Nov
28
2012

Nachlese zum 27. BPMB-Workshop: Process Mining

Nach einiger Pause besuchte ich wieder die BPMB, um zu erfahren wie es auf dem Markt aktuell um das Thema Process Mining steht und wie sich das Thema in der Praxis umsetzen lässt. Da dies aus meiner Sicht ein Thema ist, welches noch nicht in den Köpfen der Kunden angekommen zu sein scheint. Dies bestätigten auch die anwesenden Berater, welche im Umfeld BPM/-Projekten seit Jahren unterwegs sind.

Was meint Gartner dazu?

Bei Gartner ist dazu im aktuellen „Hype Cycle for Business Process Management, 2012“ zu lesen, dass sich das Thema Automated business process discovery (ABPD), mit hohem Nutzen und Potenzial, in c.a 5-10 Jahren auf dem Höhepunkt der Technologien befindet. Dabei liegt die derzeitige Marktdurchdringung bei 1-5%.

Process Mining Anno 1845-Wie alles begann

Die Einführung in das Thema erläuterte Frau Dr. Anne Rozinat (Fluxicon) mit einer geschichtlichen Metapher.
Es begab sich ungefähr um das Jahr 1825 in dem der Leutnant  Matthew Fontaine Maury aufgrund eines Beinbruchs nicht mehr zur See fahren konnte.  Zur Ablenkung suchte er sich eine neue Beschäftigung im U.S. Naval Observatory. In dem er Monate lang alte Logbücher von Schiffen sowie Karten über Winde, Windstillen, Windstärken, Strömungen, Triften, Gegenströmungen aller Meere zu allen Jahreszeiten, studierte.
Sein Traum war es die gesammelten Informationen und Erkenntnisse den Kapitänen zur Verfügung zu stellen. Er arbeitete an seinem Traum weiter und veröffentlichte im Jahre 1845 die ersten Wind- und Strömungskarten. Anhand der Karten konnten die meisten Reisen und auch die logistischen Überfahrten soweit verkürzt werden, dass im Jahr ca. 2.5 Mio. Dollar eingespart werden konnten.

Prozessanalyse Bottom UP-Wie funktioniert Process Mining?

Genau nach dem Prinzip der Metapher wird beim Process Minning vorgegangen. Zu Beginn eines solchen Projektes steht meist eine Problemstellung im Raum. Anhand dieses Problems sollte dann entscheiden werden, welche Teilprozesse davon betroffen sind und damit auch über welche Infrastrukturen oder Systeme hinaus der Prozessfluss läuft (Scoping).

Im nächsten Schritt wird mit dem Kunden eine Metadatenmodell durch Klassifizierung der Daten von den Systemen erstellt, um z.B. zusammengehörige Prozessinstanzen somit eindeutige Beziehungen und auch weitere Fremdbeziehungen zu erkennen. Dazu werden die Ausführungs- und Logdaten der in Frage kommenden Systeme gesichtet. Ist das Datenmodell und dessen Beziehungen klar, muss ein Mapping der Daten durchgeführt werden. Nach dem Mapping folgt die Suche nach rekonstruktiven Sequenzen im Prozess. Die wichtigsten Daten die zur Analyse im Metadatenmodel dienen sind immer:

  • Timestamp (Start oder Ende eines Prozessschrittes, Berechnung der Liegezeiten eines Prozessschrittes),
  • Case ID (eindeutige Zuordnung zum Prozessschritt),
  • Activity und Attribute.

Nachfolgend werden Six Sigma oder auch andere statistischen Werkzeuge angewandt, um z.B. Variationen zu erkennen. Dies kann durch vorherige Bearbeitung in Statistikprogrammen (SPSS, RapidMiner, Minitab) geschehen oder es findet eine direkte Auswertung in einem Process Mining Tool wie Disco statt. Damit werden die Problemfelder sichtbar und die Daten können für Entscheider repräsentativ aufbereitet werden. Sind die Probleme aufgedeckt, müssen von Entscheidern Maßnahmen für Verbesserungen oder auch Prozessänderungen getroffen werden.

 

Praxisbeispiel Callcenter (ITIL)

Ein positives und gelebtes Praxisbeispiel stellte Thomas Baier (Prozess Manager bei einer IBM-Tochtergesellschaft) vor, der Prozessanalyse im Callcenter betreibt, welches nach ITIL arbeitet. Anhand der vorher beschrieben Schritte analysierte er den Incident Prozess (mit Disco und SPSS) und deckte mit Hilfe der einer Analyse Engpässe auf, welche er durch gezielte Nachschulung verbessern konnte. Den Erfolg konnte er anhand eines Vergleiches der Daten in Disco belegen.

 

 

Fazit

Prozess Mining sollte als ein weiteres Tool für die Prozessanalyse und im Rahmen eines KVP in Unternehmen, für bestehende Projekte, genutzt werden. Bei neuen  BPM-Projekten kann es zum Einsatz zur Prozessfindung erfolgreich angewandt werden.

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Written by Christine Mummert in: deutsch,general,language,process management,quality management |

1 Comment »

  • Hallo Christine,
    ich freue mich, dass Du das Thema weiterhin im Blick hast. Gelungene Nachlese, die den Zwecke und Nutzen des noch sehr neuen BPM-Themas Process Mining greifbar macht.
    VG Martin

    Comment | 18 December 2012

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