Mar
11
2011

Nachlese zum Gartner BPM Summit 2011 Event in London

Ich war diese Woche mal wieder zum jährlich stattfindenden, vermutlich in Europa wichtigsten Meinungsbildungsevent des Hauses Gartner, um mich über die neuen Trends im Geschäftsprozessmanagement zu informieren.

Nach zwei Tagen Vorträgen, Workshops, Oen-to-One-Gartner-Gesprächen sowie Gesprächen mit Ausstellern der begleitenden Aussteller war ich am Ende ziemlich angefüllt mit Impressionen. Was waren für mich die Highlights dieser Veranstaltung, an der ca. 400 Europäer, davon 23 asu Deutschland teilgenommen haben?

Die zentrale, immer wiederkehrende Botschaft war, dass die Menschen die Prozesse ausmachten. Technik könne zwar helfen, aber besonderns die Mitarbeiter müssten in den Veränderungsprozessen mitgenommen werden. Wenn diese keinen Mehrwert in ihrem Tun sehen, sei das Scheitern vorprogrammiert. “Bringen sie die Entscheidung dorthin, wo gearbeitet wird!”, denn dort wisse man am besten, was wie optimiert werden kann. Also mehr Verantwortung an die Basis (-> ähnlich dem SCRUM-Prinzip). Firmen, die zu häufig auf Freisetzungen von Mitarbeitern setzen, müssten sich nicht wundern, wenn die Prozesse dann nicht mehr rundlaufen, da wichtiges Wissen das Haus verlassen hat. Mitarbeiten seien ein wichtiges Assett.

Was mich dagegen aber wunderte war, dass genau dazu kaum Vorträge speziell zum Thema Change Management oder Mitarbeiterführung oder selbstorganisierende Teams angeboten waren.

Eine weitere wichtige Aussage war, dass man sich nicht scheue, sogar nicht sperren dürfe, die neuen Anwendungen des Social Media zu nutzen. Die neuen Generationen seien inzwischen stark daran gewöhnt, sich zu vernetzen und würden das auch von ihren neuen Arbeitgebern fordern. Zudem hätten die unter 25-Jährigen sehr viel weniger Probleme mit der Privacy. Transparenz ist für sie wichtig. Vernetzung sei alles, um Probleme zu lösen.

Und da sind wir bei einem weiteren, wichtigen, wesentlichen Punkt. Da die Menge an Wissen weiter stark exponentiell steige, sei ein Expertentum nicht mehr machbar und aufgrund von Vernetzung auch nicht mehr notwendig. Wer weiß, wie er schnell an die notwendigen Informationen für seine anstehende Entscheidung heran kommt, ist im Vorteil. Wer sich zum Firmen-internen Experten durch Information-Hiding seinen Job sicherte, wird das zukünftig nicht mehr tun können.

Aufgrund der zunehmenden Komplexität käme es daher auf das Funktionieren von Teams an. Und zum Mut der schnellen, und man achte drauf, intuitiven Entscheidung (siehe mein Post agiles Geschäftsprozessmanagement durch intuitive Improvisation a la SCRUM), nicht nur des Einzelnen sondern des Teams.  Und da schnell entschieden würde, müsse es auch eine Kultur der Fehlertoleranz geben. Nur so sei auch ein schnelles Umsteuern möglich, sollte sich die Entscheidung doch als falsch herausstellen. Und weil sich Alles so schnell ändern kann, müssen unterstützende Anwendungssysteme in der Lage sein, flexibel neu justiert werden zu können.

Anwender wollen extrem einfache Funktionen, die sie aus einen Pool-Angebot nutzen können. Sprich sie wollen ihren Tesktop selbst zusammenstellen, die sie für die notwendigen Informationsgewinnung benötigen.

Ich schreibe ja schon seit einiger Zeit darüber, dass ein alter Begriff aus der Patienten-Welt, das Case Management zu neuen Ehren gekommen ist. Speziell die Aussteller hatten dieses Thema dann auch breit besetzt.

