Sep
03
2010

Non-Compliance bei der Hygiene in unseren Krankenhäusern kostet uns jährlich 2,5 Milliarden Euro – ein Fall für die Ekelliste?

Wie die Sicherheitsmängel beim Personalausweis ist in der letzten Woche medienwirksam der Fall von drei gestorbenen Säuglingen in einem Mainzer Krankenhaus in Szene gesetzt. Mich wundert, dass das Thema mangelnde Hygiene in unseren Krankenhäusern erst jetzt wieder wahrgenommen wurde. Sind es doch jährlich 500.000 Fälle von Keiminfektionen, die sich Krankenhauspatienten einfangen. 5.000 Fälle mit Todesfolge. 2,5 Milliarden Euro kostet uns Behandlung der Ansteckungen, weil Hygieneregeln nicht eingehalten werden.

Im Kölner Stadtanzeiger sind die genannten Daten in einem Artikel angeführt worden. Hier wurde der Vorschlag unterbreitet, dass die Krankenhäuser die Fälle melden sollten, ggf. gesetzlich, damit sich a) jeder Patient aussuchen kann, welches Krankenhaus er besucht und b) sich die Krankenhäuser verstärkt um die Hygiene kümmern. Das erinnerte mich an den Post meiner Kollegin, die über die Berliner Ekelliste mit unhygienischen Restaurants berichtet hatte.

Wir haben in unserer Familie in den letzten zwei Jahren  selbst zwei Todesfälle nach einer Infektion im Krankenhaus beklagen müssen.  Eine Bekannte ist letztes Jahr zudem noch mit dem Schrecken davon gekommen, durfte aber 5 Tage länger als geplant wegen einer Infektion nach der Operation im Krankenhaus bleiben.

Ich schreie nicht nach neuen Gesetzen, wie dies mal wieder der Reflex der Politiker auf die Kritiken ist, da ich der Meinung bin, dass wir uns nur noch weiter überregulieren, wie ich das schon im Post Überregulierung: An die Stelle einer sozialmoralischen Selbststeuerung tritt die soziale Fremdsteuerung durch Vermehrung von Vorschriften und Gesetzen (Compliance) angesprochen habe.  So lange der Kostendruck auf den Krankenhäusern lastet, hilft hier keine weitere Regulierung. Die Hygienebestimmungen (Compliance) sind klar genug geregelt, werden nur, wie im o.g. Artikel des Kölner Stadtanzeigers ausgeführt, immer wieder verletzt.

Wenn die Personen, die für das Säubern der Patientenräume zuständig sind, genügend Zeit bekommen und in diesem Räumen überall und nicht nur auf dem Flur die Desinfektionsspender angebracht wären, dann sollten die Keime auch besser in den Griff zu bekommen sein. Sollten die Personalkosten für die Mehrzeit zur Sicherstellung der Hygiene aber höher sein als die 2,5 Milliarden Euro für die Nachbehandlung der Keimfälle, sehe ich hier keine Verbesserung. Dann hilft definitiv nur noch die Ekelliste. Ich würde mir diese Liste jedenfalls anschauen und in eins der Krankenhäuser mit einer niedrigen Rate gehen. Und ich gehe davon aus, dass das Viele machen würden. Und so regelt sich der Markt von selbst.

Was mich extremst frustriert ist, dass die 5.000 Keim-verursachten Todesfälle allein in Deutschland mal eben so unter den Teppich gekehrt werden, sprich man hört so wenig davon. Dagegen wird ein großer Wirbel um die 5-10 jährlichen Hai-Attacken mit Todesfolgen veranstaltet. Grund genug für Viele, sich dann durch den Genuss einer Haifischflossensuppe zu “rächen”. Womit wir uns aktuell zudem noch unsere Sauerstoffquelle abdrehen. Mehr dazu habe ich im Post Wie sollen wir unseren komplexen Finanzmarkt geregelt bekommen, wenn wir noch nicht einmal in der Lage sind, das Ausrotten der für uns lebenswichtigen Haie zu verhindern? geschrieben .

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Written by Dr. Martin Bartonitz in: deutsch,general | Tags: , ,

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