Feb
27
2011

Prof. Gunther Dueck über das Ende der Kreidezeit: Wie unser Bildungssystem umgebaut werden muss

Nun hat Herr Dueck über die Inhalte seines letzten Buchs Aufbrechen! Warum wir eine Exzellenzgesellschaft werden müssen (unbedingt lesen!) seine Denkanstöße auch in einer TED-Präsentation über 18 Minuten wiedergegeben:

RSA Animation hatte das Thema, dass unser Bildungssystem inzwischen 200 Jahre alt ist und erneuert werden muss in einer beeindruckenden Animation vorgestellt.

Die Kernaussage von Herrn Dueck ist, dass wir nun das Dienstleistungszeitalter verlassen und wir in eine Wissensgesellschaft übergehen. Und wer meint, dass nicht alle Menschen die Intelligenz besäßen, was die Glockenkurve zeigt, dem erwiedert er, dass diese Kurve auch in die richtige Richtung verschoben werden kann. Fast alle Menschen hätten von der Geburt an das Potential steckt, studieren zu können, nur unser veraltetes Bildungssystem verhindert, dass wir alle mitnehmen.

Herr Dueck wünscht sich, dass alles Wissen der Welt online verfügbar gemacht wird. Möglichst angeführt von Deutschland. Dann bräuchte es keinen drögen Frontalunterricht (-> Kreidetafeln) von zweitklassigen oder drittklassigen Lehrern bzw. Dozenten. Dann holen sich alle das Wissen in interaktiven, spaßmachenden “Konservern” der Erstklassigen heran.

Herr Dueck weist eingangs darauf hin, dass selbst Bill Gates der Auffassung ist, dass in 5 Jahren Universitäten unwichtiger würden. Und wenn ich meine Wissensarbeit als auch die Meiner Kinder anschaue: wir holen uns inzwsichen das Meiste aus dem Internet, nur noch Weniges aus neueren Büchern. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es einen weiteren Quantensprung für unsere Gesellschaft gäbe, wenn Alles im Netz zu erhalten wäre.

Und dann komme ich auch gleich wieder in Grübeln. Wollen dies denn wirklich alle Bürger im Land? Oder wollen vielleicht doch die Bildungspreviligierten, die es bisher die Bildung betreffend ganz nach “Oben” geschafft haben, verhindern, dass nun alle auf die gleiche Stufe gehoben werden könnten? Dann würde man doch automatisch in Relation weniger verdienen? Würde dann automatisch die Motivation sinken, lernen zu wollen?

Ich bin mir inzwischen sicher, dass nicht! Ich hatte ja schon eine Reihe von Posts zum Thema Motivation geschrieben. Und es läuft immer auf das Gleiche hinaus. Glück hängt nicht vom Reichtum ab. Glück hängt von der Freude ab, die ich im Zusammensein mit Familie und Freunden erfahre, und der sinnvollen, selbstbestimmten Arbeit, die ich machen kann. Ja, es braucht natürlich auch eine Absicherung der Grundbedürfnisse und ein bisschen Luxus zum Wohlfühlen.

Wenn wir uns aber vorstellen, dass wirklich Alle in diese von Prof. Dueck erahnte Wissensgesellschaft gehen, sollten wir weniger Kriminalität sehen, da Alle ein gutes Auskommen haben sollten, und weniger Arbeitslose sehen, da Alle gleichermaßen gebraucht würden. Vermutlich werden wir auch weniger Erwerbsarbeit leisten müssen, weil wir immer mehr automatisieren können, und könnten dann unsere so freigewordene Zeit z.B. für ein soziales Engagement einbringen. Oder zur Weiterbildung.

Utopie? Vielleicht. Vor 200 Jahren gab es noch keine Schulpflicht, es gab noch Kinderarbeit, Es gab noch keine Kanalisation und Hygienemaßnahmen. Ob die damaligen Menschen über unsere heutige Welt sagten: Utopie!?

Ich befürchte nur, dass unsere in Deutschland erlahmte Reformfähigkeit aufgrund der in letzter Zeit stark herausgekehrten Parteienmachtstreiterei uns dies so nicht erreichen lässt. Wir sollten vielleicht mal ein wenig bei den Schweizern vorbeischauen. Hier ringen die Parteien gemeinsam um Reformen und Lösungen.

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Written by Dr. Martin Bartonitz in: deutsch | Tags: ,

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