Sep
13
2010

Neuer Personalausweis: AusweisApp löst Bürgerclient ab

Schon das Kommen des neuen Personalausweises ist von den Bürgern kaum wahrgenommen, so ist still und leise der Arbeitstitel Bürgerclient im Juni zu AusweisApp gewandelt worden (siehe auch Interview im CIO). Das Bundesministerium des Innern (BMI) hat im Juni den Namen geändert (Mitteilung des Behördenspiegels), da das Wort ein Denglizismus sei und auch das Wort Bürger wegen des Umlauts wenig Internet-tauglich sei. Auch wäre der Begriff Client den Bürgern kaum geläufig und er sei zudem noch Geschlechtsspezifisch, d.h. die Bürgerin ist nicht berücksichtigt. Nun könnte man meinen, das AusweisApp auch ein Denglizsimuss ist. Nein: das App ist die Abkürzung für Applikation und wir mit dem deutschen A ausgesprochen. Diese Abkürzung stehe synonym für eine hilfreiche Softwareapplikation.

Die AusweisApp ist die Software, die zwischen dem neuen Personalausweis, der am 1.11.2010 kommt, und Internetanwendungen. Diese Anwendungen müssen bei der Bundesdruckerei registriert sein und erhalten für die Kommunikation mit der AusweisApp jeden Morgen ein neues Zertifikat. Wenn ich mich als Bürger mit meinem Personalausweis über die AusweisApp der Internetanwendung ausweisen möchte, so zeigt mir die  AusweisApp zuvor das Zertifikat der Anwendung an. So bin ich sicher, dass ich eine vertrauenswürdige Anwendung vor mir habe. Zumal die Kommunikation zwischen AusweisApp und Internetanwendung gesichert abläuft. Genauso so sicher wie die Kommunikation zwischen AusweisApp und einem Kartenlesegerät mit Tastatur (siehe Ich habe ihn, meinen neuen Personalausweis (zumindest Test-…) oder Neuer Personalausweis: Soll ich nun oder doch nicht?).

Der Ablauf beim Authentifizieren ist wie folgt:

  1. Ich will mich bei einer Internetanwendung als Teilnehmer ausweisem und klicke auf einen entsprechenden Link.
  2. Die AusweisApp wird seitens der Internetanwendung aufgerufen und erscheint daher auf meinem Bildschirm
  3. Die AusweisApp fordert das Zertifikat der Anwendung an und zeigt mir die Informationen, so dass ich vertrauen kann
  4. Wird das Zertifikat auch seitens der AusweisApp als vertrauenswürdig eingestuft, erhalte ich auf dem Bildschirm eine Checkliste mit meinen persönlichen Daten
  5. Ich kann nun auswählen, welcher meiner Daten ich über die AsuweisApp an die Internetanwendung übertragen haben möchte
  6. Nach dem Eintippen meiner PIN, ähnlich der meiner EC-Karte, erfolgt nun die Übergabe der Daten über eine gesicherte Verbindung
  7. Die Internetanwendung hat nun meine Daten und kann diesen auch vertrauen

Gerade im aufkommenden Zeitalter der Cloud mit den Angeboten, seine Daten irgendwo sicher hosten zu lassen, d.h. per Software as a Service (SaaS),  wird eine vertrauenswürdige Interaktion mit meiner Web-Anwendung immer wichtiger.

Ich hatten am letzten Freitag in unserem Web-Talk zum neuen Personalausweis besonders über den Nutzen in Geschäftsprozessen gesprochen und über das Vertrauen, wenn ich nicht an meinem PC zu Hause sitze sondern im Laden vor Ort mich mit meinem Personalausweis elektronisch ausweisen möchte.

Im Falle der Klärung, ob ich 18 Jahre bin, ist der Prozess sicherlich aufwändiger und langwieriger, wenn ich noch meine PIN eingeben muss. Auch wäre ich mir nicht so sicher, ob das Gerät, an dem ich arbeite, sicher ist. Auf der anderen Seite, kann sich ein Laden wie z.B. der Mediamarkt auch keine Unsicherheiten leisten.

Nutzen im Ablauf wäre sicher dort gegeben, wo bisher der Personalausweis kopiert werden muss, z.B. beim Verkauf eines Handy-Vertrags.  Hier müsste nun kein Papier mehr bewegt werden und die Daten können ordnungsgemäß (Compliance) ins elektronische Archiv gehen.

Übrigens fand ich den Begriff “Bürgerclient” eigentlich gar nicht so schlecht, erinnert er doch ein wenig an “Wir sind das Volk”, d.h. er trägt mehr Emotionen. AusweisApp ist so nüchtern. Aber OK …

Kleiner Nachtrag:

Das Kompetenzzentrum neuer Personlausweis macht eine relativ minimalistische Werbung für den Personalausweis. Dort ist über die AusweisApp zu lesen:

“Die AusweisApp übernimmt für die Bürgerinnen und Bürger die Kommunikation zwischen Personalausweis und eID-Service. Die Software muss auf dem Computer der Nutzer installiert sein. Die vom BSI zertifizierte AusweisApp wird den Bürgerinnen und Bürgern zukünftig kostenfrei zur Verfügung stehen.”

Fortsetzung: Die AusweisApp kann auch Dokumente signieren und Signaturen verifizieren

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Written by Dr. Martin Bartonitz in: deutsch,general | Tags: , , ,

3 Comments »

  • Axel Kroll

    Das Problem mit dem Bürgerclient ist, daß Politiker heutzutage offensichtlich zu merkbefreit sind, um einen Plural von einer männlichen Form zu unterscheiden. Es sollte ja wohl der Client der Bürger sein (Plural), und nicht zwingend des Bürgers. :-)

    Schön, daß wir in diesem Land offensichtlich ansonsten keine Probleme mehr haben (wo ist der Wall-Smilie hier?).

    Comment | 13 September 2010
  • Es hat schon Vorteile, aber man wird in der Tat gläsern.
    Aber wehren kann man sich ja auch nicht – in 10 Jahren wird schließlich unweigerlich jeder einen neuen Personalausweis haben…

    Comment | 21 September 2010
  • Dr. Martin Bartonitz

    Warum gläsern?
    Es steht auf dem Ausweis nicht mehr drauf, als auf dem alten.
    Und beim eID-Verfahren muss ich nicht mitmachen, wenn ich vor mir selbst schütze möchte, weil ich meine, dass ich selbst zu unsicher mit meinem PC und dem Ausweis umgehe. Sprich die eID ist optional.
    Und wenn ich die eID nutze, dann bestimmte ich selbst, bei welcher Anwendung ich welche meiner Daten übertragen wissen will. Und wenn mit die Datenschutzbestimmungen des Diensteanbieters nicht passen, dann bekommt er eben nichts von mir.
    Ich würde mit wünschen, wenn es zur Einführung des neuen Personalausweises entsprechende Fernsehspots gäbe, die mit den Vorurteilen aufräumen und für alle Bürger mehr Licht ins Dunkel brächten.
    Jedenfalls die aktuell unprofessionellen Beiträge des Chaos Computer Clubs sind dermaßen kontraproduktiv und verursachen eine Verschwenden unserer Steuergelder durch Nicht-mitmachen-weil-unsicher-geworden, dass es weh tut.
    Ich habe das auch so auf dem heutigen Signaturtag des VOI und der TeleTrust kund getan: http://www.teletrust.de/startseite/termin/?tx_ttnewstt_news=201&cHash=841a0e77df9fb60c0c8149eb09de637a

    Comment | 24 September 2010

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