Mar
28
2010

Onlinebrief und DE-MAIL: wie werden Sie unseren Briefverkehr verändern?

Deutsche PostDer Bund hat die DE-MAIL auf den Weg gebracht und kaum Jemand weiß davon. Jedenfalls ist dies mein Eindruck. Denn überall, wo ich in Vorträgen danach frage, bekomme ich nur staunende Blicke. Nachdem ich schon im Post Bringt uns ein De-Mail in der rechtssicheren Kommunikation weiter? über die DE-MAIL berichtet hatte, möchte ich nun über meine Erfahrungen als Testanwender der Konkurrenzveranstaltung, dem Onlinebrief der Post berichten.  Obwohl die Post noch bis Mitte 2010 die Testphase durchläuft, präsentiert sich die Anwendung doch schon sehr umfangreich und reif. Die Benutzeroberfläche ist intuitiv, d.h. ich habe mich gleich zurecht gefunden. Der Onlinebrief bietet die typischen Funktionen eines E-Mail-Providers und ergänzt diese um eine FAX-Funktion. Das Besondere, aber für die Post selbst eher nicht: Die E-Mail kann in einen Standardpostbrief gewandelt werden. Sprich es gibt hier ein Hyprid-Verfahren von E-Mail und Papierbrief in Einem. Allerdings leider nur bisher in eine Richtung. Richtig gut wäre noch, wenn mich ein ursprünglicher Papierbrief gleich in elektronischer Form erreichen könnte. Denn diesen kann ich von überall in der Welt im Onlinebrief-Portal lesen. Auf die gerade an die Post gestellte Frage, wann dieses Verfahren, das es in Finnland schon länger gibt, weil dort die Auslieferung häufig in einsame Regionen erfolgen muss, auch in Deutschland geben wird, bin ich sehr gespannt.

RückscheinIch habe letzte Woche meine Freundin sehr erschreckt, hatte ich doch am  Sonntag den ersten Test des Onlinebriefs auf die Schnelle durchgeführt und vergessen ihr mitzuteilen, dass Sie Post erwarten darf. Daher stand am Dienstag dann für sie der Postmann überraschend vor der Tür und wollte von ihr zwei Unterschriften für ein Einschreiben mit eigenhändigem Rückbrief. Nach  der Befürchtung einer Klage von wem auch immer kam nach dem Öffnen schnell die Entspannung, es war eine  Einladung zum Flimmer-Dimmer, einem Essen im Kinosaal mit anschließendem Film, in dem auch das Essen wieder eine Rolle spielt.

Aufgegeben hatte ich das Einschreiben mit eigenhändigem Rückschein im Online-Portal in nur wenigen Augenblicken. Wo er dann ausgedruckt wurde, kann man an dem ausgelieferten Brief nicht erkennen. Meine E-Mail-Absenderadresse martin.bartonitz@onlinebreif.de befindet sich rechts oben, Meine Adresse über einem Barcode, darunter die Empfängeradresse, gefolgt von meinem Einladungstext. Aber natürlich ohne meine Unterschrift. Am Mittwoch erhielt ich dann den Rückschein als Bestätigung des Erhalts. Ich war nun im Besitzt einer manuellen Unterschrift, während mein Brief nur mit einem Barcode an meine Unterschrift gekoppelt ist. Die ich im Testbetrieb aber noch nicht geben musste.  Dies wird dann vermutlich per Postidentverfahren nachgeholt werden, sobald der Echtbetrieb losgeht.  Bezahlten musste ich noch nichts, da noch Testbetrieb ist. Ansonsten wäre 6,50 € fällig gewesen.

