Nov
07
2010

Noch ein grüßendes Murmeltier: Gartners jährlicher Blick in die Kristallkugel zu Trends im BPM – 2010

Ich habe mir gerade die diesjährige Gartner-Ausgabe zum BPM Hype Cycle angeschaut und möchte kurz die wichtigesten Erkenntnisse zu den erkannten Trendes zusammen fassen. Vorab noch die Einführung eines neuen Akronyms: Gartner führt neben dem BPMS noch das BPMT ein. Während S für Suite steht, steht T für Technology (kommt mir irgenwie bekannt vor: DRT für Dokument Related Technology anstelle DMS). Suiten bieten demnach mehrere BPMTs an. Hier nun der Kurzextrakt aus 78 Seiten:

  1. Die wichtigste Strategie wird Agilität sein. Die Märkte ändern sich weiterhin immer schneller und aber auch immer unvorhersehbarer. Daher müssen sich Anwendungen zur Geschäftsprozessunterstützung immer schneller an die neuen Situationen anpassen können, sei es automatisiert oder Kraft der Expertensuppe.
  2. BPM basiert immer stärker auf Modellen, die Strukturen explizit machen, so dass über sie im Detail gesprochen werden kann und Prozesse damit auch messbar(er) werden.
  3. Ein BPM-Projekt wird nicht ein Mal eingeführt und dann auf zum nächsten Projekt. Es geht wie bei Punkt eins schon offensichtlich darum, Prozesse fortwährend zu managen im Sinne der kontinuierlichen Verbesserung. Dabei geht es sowohl um das Wie als auch das Was im Ergebnis. Denn was nützt der effizienteste Prozess, wenn das Ergebnis nicht die Erwartungen des Kunden trifft und er sich damit abwendet. Wichtig sind der Einsatz von Business Rules Management Systemen sowie social BPM Funktionalitäten (dazu später).
  4. Ein Mal mehr wird darauf hingewiesen, dass zwar BPMT unterstützt, dass aber die Beherrschung der folgenden vier Managementmethoden im Vordergrund steht: Prozessmodellierung, Messung der Prozessergebnisse , Analyse des Prozessdurchsatzes (performance) sowie Change Management (ich hätte letztere eher ganz vorne gesehen, denn ohne den Menschen mitzunehmen, geht alles andere wenig glatt oder gar nicht mehr)

Was das Thema Business Rules Management Systeme angeht, haben wir dann wohl den richtigen Schritt gemacht. SAPERION Version 7 bietet eine Schnittstelle zur Einbindung von Rules Engines. So lassen sich die typischerweise schneller ändernden Werte wie “Wer ist zuständig” sowie Schwellwerte direkt von den Verantwortlichen der Fachbereiche ändern.

Was die Analyse des Prozessdurchsatzes angeht, steht schon das SAPERION BAM Dashboard seit 3 Jahren bereit, aber wir dürfen noch gespannt auf eine Erweiterung im Process Editor unseres Partners Signavio sein. Im nächsten Jahr werden entsprechende Kennzahlen aus der Produktion (SAPERION Protokolltabellen) an den entsprechenden Elementen der BPMN-basierten Prozessmodelle sichtbar sein.

Schauen wir uns aber noch die ganz neuen Buzzworte des Gartner-Papiers an:

Case Management in BPM

Case Management sei die Verbindung von BPM und der Gebrauch von Enterprise Content Management Szenarios und umfasst einen Mix von kollaborativen, unstrukturierten and strukturierten Processen.

Hier spiegelt sich die Botschaft der Gemeinde der Workflow Management Coalition wieder, die im letzten Jahr mit Adaptive Case Management die neue BPM Revolution ausgerufen hat.  Wir ECMS-Hersteller müssen uns hierbei plötzlich auf der Sonnenseite sehen, denn machen wir doch schon seit etwa der Jahrtausendwende Workflow in ECM ;-)

dynamic BPM – in 2009 noch “unstrcutured Processes”

dynamic BPM sei ein Konzept zur Ermöglichung von Prozessänderung zu jeder Zeit von jedem Fachexperten (Wissensarbeiter) im Rahmen weniger Restriktion, die während des System-Designs hinterlegt werden.

Hier ist die Handschrift von Max J. Pucher gut zu erkennen, der propagiert, auf keinen Fall Prozessketten zu modellieren, da sie eh schnell altern und zudem durch zu starke Strukturgebung Innovation verhindern. Die Mitglieder der BPM-Offensive Berlin sind sich dagegen einig, dass die Externalisierung von Aufgabenketten erst dazu führt, dass über vorhandene Schwachstellen besser diskutiert werden kann.

social BPM

social BPM nutze die Kraft des kontinuierlichen Lernens des  “Kollektivs” (siehe auch Ist collaborative BPM auch eine effiziente Methode zur Erhebung von Geschäftsprozessen?) und berücksichtige den Gestaltansatzes zur Prozessverbesserung.

Hinweis zum Gestaltansatz: “… Wichtig dabei ist, bei den Beteiligten die Haltung des inneren freundlichen Beobachters zu schulen, der sich selbst und den eigenen Stärken und Schwächen auf die Schliche kommt, ohne sich dafür zu verurteilen, also die Fähigkeit zur vorurteilsfreien Wahrnehmung der eigenen inneren Vorgänge. …”

BPM Standards

Im Bereich der Standards sieht Gartner einen Sinneswandelt und beurteilt BPM Standards wie BPMN, XPDL und BPEL inzwischen auf dem Plateau der Ausgreiftheit. War vorher das hehre Ziel, dass zur Laufzeit eine Prozessinstanz auf der Maschine der Firma X eingepackt werden sollte, um dann auf der Maschine der Firma Y sein Leben weiterzufristen, ggf. auch weider zurückzukommen, so ist nun nur noch der Austausch (Interoperabilität) auf Modell-Ebene angedacht. Dass genau das mit BPMN 2.0 nun beginnt interessant zu werden, hatte ich schon eininge Mal, zuletzt noch gestern gepostet (-> Our first experiences with BPMN 2.0 in respect to human-centric workflow).

Es gibt noch eine ganze Reihe weiterer interessanter Aussagen in dem Gartner-Papier. Aber ich habe Eure Geduld nun schon genug strapaziert, der Post ist schon viel zu lang und ich schleich mich jetzt ins Bett :-)

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Written by Dr. Martin Bartonitz in: company,deutsch,general | Tags: , , , ,

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