Mar
09
2012

Mythen bei der Vorsteuerabzugsberechtigung – CeBIT 2012 Nachlese #3

Da war sie wieder, die Gänsehaut. Dieses Mal bei einem Vortrag eines Juristen, was ja eher selten zu sein scheint, oder? Stefan Groß, Steuerberater bei PSP, hat gestern in seinem Vortrag auf der CeBIT 2012 mit so manchem Mythos rund um die Bedingungen der Vorsteuerabzugsberechtigung von elektronisch ausgetauschten Rechnungen aufgeräumt:

Es geht allein um den Besitz einer nach Umsatzsteuer §14 ordnungsgemäßen Rechnung, ob eine Berechtigung zum Vorsteuerabzug vorliegt oder nicht.

Wie die Rechnung in den Besitz kam, welches Format sie hat, und wie sie aufbewahrt wird, ist nicht relevant. So die vorweggenommene Interpretation eines BMF-Schreibens, das in Kürze inklusive 10 Merksätze freigegeben wird.

Nach dem spät im letzten Jahr das Steuervereinfachungsgesetz verabschiedet war und rückwirkend zum 1.7.2011 in Kraft trat, gingen die heißen Diskussionen mit 570 Beiträgen auf XING zum Sinn und Unsinn der Verwendung von qualifizierten Signatur fleißig weiter. Ein Psychologe meinte mal zu mir, dass über diesen Thread so manche Masterarbeit hätte geschrieben werden können ;-) Mit der obigen Aussage sowie dem noch folgenden BMF-Schreiben wird es dann vermutlich doch jetzt ruhiger um das Thema werden. Herr Groß sagte zudem, dass relativ zügig nun 2/3 aller Rechnungen elektronsich ausgetauscht würden, und das ohne Signaturen.

Zum Thema des Prüfpfades sei nicht der Weg der elektronischen Rechnung gemeint, sondern allein das, was zu prüfen ist:

Durfte mir der Absender diese Rechnung genau so stellen, weil er mit die Waren geliefert oder die Deinstleistung geleistet hat?

Es gäbe auch noch ein paar offene Fragen, so z.B. ob man eine Signatur verifizieren und den Prüfbericht ablegen müsse, wenn doch eine Rechnung ohne Signatur auch anerkannt wird? Herr Groß geht davon aus, dass auch die Verifikation nicht nötig sein wird.

Spannend ist noch das Thema eines XML-Standards für die Maschinenlesbarkeit der Rechnungskopfdaten. Hier besteht die Hoffnung, dass der Gesetzgeber noch eine Empfehlung aussprechen wird. Auf den Folien tauchte ein XBRL auf. Auf Wikipedia ist dazu zu finden:

XBRL (eXtensible Business Reporting Language) ist eine auf XML basierende Sprache, mit der elektronische Dokumente im Bereich der Finanzberichterstattung erstellt werden. Insbesondere werden Jahresabschlüsse in dieser Sprache generiert.

Es geht um eine internationale Spezifikation mit so wenig Attributen wie möglich. UNCFACT als auch OpenTrans sind ziemlich mächtige Standards, die von kleineren Unternehmen nicht zu leisten sind. Man darf mal wieder gespannt sein, ob sich der gezeigte Pragmatismus weiter durchsetzen wird …

 

 

 

Post to Twitter Post to Delicious Post to Digg Post to Facebook Post to MySpace

Download PDF

2 Comments »

  • Dr. Martin Bartonitz

    Und hier kommen nun die klaren Worte, so wie sie noch im Entwurf formuliert sind und in Kürze seitens des BMF als Rundschreiben zum Steuervereinfachungsgesetz, gültig seit 1.7.2011, rausgehen werden:

    Das innerbetriebliche Kontrollverfahren im Sinne des § 14 Abs. 1 UStG n.F. dient nicht dazu, die materiell-rechtlichen Voraussetzungen des Vorsteuerabzugs nach § 15 UStG zu überprüfen. Ebenso wenig soll die inhaltliche Ordnungsmäßigkeit der Rechnung hinsichtlich der nach §§ 14 Abs. 4, 14a UStG erforderlichen Angaben gewährleistet werden. Mit dem innerbetrieblichen Kontrollverfahren soll lediglich die korrekte Übermittlung der Rechnungen sichergestellt werden. Eine inhaltlich richtige Rechnung (gemeint: richtige Leistung, richtiger Leistender, richtiges Entgelt, richtiger Zahlungsempfänger) rechtfertigt die Annahme, dass bei der Übermittlung keine die Echtheit der Herkunft oder die Unversehrtheit des Inhalts beeinträchtigenden Fehler vorgekommen sind. D.h. die Rechnung wurde weder ge-, noch verfälscht oder auf andere Weise verändert; die Rechnung entspricht der erbrachten Leistung. Die Anforderungen an das innerbetriebliche Kontrollverfahren haben sich an dieser Zielrichtung zu orientieren.

    Um das Recht auf Vorsteuererlass zu klären, wird der Unternehmer

    … im eigenen Interesse insbesondere überprüfen, ob:
    – die Rechnung in der Substanz korrekt ist, d. h. ob die in Rechnung gestellte Leistung
    tatsächlich in dargestellter Qualität und Quantität erbracht wurde,
    – der Rechnungsaussteller also tatsächlich den behaupteten Zahlungsanspruch hat,
    – die vom Rechnungssteller angegebene Kontoverbindung korrekt ist und ähnliches,
    um zu gewährleisten, dass er tatsächlich nur die Rechnungen begleicht, zu deren Begleichung er auch verpflichtet ist.

    Comment | 21 March 2012
  • Wer auf dem Saperion-Blog die Einträge von Dr. Martin Bartonitz liest, stellt immer wieder fest wie hier Inhalte früh kommuniziert werden, die nachher andernorts breit zu finden sind.

    Konkretes Beispiel hier: Stefan Groß von Peters, Schönberger & Partner referierte auch im Mai 2012 unter dem Titel “Keine Angst vor elektronischen Rechnungen: Die neue Rechtslage aus Sicht der Steuerberatung” auf der BITKOM-Roadshow “Elektronischer Rechnungsaustausch”
    http://de.amiando.com/ecm_roadshow.html?page=647458

    Der ausführliche Vortrag ist als PDF-Dokument zum kostenlosen Download zur Verfügung unter
    http://de.amiando.com/eventResources/I/d/o9RruwpIWqIyNm/Vortrag_Stefan_Gro.pdf

    Freundliche Grüße

    Jörg Lenz

    Comment | 2 July 2012

RSS feed for comments on this post. TrackBack URL

Leave a comment


four − = 3

Theme: TheBuckmaker.com Web Templates | Bankwechsel Umschuldung, Iplexx IT Solutions