Sehr gut hatten mir die Möglichkeiten der der Process Operation Plattform von CORDYS gefallen, einem frühen Adopter des Themas. Ich hatte schon vor 2 Jahren Gelegenheit, an dem Stammsitz in Holland mit die Modellierungsmöglichkeiten unstrukturierter Aufgaben anzuschauen. Man ist nun einen guten Schritt weiter und ich werde noch etwas ausführlicher berichten, zumal es auch eine Ergänzung der BPMN 2.0 Modellierung ist.

Ein weiterer Aussteller aus Holland mit dem Namen Be informed! zeigte eine ähnliche Möglichkeit, Abhängigkeit von Aufgaben über Regelwerke zu definieren ohne dass es ein Flussdiagramm benötigte. Auch das später mal mehr.

Als einziger halb-deutscher Vertreter war nur die Firma Software AG da, die über ihr Zusammenspiel von ARIS Toolset und der Process Engine Webmethod berichteten. Man stehe kurz vor Freigabe der Version, in der BPMN 2.0 Modelle nicht mehr via XPDL sondern der BPMN 2.0 eigenen Serialisierung initial von ARIS an Webmethod übergeben würden. Danach allerdings würden nur noch Meldungen an die jeweils Beteiligten der beiden Modelle gehen, wenn eine Änderung erfolgt. Dann müssten entsprechende Anpassungen jeweils manuell nachgezogen werden. Also ein ganz anderer Ansatz, als den, den wir mit Signavio verfolgen: Nutze nur ein Werkzeug zur Modellierung und führe mit SAPERION Workflow aus.

Insgesamt hat sich die Teilnahme sehr gelohnt, zumal ich auch noch in Einzelgesprächen mit den Gartnerberatern über weitere Marktrends im ECM- und BPM-Markt sprechen konnte.

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Written by Dr. Martin Bartonitz in: deutsch,process management | Tags: , , , ,

1 Comment »

  • Mich hat heute noch ein Feedback erreicht, das ich gerne anonym vorstellen möchte:”Ich war diese Woche auf der RM/IG Konferenz zum Thema Records Management und Web 2.0 in Zürich. Nach dieser hat sich meine persönliche Meinung gefestigt: BPM ist eine sterbende Initiative. Die Datenflut und soziale Medien sowie neue Kooperationsmodelle drängen die veraltete Prozessdenke ins abseits. Knowledge Workers und Personen in der Dienstleistungsgesellschaft denken zunehmend vernetzt und identifizieren Nutzen anders als die aktuelle Generation. Ad hoc Verfahren definieren die Arbeitswelt, die Cloud ermöglicht die durch die Nutzung von Services “on the fly”. Die grösste Herausforderung wird die Zähmung der Datenflut und deren Transparenz sowie Compliance sein. Die heutigen IT Abteilungen werden vor existentiellen Herausforderungen stehen, die sie bisher nicht gekannt haben.”Hier sind zwei Punkte genannt, die auch bei Gartner angesprochen wurden. Die Knowlegde Worker arbeiten definitiv unstrukturiert und hier würden die Social Media Anwendungen als auch die Case Management Produkte unterstützen. 60-80% unserer Tätigkeiten würden in diesen Bereich fallen.Der zweite Punkt ist die geforderte Agilität. Da die interne IT zu langsma wäre, würden vermehrt Abteilungslösungen in die Cloud wandern. Mein Bauch sagt mir, dass es zu einem wenig kontrollierbaren Flohzirkus von Anwendungen kommen wird. Das kann aber auch eine Change für Schnelligkeit sein. Weg von der zentralen Kontrolle und von internen Standards hin zur dezentralen Verantwortlichkeit und flexiblen Reaktion auf die Märkte. Und schon wieder geht es in Richtung auf den Abbau von Hierarchien, siehe meine Eingangsbemerkung von Gartner: “Bring die Entscheidungen dorthin, wo gearbeitet wird.”Wenn die Dezentralisierung die Lösung ist, dann wird es mehr um einfache und schnell eingeführte Anwendungen gehen als um die Eierlegendewollmilchsau?Udn mal quergedacht: Wenn man diesen Trend anschaut, dann scheint mir unser Politiktrend der Entscheidungszentralisierung hin nach Europa der völlig falsche Weg. Sollten wir dann nciht besser auch hier die Entscheidung wieder zu den Kommunen bringen, wo wir Bürger leben?

    Comment | 12 March 2011

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