May
05
2010

Kann Jemand im Großen Compliance-kompetent sein, wenn er schon im Kleinen wichtige Regeln verletzt?

Parken mit Kindern

Soziales Engagement

Diesen Beitrag kann ich mir nicht verkneifen und muss ihn noch schnell zum Thema Compliance und Gewissen los werden. Ich habe gerade meine Tochter zu einem Termin gefahren und dabei einen Bericht gehört und mich direkt an eigene Beobachtungen erinnert. Es geht um die Missachtung von Eltern mit Kleinkindern in Parkhäusern. Da die normalen Parkbuchten auf Parkplätzen vor Einkaufszentren sehr eng sind, ist das Hinein- und Herausheben von Kinderwiegen häufig nicht mehr möglich, da die Türen nicht weit genug geöffnet werden können. Also haben die Betreiber Parkplätze mit größeren Buchten für diesen Bedarf angelegt.

Nun gibt es regelmäßig Vertreter beider Geschlechter, deren Gewissen überhaupt nicht anschlägt, wenn sie ihr Fahrzeug ohne eigenes Kind dort abstellen. Merkwürdigerweise sind dies eher Fahrer größerer als kleinerer Fahrzeuge. Wenn man sie darauf anspricht, bekommt man zudem nur eine unflätig Antwort und sieht dann ihre Hacken.

Gut, diese Parkplätze sind nicht Teil unserer Straßenverkehrsordnung und die Eltern mit kleinen Kindern haben damit kein gesetzliches Recht, ganz im Gegenteil zu den Behindertenparkplätzen, wo dann 35 € fällig werden, wenn man erwischt wird (komisch, dass diese Plätze eher freigehalten werden). Aber das ungeschriebene, soziale Recht wird hier mit Füßen getreten, wo der Kölner dann schnell so’n Hals kriegen kann, jedenfalls meinen merke ich dann.

Aber wenn man sich umsieht, gibt es ja auch noch Vieles mehr, was einen nur ungläubig den Kopf schütteln lässt: das lässige Wegschnippen von Zigarettenkippen, das Wegwerfen von Müll (besonders gerne aus dem fahrenden Auto) in die freie Pläne, das Zerkratzen von Zugscheiben, die dreckigen Schuhe auf die gegenüberliegende Sitzbank stellen, das Ausspucken von Kaugummis, …

Merkwürdig ist, dass das in den Ländern besser funktioniert, wo Geldstrafen durch die Ordnungsämter konsequent verhängt werden. Wo mir dann gleich ein Hinweis im Buch Das Gewissen, was es ist – wie es wirkt – wie weit es bindet von Peter Fonk einfällt. Er beschreibt hierin, dass die Ausbildung des Gewissens in 3 Stufen erfolgt. Viele würden die dritte Stufe nicht erreichen, sprich bleiben dort stehen, wo das Böse nur deshalb nicht getan wird, weil sofort mit Strafe zu rechnen ist.

Nun stellte sich mir die Frage, ob Menschen, deren Gewissen bei diesen kleineren Dingen nicht anleitet, die “böse” Tat zu vermeiden, nicht auch die Kandidaten sind, die im Großen ohne Gewissensbisse die Regeln verletzen. Müssten wir daher nicht verstärkt die Kinder und Jugendlichen lehren, wie ein Profi das Gute vom Bösen zu unterscheiden, damit sie als Erwachsene auch die Reife zum korrekten Handeln entwickelt haben.

Ich befürchte nur, dass wir auch dann ohne ein Compliance Management in den Firmen nicht auskommen werden. Denn unser neuronales Gehirn kann durch viele kleine Schritte, bei denen das Gewissen nur leise zuckt, schleichend zum Laster geführt werden, so dass die hierbei vollzogenen Veränderung meist selbst nicht von den engsten Freunden bemerkt werden (z.B. auch Alkohol- und Drogenabhängigkeit, selbst der Missbrauch von Kindern), die sonst  noch rückkoppelnd eingreifen könnten.

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Written by Dr. Martin Bartonitz in: deutsch,general,language | Tags: ,

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