Dec
14
2010

Ist die Orchestrierung föderaler Firmenarchitekturen der Königsweg?

Prof. Habermann von der Berlin School of Economic an Law kommt jedenfalls in seinem Artikel Mythen des Change Managements in der Zeitschrift Führung und Organisation zu dem Schluss, dass Konzerne gut beraten sind, weder zu zentralisieren noch zu dezentralisieren sondern die Firmenlenker sollten im Sinne einer Föderation die einzelnen lokalen Firmenteile orchestrieren (der Begriff kommt auch immer mehr in Mode). D.h. die Macht über zu nutzende Infrastrukturen sollte dorthin gegeben werden, wo das Geld verdient wird. Das Verständnis der obersten  Lenker wäre vergleichbar mit dem des modernen Teamleiters. Die Teammitglieder erhalten mehr Verantwortung und der Leiter dient der Koordienierung des Teams, für die Ziele zu begeistern (intrinsiche Motivation), für eine effiziente Arbeitsumgebung zu sorgen und Reibungsverluste zu minimieren.

Herr Habermann sieht zwei wesentliche Gründe. Einerseits hat sich gezeigt, dass Integrationen über unterschiedliche Plattformen hinweg die Komplexität noch mehr steigern als verringern und damit den Betrieb verteuern. Und andererseits läuft man gegen eine emotionale Wand, wenn CRM-Daten in einen zentralen Topf gekippt werden sollen. Die zentralen Fürsten geben nur ungern die Daten ihres lokalen Marktes weg, muss man doch mit mehr internem Wettbewerb rechnen. Man solle also nicht versuchen, die internen Prozesse zu standardisieren, zumal die unterschiedlichen Märkte und Kulturen schon dagegen sprechen. “Es wäre eine aktive Bewegung hin zu Flexibilität und Effektivität und weg von Standardisierung und Effizienz.”

Ich schreibe auch gerade deshalb darüber, da mir dies ein aktueller Trend zu sein schein, der quer durch unsere Gesellschaft zu denken ist. Wie ich schon in einem früheren Post erwähnte, lese ich gerade in einem Buch über Lernen. Hier wird ebenfalls festgestellt, dass ein zu zentralistisches Aufstellen von Regeln, wie gelernt werden soll, nicht mehr zeitgemäß ist. Unser Wissen verdoppelt sich in immer kürzeren Zeiten. Die langwierigen Verfahren zur Anpassung der Kurrikula führt dazu, dass sie schon wieder veraltet sind, wenn sie verabschiedet werden.

D.h. auch hier ist die Empfehlung, mehr Verantwortung dorthin zu geben , wo die Arbeit geleistet wird. So könnten junge Lehrer das neue Wissen aus dem Studium auch besser einbringen und laufen nicht gegen die Wand, die von den älteren Lehrern aufgebaut werden mit Hinsicht auf “so gehet das nicht, wir müssen uns aber an die Regeln halten” (weil Umdenken u.a. auch Energie kostet). So könnten auch die Älteren noch von den Jüngeren lernen und die Motivation im Lehrerkolleg ginge wieder hoch. Zugunsten unserer Kinder, die mehr weil zeitgemäßer lernen können. Die Herausforderung ist dann nur, wie der Lernstand gemessen wird. Aber auch das sollte lösbar sein.

Demnach also weg von der Standardisierung und hin zur Individualisierung? Ich denke nicht. Ach hier wird Aristokrates sicherlich Recht haben, wenn er im übertragenen Sinne sagt, dass die Wahrheit in der Mitte liegt. Aber wer agiler sein will, sprich Strukturen schneller ändern will, braucht mehr Spielräume, mehr Eigenverantwortung. Regeln dürfen da nur im Sinne von Leitplanken aufgestellt werden, in dessen größerem Rahmen man sich bewegen darf. Ähnlich dem Kant´schen Imperativ die Ethik betreffend.

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Written by Dr. Martin Bartonitz in: deutsch,general | Tags: , ,

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