem Adressbuch hinterlegt. Über seine Rufnummer im Anrufprotokoll komme ich zum Adressbuch, zur Adresse, zu Google Maps, zur “Wegbeschreibung hierhin” und zu der Frage nach dem Startpunkt der Routenberechnung. “Aktueller Ort” ist die naheliegende Antwort und ich kann dank GPS direkt eine Auskunft darüber treffen, wie lange ich benötige. Was ist das geniale hieran? Ich habe nie ein Handbuch gelesen. Hier greifen drei Anwendungen einfach perfekt und intuitiv ineinander.

Perfektes Dokumenten Management

Was bedeutet dies für eine Business Anwendung wie SAPERION auf dem iPad? Sie muss in die Abläufe integriert sein. Ein simpler Recherche-Client ist nett. Aber richtig sexy wird ein iPad-ECM erst, wenn es in die Prozesse des Unternehmens genauso integriert ist, wie in die benachbarten Anwendungen auf dem iPad. Eine Bestellung zur per E-Mail eintreffenden Rechnung muss genauso einen-klick-weit sein, wie die Kundenakte. Hier ist heute leider noch nicht alles möglich, aber ich bin mir sicher, dass Apple sich auch in diese Richtung weiter öffnen wird.

Fazit

Die Antwort auf die Frage, ob der iPad relevant für ECM ist, beantworte ich mit “ja”. Und zwar aus zwei Gründen:

  1. Das Gerät ist sehr gut für die Anzeige von und das Blättern in Dokumenten geeignet.
  2. Das Gerät ist cool. Und deshalb werden Führungskräfte und Wissenarbeiter es in die Unternehmen einführen.
  3. Bonus-Grund: Die IT wird es nicht verhindern können (ihr ist es beim iPhone auch nicht geglückt)!

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2 Comments »

  • Detlef Höhn

    Lieber Hr. Emmrich,

    sicherlich ist das iPad ein cooles Gerät.
    Doch “cool” ist nicht alles in der Geschäftswelt.

    Das iPad ist ein reines Konsumgerät und kaum dazu geeignet, Inhalte zu erstellen.

    Typische Business-Szenarien sind auf dem iPad einfach nicht komfortabel:

    - Längere Texte schreiben (ständig die Tastatur mit sich rumschleppen ist lässtig)
    - Tabellen & Kalkulationen
    - Präsentationen erstellen
    - Grafikbearbeitung
    usw.

    Und die klassischen mobilen Szenarien, werden durch das iPhone bereits bestens abgedeckt.

    D. Höhn

    Comment | 5 April 2010
  • Henning Emmrich

    Hallo Herr Höhn,

    ich stimme Ihnen zu, das iPad ist als Konsumgerät positioniert.
    Aber zielte nicht auch das iPhone auf den Konsumentenmarkt? Und ich kenne keine Firma, bei der die IT das iPhone (freiwillig) eingeführt hat. Selbst bei T-Systems gibt es offiziell keine iPhones.

    Eingeführt haben das iPhone die Konsumenten. Und wenn sie es nicht von ihrer IT bekommen haben, wurde kurzerhand das private für Firmenzwecke eingesetzt. Und wenn ich heute Bahn fahre oder mich auf Konferenzen umschaue, ist der iPhone-Anteil erstaunlich hoch!

    Ich vertrete die These, dass das iPad den gleichen Weg gehen wird. Natürlich ist es nicht das Gerät, auf dem man lange Texte schreiben will oder komplizierte Formeln bearbeiten will. Aber das will man auf einem Netbook erst recht nicht.

    Aber z.B. haben unsere Verkäufer schon iPads für Vertriebsgespräche angefragt, da es sehr viel kommunikativer ist, gemeinsam mit vier Leuten an einem Tisch auf ein iPad zu schauen, als in ein Notebook oder auf eine Beamer-Präsentation.

    Und Herrsteller von Business-Software wie SAPERION werden spezialisierte iPad-Apps für dedizierte Geschäftsprozesse anbieten. Das Freigeben von Rechnungen, das Nachschlagen in Dokumentationen, das Abarbeiten von Wartungsprotokollen, etc. sind hier naheliegend.
    Aber entscheiden werden hier gar nicht die Funktionen. Entscheiden wird hier der Spaß, den die Haptik des iPads und die Usability der Apps vermitteln wird.

    Ich als Nutzer eines MacBooks mit großem Multitouch-Touchpad komme mir an einem normalen PC-Notebook ziemlich blöd vor, wenn ich mit dem kleinen, unkomfortablen Touchpad die gleichen Aufgaben verrichten muss (Scrollen: anstelle elegant mit zwei Fingern, mit einem am Rand schaben). Ich empfinde das schon etwas menschenunwürdig. Extremer wird dieser Effekt beim Vergleich iPhone zu einem Smartphone mit Windows oder S60 (hier kann ich zumindest aus eigener Erfahrung sprechen). Ich empfand diese Geräte extrem menschenunwürdig, zumindest, wenn es über telefonieren hinaus geht. Und ich bin ein Anwender, der sich wirklich auf neue Geräte einlässt.

    Das iPhone hingegen ist eine Freude. Keine filigrane, kryptische Bedienung. Sondern alles ganz einfach mit dem (unangespitztem) Finger. Nur das Display ist zuweilen etwas klein.
    Und das kommt mit dem iPad in Ordnung…

    Schönen Gruß
    Henning Emmrich

    Comment | 5 April 2010

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