May
09
2010

KPMG sieht in neuester Studie unsere Wirtschaft langsam besser gerüstet gegen Kriminalität, aber gerade der Mittelstand habe Nachholbedarf

KPMG Studie zur Wirschaftskriminilität in Deutschland

KPMG Studie zur Wirtschaftskriminalität in Deutschland

Ich habe gerade die aktuelle Studie der KPMG zur Wirtschaftskriminalität gefunden und dort einige sehr interessante Ergebnisse lesen können. Aufgrund der Skandale der letzten Jahren (siehe Liste im Kommentar zum Post Warum man sich um die Einhaltung von Regeln kümmern sollte und nicht wegschauen) haben inzwischen etwa 80% der großen deutschen Firmen schon ein Compliance Management eingerichtet. Die möglichen Risiken werden allerdings noch nach dem Gießkannenprinzip aufgelistet, analysiert und bewertet. Das bedeutet Aufwand. Die KPMG empfiehlt hier eher ein Vorgehen, nach typischen kriminellen Handlungsmustern zu suchen und diese konkreten Fälle mit Maßnahmen zur Abwehr zu begleiten.

Etwa 70% der über 300 befragten Manager quer durch die Branchen geben an, dass aufgedeckte Fälle durch einzelne Mitarbeiter durchgeführt wurden ohne sich mit einem anderen abgestimmt zu haben. Hier scheinen 4-Augen-Prinzipien entweder nicht eingeführt oder schlecht kontrolliert zu werden (Anmerkung: ein typischer Fall für ein Workflow-System, dass dafür sorgt, dass entsprechende Freigabeverfahren eingehalten werden (Compliance by Runtime), oder durch Analyseverfahren bei der Dokumentation von Prozessen (Compliance by Designtime)).  Allerdings fehle es an an vielen Stellen an der kontinuierlichen Sensibilisierung der Mitarbeiter.  Es werden zwar überall Leitlinien und Kodizes publiziert, aber die Mitarbeiter müssen sich diesen nicht per Unterschrift “unterwerfen”  und es wird auch nicht wiederholend geschult. Dennoch scheinen immer mehr Fälle intern aufgedeckt werden zu können, wie die nachfolgende Grafik verdeutlicht.

Ergebnisse der KPMG Studie 2010

Ergebnisse der KPMG Studie 2010

Während die großen Firmen also auf eine guten Weg sind, bescheinigt die KPMG dem Mittelstand einen großen Nachholbedarf:

“Die Gefahr durch Wirtschaftskriminalität wird vom Mittelstand weiterhin stark unterschätzt. Die Unternehmen sehen sich wesentlich weniger gefährdet als Großunternehmen. Gleichzeitig überschätzen viele Unternehmen ihre Kenntnisse hinsichtlich wirtschaftskrimineller Handlungen. Dies wird besonders bei den immateriellen Vermögenswerten deutlich. Erst wenige mittelständische Unternehmen schützen ihr Know-how und ihre Innovationen in ausreichendem Maß. Problematisch ist zudem, dass „Vertrauen“ als Organisationsprinzip weit verbreitet ist. Die potenzielle Gefahr,  die von eigenen Mitarbeitern ausgeht, wird vernachlässigt. Und schließlich sind die Unternehmen weit weniger gut auf den Ernstfall vorbereitet als große Unternehmen. Ein ausgereiftes Notfallmanagement oder gar etablierte Krisenteams sind selten zu finden.”

Typische kriminelle Handlungen sind:

Ergebnis der KPMG Studie 2010

Ergebnis der KPMG Studie 2010

Es wird zudem darauf hingewiesen, dass mit zu viel Kontrolle auch eine Firmenkultur beschädigt werden kann. Ein ausgewogenes Vorgehen ist demnach angesagt.

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Written by Dr. Martin Bartonitz in: deutsch,general,language | Tags: , , ,

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