Anmeldung beim Onlinbrief-PortalAls nächstes habe ich mir das Portal im Detail angeschaut. Als ich mich das erste Mal registriert habe, musste ich ein ziemlich langes Passwort mit Groß- und Kleinschrift sowie Sonderzeichen eingeben, damit eine entsprechend hohe Zugangssicherheit erreicht wird. Es soll ja möglichst kein anderer an meiner Stelle kritische Briefe wie Einschreiben versenden können. Hier habe ich dann gleich bei der Post nachgefragt, wann denn die Identität mittels neuem Personalausweis möglich sein wird, z.B. um das lange Passwort nicht mehr merken zusätzlich merken zu müssen. Die Anwort habe ich am Freitag erhalten: “Wir befinden uns noch in der internen Evaluations- und Entwicklungsphase. Aus diesem Grund können wir Ihnen zu diesem Zeitpunkt leider noch keine detaillierten Informationen zur Verfügung stellen.” Schade, das wird also noch etwas dauern.

Nach dem Login präsentiert sich die Oberfläche sehr übersichtlich und in gewohntem Mail-Client-Aussehen.

Portal des Onlinebriefs

Portal des Onlinebriefs

Im Kopf sind die typischen Informationen zur Anwendung, dem eingeloggten Anwender sowie Funktionen zur Konfiguration der Anwendung präsentiert. Links die Navigation mit den Körben. Es können dort neue Körbe eingerichtet werden. Es lassen sich auch Unterkörbe einrichten. Hier kann noch der Posteingang für Online-Briefe sowie für E-Mails und Faxe ausgewählt werden. Der restliche Bereich dient der Anzeige der Mails, der Kontaktliste oder anderen Bearbeitungsmasken. Eine Toolbar im Kopf dieses Bereichs bietet die Funktionen für diesen Bereich. Z.B. öffnet ein Klick auf “Onlinebrief erstellen” die nachfolgende Maske.

Ausfüllen eines Onlinebriefs

Ausfüllen eines Onlinebriefs

Der bessere Weg, diese Maske zu öffnen ist, zuerst die Kontaktliste zu öffnen (siehe nächstes Bild), den Adressaten zu suchen und dort die Funktion “Onlinebrief” anzuklicken. Das hat den Vorteil, dass die dort vorhandenen Daten schon in die Maske gefüllt werden. Im Kopf kann ich noch auswählen, ob ich den Brief elektronisch an einen Empfänger mit Onlinebrief-Account (entspricht dem Verfahren bei der DE-MAIL) zusenden möchte oder doch lieber ein Standardbrief (=Ausdruck im Postzentrum und Kuvertierung) erzeugt werden soll. Auf der rechten Seite kann ich noch festlegen, ob es ein Einschreiben werden soll.

Kontaktliste

Kontaktliste

In der Kontaktliste fehlt noch der Button FAX, denn auch dies ist neben dem Onlinebrief und der E-Mail (siehe nächstes Bild) möglich. Es fehlt auch noch eine Importfunktion für die Kontaktliste. Aber ich gehen mal davon aus, dass diese dann zum Start des Echtbetriebs zur Verfügung stehen wird.

Schreiben einer E-Mail

Schreiben einer E-Mail

Schreiben eines Faxes

Schreiben eines Faxes

Bei allen drei Breiftypen (Onlinebrief, FAX, E-Mail) ist es möglich, einen PDF-formatierten Anhang hinzuzufügen, der entsprechend mit versendet, sprich in das entsprechend Druckformat gebracht wird. Für das Versenden eines FAXes musste ich mir erst eine FAX-Nummer anfordern, die aber in Sekunden zur Verfügung stand. Mit meiner FAX-Nummer kann ich nun auch FAXe empfangen, die mir im Bereich E-Mail & FAX dann in der Liste angezeigt werden. Ob ich eine E-Mail oder ein FAX verschickt habe, lässt sich im Korb “Gesendet” am Adressaten gut erkennen. Bei dem einen ist es eine Nummer, bei dem anderen eine E-Mailadresse.

Gesendete E-Mails und FAXe

Gesendete E-Mails und FAXe

Als Nächstes interessierte mich noch das Thema Verschlüsselung und Signierung von E-Mails. Laut Post werden E-Mails grundsätzlich verschlüsselt verschickt. Damit ist vermutlich nur der Versand zwischen Onlinebrief-Accounts gemeint. Denn meine Mail an mich selbst zeigte keine Verschlüsselung an. Die Post bietet nun jedem Benutzer an, sich ein Zertifikat für das Verschlüsseln und signieren anzufordern, was ich dann auch gleich noch gemacht habe. Allerdings muss ich mich hier noch gedulden, denn das Erstellung des Zertifikats dauert doch etwas länger.  Ich werde hierzu also erst etwas später berichten.

