Jul
04
2012

Nachlese zur 3. Veranstaltung der BPM Offensive Rhein.Ruhr – Prozessanalyse

Nach einer kurzen Vorstellung der BPMRR durch den Gastgeber HP in Ratingen, vertreten durch Konstantin Gress, hielten Martin Matzner von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und Dominik Blattner von der CDI jeweils einen Initiativ-Vortrag, zuerst der theoretische Blick, anschließend aus der Praxis. Danach hatten die 15 Teilnehmer der 3. Veranstaltung der BPMRR moderiert von Volker Schnuck Gelegenheit, in Gruppenarbeiten Fragestellungen zur modellbasierten Prozessanalyse zu diskutieren.

Anforderungen, Herausforderungen und Chancen einer modellbasierten Prozessanalyse

Das war der Titel des ersten Vortrags gehalten von Herrn Matzner. Er stellte eingangs fest, dass der Hype der 90er zum strategischen Geschäfsprozessmanagement schnell verflogen war. Es wurde zwar fleißig das IST dokumentiert, aber anschließend nicht weiter per Tool-Nutzung nachverfolgt.

Heute sieht er den Trend, dass sich die BPM-Welt gerade mit der BI-Welt trifft, heißt, dass die strukturierten Prozesse während ihrer Ausführung protokolliert werden und die anfallenden Daten unter dem Aspekt von Verbesserungspotentialen ausgewertet werden. Und das am besten auf Basis von Prozessmodellen.Und hier gibt es die folgenden drei Handlungsstränge:

  • Analysiere die Vergangenheit – Controlling / Mining / Complex Event Processing
  • Beobachte die Gegenwart – Business Activity Monitoring (BAM)
  • Sage die Zukunft voraus – Simulation, Trendaussagen

BAM bietet via Dashboards in “Neartime” die Visualisierung des IST zur Überwachung Zwecks frühzeitiger Gegensteuerungen, falls irgendwo etwas aus dem Ruder zu laufen droht. Beispiel: die Severice Level Agreements werden nicht mehr eingehalten, weiteres Personal ist notwendig,  ggf. wird in den Prozessen die Schwelle für übliche Freigabeschritte höher gesetzt, also auf bestimmte Aufgaben verzichtet werden kann.

Anhand eines an der Praxis ortientierten, dennoch konsturierten Beispiels zeigte Herr Matzner das Zusammenspiel eines BPMN-basierten Workflow-Systems und die Untersuchung von Pattern inkl. der Darstellung von minimalen, maximalen und Durchschnittswerten.

Sein Fazit: Ja, Firmen beginnen mit dem Thema, allerdings fehlt es hier noch an Standards für eine einfach auswerttaugliche Protokollierung, so dass derzeit immer individuelle Auswertungen implementiert werden müssen.

Mein Fazit: Das Thema BAM ist noch immer etwas für die großen Firmen. Im Mittelstand verlässt man sich eher auf seine Intuition, sprich man fühlt es, wenn etwas beginnt schief zu laufen (siehe am Beispiel der Gebrüder Lunge).

(Aktuelle) Beispeile aus dem Projektumfeld

So lautete der Titel des zweiten Vortrags von Dominik Blattner. Er sieht einen Hype von Dashboard-Nutzungen, gleichzeitig auch ein Problem der Anwender, nicht genügend klar zu formulieren, was protokolliert werden sollte, um ausgewertet werden zu können. “Was nicht gemessen werden kann, kann nicht gesteuert werden.” so Herr Blattner in Anlehnung an Sir Lord Kelvin, der diesen Sachverhalt schon den Stadtplanern von London erklärte. Er sieht die folgende Schritte zu einer Auswertung:

Vision -> Strategische Ziele -> Zielfaktoren (CFF) -> Maße für Faktoren (KPI) -> Prozessanalyse (PPI)

Das Definieren von Prozesskennzahlen (PPI) sieht Herr Blattner als nicht trivial an. Diese zu aggregieren zu Leistungskennzahlen (KPI) ist dagegen schon leichter. Was, und besonders FÜR WAS soll gemessen werden, sei immer wieder eine Spannungsfrage.

A propos Spannung, spannend finde ich seine Idee, die BPMN um entsprechende PPI und KPI Attribute zu erweitern, um einen weiteren Medienbruch zu vermeiden.

Simulation. Kaum ein Hersteller ist in der Lage, einen Einzelfall auf Basis der letzten Betriebszahlen zu simulativ zu extrapolieren. Zum Beispiel: wie lange wird die Durchlaufzeit bei bestimmten Rahmenparametern sein? Und wenn man auch noch die Jahreszeit beachtet? Ein Teilnehmer meint, dass es doch gar nicht so schwer sein sollte mit der Simulation, denn wir sind doch heute schon gut beim Autofahren durch unsere Navis betreut: ist er mit aktuellen Staudaten versorgt, kalkuliert er die Ankunftzeit laufend, so dass wir die auf uns Wartenden entsprechend Informieren können.

Sein Fazit: Er sieht eine gute Chance für das Auswertungsthema dann, wenn das Prozessmodell, das zur Dokumentation genutzt wird, auch bei der Visualisierung verwendet wird. So ist eine höhere Wiedererkennung gegeben und der Anwender ist eher bereit, in ein solches Projekt einzusteigen.

Mein Fazit: Ja, diese Chancen sah auch unser Partner Signavio, der sich vor einem Jahr auf den Weg gemacht hat und vor ein paar Wochen das neue Produkt Process Analytics verfügbar gemacht. Wer mit dem Signavio Process Editor modelliert, anschließend diese Modelle an SAPERION zur Asuführung  deployt hat, der kann mit Process Analytics sich ein aktuelles Bild der Prozesse in SAPERION machen als auch eine Blick in die Vergangenheit werfen. Und das anhand des gleichen Prozessmodells.

 

Beispiel-Auswertung von SAPERION-Prozessdaten mit Signavio Process Analytics

Beispiel-Auswertung von SAPERION-Prozessdaten mit Signavio Process Analytics

Die Ergebnisse der Gruppenarbeiten werden noch auf dem Blog der BPM Offensive Rhein.Ruhr vorgestellt.

Gefallen hatte auch die Geschichte über fünf Affen, die seit vier Monaten auf Top eins auf unserem SAERPION-Blog steht und die ich zum Schluss erzählte, um damit zu erklären, warum es uns häufig so schwer fällt, von Gewohnheiten in Geschäftsprozessen zu lassen.

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Written by Dr. Martin Bartonitz in: deutsch,process management | Tags: , , ,

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