Apr
25
2010

Leitlinien finden sich auch vermehrt in unseren Schulen und Pflegediensten

Pontius Pilatus wäscht sein Hände in Unschuld

Pontius Pilatus wäscht seine Hände in Unschuld

Nachdem ich in meinem Post Compliance ist keine Mode sondern hat eine lange Tradition eine Reihe von Leitlinien (Code of Conducts) zum Verhalten in der Wirtschaftswelt der großen, international agierenden Firmen gelistet hatte, interessierte mich an diesem Wochenende, wie das in meinem näheren Umfeld aussieht. Zum Einen hatte ich mich erinnert, dass eine Bekannte im letzten Jahr an einem Pflegeleitbild mitgearbeitet hat und ebenso hatte das Kind einer anderen Bekannten einen Schulvertrag mit entsprechenden Leitlinien unterzeichnet.

Im ersten Fall geht es um den Kinderpflegedienst fips e.V., der im letzten Jahr Mitglied im Paritätischen Wohlfahrtsverband werden wollte. Laut meiner Bekannten müsse daher ein Pflegeleitbild entwickelt werden. Die Vereinsleitung hatte einen Entwurf angefertigt. Anschließend konnten alle Mitarbeiter weitere Eingaben machen, so dass die Leitlinien gemeinsam getragen werden konnten. Ich hatte an diesem Wochenende Gelegenheit, mal reinzuschauen. Im Wesentlichen sind viele ethische Punkte angesprochen, insbesondere Toleranz gegenüber fremdsprachlichen Mitbürgern. Was mich nur wundert ist, dass ich in der Satzung des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes als auch auf der Web-Site von fips keine Informationen darüber finden konnte. Nur in einer älteren Stellenanzeige von fips war auf das Vorhandensein der Pflegeleitlinie Bezug genommen. Ich hoffe, man hat die Leitlinien nicht nur erstellt hat, um beim Verband mitmachen zu können und Vorteile daraus zu ziehen. Eigentlich schade, denn ich hätte erwartet, dass der Verein nun stolz auf die Leitlinien ist und damit auch wirbt. Ich werde mal nachfragen, warum man hier noch nichts getan hat. Interessant wird es auch sein, wie häufig diese Leitlinien aufgefrischt werden, denn brachliegendes Wissen verblasst bekanntlich schnell.

Ganz anders im zweiten Fall der Schule Abteigymnasium Brauweiler. Obwohl ich selbst 3 Kinder habe, die in den letzten 3 Jahren ihr Abitur gemacht haben bzw. gerade dabei sind (allerdings nicht auf dieser Schule), ist das Thema Europaschulen bisher an mir vorbei gegangen. Sie wurden aufgrund der Empfehlung der Kultusministerkonferenz “Zur europäischen Dimension im Bildungswesen” vom 8. November 1991 von mehreren Bundesländern eingeführt. So sind allein in NRW inzwischen weit über 100 Schulen zertifiziert worden. Ziel dieses Erlasses ist es den kulturellen Austausch im Vereinigten Europa weiter zu fördern.

Die Leitlinien des Abteigymnasiums Brauweiler lauten:

Förderung Erziehung
- des kulturellen Bewusstseins und des kulturellen Handelns,

- des historisch/politischen Bewusstseins,

- der Medienkompetenz,

- einer interkulturellen Offenheit
durch ein vielfältiges Fremdsprachenangebot und internationale Begegnungen,

- der Kooperation zwischen Schuleund Berufswelt,

- eines breit gefächerten Allgemeinwissens auf musischer, sprachlicher, mathematisch- naturwissenschaftlicher und gesellschaftswissenschaftlicher Ebene,

- des europäischen Gemeinschaftsbewusstseins.