Anfordern eines Zerifikats für das Verschlüsseln und Signieren

Anfordern eines Zerifikats für das Verschlüsseln und Signieren

Preisliste in der Pilotphase

Preisliste in der Pilotphase

Die Preise für den Echtbetrieb werden leider noch nicht angezeigt. Die Nutzung der E-Mail ist allerdings wie bei den üblichen E-Mail-Providern kostenfrei.

Insgesamt hat mich sowohl die Bedienung des Portals als auch die angebotenen  Services überzeugt. Durch das Zusammenführen von unterschiedlichen Nachrichtentpyen, der hybride Onlinebrief, das FAX und die E-Mail könnte ich mir fast überlegen, für den privaten Gebrauch auf diese Plattform umzusteigen. Zwar hätte ich im letzten Jahr nur 3 Faxe verschickt und auch kein Einschreiben. Da inzwischen alle meine Bekannten schon E-Mails empfangen können, ist der Umstieg doch eher nicht wirklich nutzbringend für mich. Mal schauen, wie das mit den Zertifikaten klappt. Das könnte dann ggf. doch ein Argument sein, zumindest wenn dieses keine weiteren Kosten verursacht. Ein Zertifikat kostet sonst zwischen 40 und 80 € für 3 Jahre Laufzeit.

Wie sieht es mit der betrieblichen Nutzung des Portals aus. Firmen, die einen E-Mail-Server selbst betreiben, werden vermutlich nicht umsteigen. Für die kleineren Firmen, die schon jetzt die E-Mails in der Cloud benutzen, könnte das neue Onlinebrief-Portal Nutzen bringen. Was hier noch genau angeschaut werden muss, ist die das Archivieren von geschäftlichen E-Mails nach AO, GoBS und GDPdU. Hier wird es noch einen weiteren Service benötigen. Entweder ein entsprechendes Archiv oder ein geordneter Export in das firmeninterne Archiv.

Interessant wäre auch noch die Frage nach dem elektronischen Rechnungsaustausch über dieses Portal. Die angebotenen Zertifikate sind nur fortgeschritten.  Da elektronische Dokumente mit der qualifizierten Signaturen unterschrieben werden müssen, kann dieser Postdienst dafür nicht verwendet werden. D.h. die Rechnungen müssen vor dem Anhängen an die E-Mail extra signiert werden. Ich vermute mal, dass auch die Verifikation einer qualifizierten Signatur noch nicht möglich sein wird. D.h. dieser Prüfschritt muss dann anschließend auch noch extra durchgeführt werden. Aber schauen wir mal. Ich gehe davon aus, dass die Post hier in einem weiteren Schritt den Service für das Signieren und Verifizieren auch noch anbieten wird.

Ob die Post mit dem Onlinebrief-Service viel Geld verdienen wird, möchte ich dennoch bezweifeln. Die E-Mail als Geschäftsbrief hat sich schon stark verbreitet, d.h. im geschäftlichen Umfeld wird immer weniger Papier bewegt. Im Wesentlichen sind es noch die Rechnungen und Verträge, die noch auf dem alten Weg transportiert werden. Warum sollte also auf den Dienst der Post umgestellt werden. Ähnliche Probleme sehe ich auf die DE-MAIL zukommen. Wie viele Postsendungen benötigen die Bestätigung der Zustellung? Ist diese Menge groß genug, als dass das Geschäftsmodell aufgehen kann? Bisher ist es doch auch schon so, dass, wenn ein E-Mailzugang vorhanden ist, eine ordnungsgemäße Zustellung angenommen werden kann. Warum brauchen wir dann noch mehr Sicherheit und warum sollten wir dafür noch zahlen?

