Dec
05
2011

Prof. Dueck über unsere zukünftig professionelle Intelligenz

Ich hatte schon einige Male Prof. Dueck in meinen Artikeln über das Wie des Miteinanderwirkens für effektivere Prozesse zitiert, und will diese Reihe fortsetzen. Inzwischen hat sich Herr Dueck, der bis vor Kurzem noch der Chef-Architekt  der IBM Deutschland war, “zur Ruhe gesetzt”. Aber nur, um nun die Zeit für weltverbesserische Tätigkeiten zu haben. Er reist nun viel und erklärt in Vorträgen vor Managern seine Ideen für eine bessere Zukunft.

Ich habe vor einigen Wochen sein letztes Buch Professionelle Intelligenz bestellt (allerdings noch nicht gelesen) und gestern den Hinweis von Herr Dueck erhalten, dass es nun auch einen Vortrag dazu gibt:

 

Professionelle Intelligenz | Gunter Dueck auf der x mess from managementx on Vimeo.

Zum Warmwerden geht er in seinem Vortrag nochmals darauf ein, dass die zukünftige Art und Weise der Teamführung nicht mehr eine Arbeitsverteilung basierend auf extrinsischer Motivation ist, sondern es um das Coaching, das Helfen, das Befähigen und das Wegräumen von Hindernissen geht, so dass die intrinsische Motivation nicht gestört wird. So soll es seit 10 Jahren bei IBM schon sein. Viele Manager hätten aber Schwierigkeiten damit, die über Jahrzehnten ausgeübten Verhaltensweisen umzustellen. Ein ähnlicher Umgang mit Mitarbeitern basierend auf Vertrauen wird auch in dem Artikel Future Work: Die Arbeit der Zukunft empfohlen:

Die neue Beziehung basiert auf gegenseitigem Vertrauen. Wir beschreiben unsere fünf Grundsätze für einen erfolgreichen Übergang zur zukunftsfähigen Arbeit als “TRUST Principles”. Das erste T steht für “Vertrauen Sie ihren Leuten” (‘trust’ Anmerk. d. Übers.), das R steht für “Vergüten sie Ergebnisse, nicht Stunden” (‘reward’), das U steht für “Verstehen sie den Business Case” (‘understand’), das S steht für “an der Spitze anfangen”, und das letzte T steht für “Behandle die Menschen wie Individuen” (‘treat’).

Letzteres mag selbstverständlich klingen, aber in der Praxis tut das gegenwärtige Modell der Arbeit dies nicht. Es ist ein Einheits-Modell. Wir sind jedoch alle Individuen und unsere produktive und kreative Zeit kann am frühen Morgen, am Abend oder in der Nacht sein. Und die Menschen sind produktiver, wenn sie sich nicht darum sorgen müssen, wie sie all die verschiedenen Elemente ihres Lebens jonglieren können – Arbeit, Familie, Studium, Pendelzeiten, usw. In den Organisationen, die wir an der Spitze dieses Wandels sehen, beruht die Beziehung zwischen Arbeitgeber und Mitarbeiter auf Vertrauen und Verantwortung. Es wird davon ausgegangen, dass die Menschen selbst-motiviert sind und es wird von ihnen erwartet, dass sie selbst Verantwortung dafür übernehmen, ihre Ziele in bestmöglicher Weise zu erreichen. Das behandelt die Menschen wie Erwachsene, statt wie Kinder. Diese Organisationen berichten von großen geschäftlichen Vorteilen: höhere Produktivität, niedrigere Kosten, besserer Kundenservice, schnellerer Zugang zu neuen Märkten, höhere Motivation der Mitarbeiter und Bereitschaft zu zusätzlichen Anstrengungen.

Über Prof. Dueck hatte ich von der X-Y-Theorie erfahren, die von den beiden Managerbildern des von Natur aus faulen X-Mensch und fleißigen Y-Mensch spricht. Nun meint er, dass die Wahrheit sicherlich nicht ganz hier oder da liegt und stellt in dem o.g. Buch seine Theorie P vor:

Der Mensch möchte wirksam sein und etwas vollbringen, auf das er stolz sein kann. Er arbeitet gern in Gemeinschaft mit anderen und trägt fruchtbar zum Ganzen bei. Er fühlt sich als Quelle positiver Kraft, die er für das Ganze, andere und sich selbst einsetzt. Er übernimmt die Verantwortung für sein Handeln und strebt professionelle Ergebnisse seiner Arbeit an. Er bemüht sich um die Professionalität Anderer und bringt deren Begabung zum Erblühen. Er weitet seine eigenen Horizonte und Fähigkeiten stetig aus. Er ist ein immer größeres Zentrum des Gelingens in einer Welt allgemeiner Prosperität.

Er stellt dazu fest, dass unsere fabrikmäßigen Schulen die notwendigen Fähigkeiten dafür nicht ausbildet sonder nur “vernünftige Fachidioten” in die Welt bringt. Wofür sollten die Schulen eher sorgen:

Wir brauchen Menschen, die wissen, dass sie nicht nur eine Vernunft haben, um gut zu sein, sondern ingesamt auch ein Herz, eine Intuition, einen Instinkt, ein Gefühl für Sinn, einen kreativen Kopf und einen kraftvollen Körper mit einer stabilen Psyche haben. Wir müssen die Digital Natives zu Digital Professionals ausbilden, die in möglichst vielen Teilintelligenzen zu einem guten Bildungs- und Fähigkeitsgrad kommen.

Leider würden wir zu Zeit alle nur einem Profitdenken gehorchen und dabei unsere eigenen Arbeitsplätze zerstören. Daher sollten wir eine allgemeine Persönlichkeitsentwicklung in den Vordergrund stellen und dabei alle ohne Ausnahme besser werden.

Jakob Freund von der Camunda denkt in eine ähnliche Richtung und hatte auf dem letzten BPM Kongress in Berlin formuliert:

Wenn sie als Geschäftsführer neue Mitarbeiter einstellen, dann suchen sie bessere, als sie es sind, A-Kandidaten, und die auch selbst so verfahren würden. Andernfalls haben sie am Ende nur Z-Menschen um sich.

So lernen die, die da sind, sich mit den Neuen voranzuentwickeln.

Wir selbst haben in den letzten Jahren von den Vorteilen dieses Zusammenarbeitens speziell in der Software-Entwicklung erfahren. Hier haben wir SCRUM eingeführt, einer Methode, die auf selbstorgansierende Teams mit verantwortliche Teammitgliedern setzt. Stefan Zorn hatte dazu geschrieben:
SAPERION benutzt Scrum als Hilfsmittel beim Entwickeln von ECM-Produkten im Rahmen agiler Softwareentwicklung

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