- zum respektvollen Umgang miteinander,

- zur Toleranz gegenüber der Meinung und Leistung anderer im schulischen und außerschulischen Bereich,

- zu demokratischem Bewusstsein, Verhalten und Handeln,

- zum eigenverantwortlichen Lernen und selbstverantwortlichen Handeln,

- zu einem gesundheitsbewussten Verhalten,

- zur Bereitschaft, sich in der Gesellschaft für Mitmenschen engagiert einzubringen,

- zu interkulturellem Bewusstsein.

Die Leitlinien wurden den Schülern im letzten Jahr bekannt gemacht, mit ihnen diskutiert, anschließend im Sinne eines Schulvertrags von ihnen und bei Minderjährigen zusätzlich von den Eltern unterschrieben.

Aber auch hier hatte ich ein Problem. Die Europaschulen werben mit ihrem Pfund zu wenig. Immerhin hatte ich eine Schule in Hessen gefunden, die die Vorteile für interessierte Schüler, Eltern und Lehrer darstellt.

Dass wir auch an anderen Stellen in unserer Gesellschaft inzwischen Leitlinien bewegen, d.h. nicht nur in der Kirche die Gebote unserer Religionen, sollte uns eigentlich positiv stimmen. Ich habe aber auch eine interessante kritische Stimme gefunden, die das sagt: “Compliance ist ein Wort aus der großen weiten Welt der Heuchelei.” Formuliert hat dies Hans Hütt, Public Affairs Berater und Publizist in Berlin,  in diesem Monat im Handelsblatt. Er ist aufgrund eines anderen Artikels über die Hintergründe zur aktuellen Finanzkrise zu dieser These gekommen. Vordergründig scheint es Sinn zum machen, dass Firmen Compliance Maßnahmen ergreifen. Hintergründig sieht er darin nur die Möglichkeit, dass sich die Firmenlenker hinter diesen Maßnahmen verstecken können: “Ich habe doch alles getan, damit nichts passieren konnte.” Wenn dann also durch Mitarbeiter gegen bekannte Regeln verstoßen wird, ist wenigstens die Firmenleitung entlastbar.
Ob er da Recht hat? Auch das hat mit dabei zum weiteren Nachdenken gebracht, u.a. da es auch einen konkreten Bezug zu einer brisanten Stelle in der Bibel gibt: “Händewaschen reinigt das Gewissen“, fanden 2006 Chen-Bo Zhong von der University of Toronto und Katie Lilienquist von der Northwestern University in Chicago heraus.  “Wer sich an eine moralisch verwerfliche Tat erinnert, gleicht das mit Händewaschen oder Hygienetüchern aus. Psychologen fanden heraus: Die Verbindung zwischen Reinlichkeit und reinem Gewissen ist so stark, dass etwas Wasser sogar Verpflichtungen gegenüber anderen wegputzen kann.”, ist in einem Artikel der Spiegelonline Wissenschaft zu lesen.

Demnach stehen wir vor einer großen Herausforderung im Wirtschaftsleben. Einerseits brauchen die Firmen Compliance, denn wer sich nicht genügend darum kümmert, kommt zunehmend ins Abseits. Sei es, dass sich Kunden und Geschäftspartner abwenden oder potentielle Mitarbeiter lieber zu entsprechend sich besser darstellenden Firmen gehen. Dass die Verantwortung-tragenden Geschäftsführer  sich absichern wollen, ist auch nur menschlich. Komme ich zurück zu den obigen Leitlinien der Schulen und Pflegediensten, aber auch den schon erwähnten der großen Firmen. Allen ist eins gemeinsam: jeder Einzelne von uns trägt Verantwortung in seinem Bereich und muss die hier geltenden Regeln kennen als auch die Risiken der Nicht-Einhaltung. Und da gibt es kein Ausreden, dass man nicht gekonnt hätte, weil doch ein anderer … Was passieren kann, wenn nicht Jeder auch im “normalen Leben” seine Verantwortung trägt, haben wir vor 77 Jahren gesehen.

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Written by Dr. Martin Bartonitz in: deutsch,language | Tags: , , , ,

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