Weitere Web-Links zum Thema:
- Eröffnung der ersten offiziellen Hybridpost-Strecke Europas Ende 2005

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Written by Dr. Martin Bartonitz in: deutsch,language | Tags: , , , ,

1 Comment »

  • Dr. Martin Bartonitz

    Die FDP hat das De-Mail Projekt zum Stoppen gebracht. Der Bundestag hat dem Bundesinnenministerium auf Wunsch der FDP im Haushaltsplan 2010 „Ausgaben zum Zwecke der Verwirklichung des Projekts DeMail“ bis auf weiteres untersagt: http://www.bundesfinanzministerium.de/bundeshaushalt2010/html/ep06/ep06kp02nra06.html
    Inzwischen werden auch immer mehr kritische Stimmen laut. Die Furcht vor dem gläsernen Bürger kommt durch. So werden daten-speicherung.de folgende Punkte genannt.
    1. Vor der Einrichtung eines De-Mail-Briefkastens muss man sich identifizieren, was bei einem normalen Briefkasten, bei dem Versand von Briefen oder bei sonstigen E-Mail-Konten nicht erforderlich ist. Nur anonyme Kommunikation ist aber sicher vor vor missbräuchlicher Aufdeckung.
    2. Aufgrund der Architektur von De-Mail fließen alle Daten und Kontakte auf die Person rückführbar an einer zentralen Stelle zusammen; die Verwendung mehrerer, nicht in Verbindung zu bringender Identitäten ist nicht möglich.
    3. Die hinterlegten persönlichen Daten des Nutzers sind für eine Vielzahl von Sicherheitsbehörden und Geheimdiensten ohne richterliche Anordnung anforderbar (§ 113 TKG), die Identität hinter einer De-Mail-Adresse ist für über 1.000 Behörden in einem Onlineverfahren abrufbar (§ 112 TKG), in dem täglich 12.000 Zugriffe auf Kundendaten erfolgen.
    4. Der De-Mail-Gesetzentwurf sieht in § 16 sogar die Namhaftmachung des Postfachinhabers auf Anfrage Privater vor – für die Post oder einen E-Mail-Anbieter wäre eine solche Auskunft eine schwerwiegende Verletzung des Datenschutzes.
    5. Eine Vorratsspeicherung der Verbindungsdaten jeder De-Mail (vgl. § 100 TKG) schließt der Gesetzentwurf nicht aus.
    6. Kennung und Passwort zu einem De-Mail-Postfach sind auf Anforderung einer Strafverfolgungsbehörde, einer Polizeibehörde, des Bundesamts für Verfassungsschutz, des Bundesnachrichtendienstes oder des Militärischen Abschirmdienstes ohne richterliche Anordnung herauszugeben (§ 113 TKG). Die im De-Mail-Postfach liegenden Dokumente und Informationen sind damit weit weniger geschützt als Papierdokumente oder Briefe in der eigenen Wohnung. Das Recht zur Passwortabfrage besteht zwar bei allen E-Mail-Konten. Normalerweise kann man sich aber mit anonymen Postfächern, multiplen Identitäten und ausländischen Konten vor Zugriffen schützen, was bei De-Mail nicht möglich ist.
    7. Obwohl die Beantragung einer De-Mail-Adresse freiwillig sein soll, werden Behörden und Unternehmen, die ihre Leistungen bisher anonym oder ohne Überprüfung der Kundenangaben angeboten haben, faktisch schrittweise eine personengebundene und identitätsgeprüfte E-Mail-Adresse zur Voraussetzung des Angebots ihrer Leistungen machen. Ziel des Vorhabens ist dem Bundesinnenministerium zufolge ausdrücklich, „die nicht-anonyme und sichere elektronische Kommunikation zum Normalfall“ zu machen. Die eindeutige Identifizierung im Internet kann beispielsweise zum Ausschluss bestimmter Personen genutzt werden, etwa wegen angeblich mangelnder Bonität oder auch nur wegen Missliebigkeit oder Kritik am Unternehmen.

    So manche Punkte machen da schon ein ungutes Gefühl. Aber auf der anderen Seite: behördlich nutze man De-Mail, und für alles andere die bisherigen Accounts …

    Comment | 15 July 2010

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