Mar
14
2011

Prof. Gunther Dueck zur Frauenquote und warum wir bei Erfüllung vom konkurrierenden Markt zurück zum kooperierenden müssen

Die Frauen Quote wird in letzter Zeit heiß diskutiert und ich selbst hatte schon in dem einen oder anderen Blog gemeint, dass Frauen gar keine Lust hätten, in diesen Kreisen mitzumischen, da sie eher kooperativ ausgelegt sind und wenig Spaß an der geforderten Konkurrenz- und Machtausübung habe. Prof. Dueck hat es mal wieder richtig gut mit einem Text auf den Punkt gebracht, den ich hier komplett bringen möchte, weil er einfach gut ist und uns im Sinne der Innovation zum Querdenken anregt.

<<<< Beginn Text von Prof. Dueck >>>>>

Wirtschaft ist, laut Brockhaus, die „Gesamtheit aller Einrichtungen und Tätigkeiten zur Befriedigung menschlicher Bedürfnisse an Gütern und Dienstleistungen.“ Spätestens seit Alfred Rappaport’s Buch Creating Shareholder Value (1986) ist Wirtschaft vielleicht „die Gesamtheit aller im harten Wettbewerb untereinander unternommenen Anstrengungen, den Wert der eigenen Unternehmen zu steigern.“ Einmal geht es um Menschen, das andere Mal um Geld und Macht. Sie wissen schon, was ich damit andeuten möchte?

Frauen vertrauen im Durchschnitt mehr dem Urteil ihrer emotionalen Intelligenz, Männer im Durchschnitt mehr ihrer analytischen Intelligenz. Diese beiden Intelligenzen kommen zu verschiedenen Wirtschaftsauffassungen. Der EQ verhilft zur Einsicht der Kooperation, der kalt berechnende IQ kämpft offen um seinen Vorteil. Ich kann das hier nicht in Kürze wissenschaftlich beweisen, ich belasse es hier bei einem illustrierenden Beispiel, das Sie alle kennen:

Ein Mensch („Innovator“) hat eine Karte, in der ein Goldschatz in der Südsee verzeichnet ist. Er muss nun einen Schiffseigner („Investor“) und einen im Pazifik erfahrenen Kapitän („Unternehmer“) finden, die mit einem Schiff hinsegeln und den Schatz holen. Dazu heuern sie Matrosen zum Mindestlohn an und stechen in See. Für die Schatzsuche braucht man viel Gerät und etliche zusätzliche Menschen mit entsprechenden Fähigkeiten („Skills“) – das alles ist für die Rückfahrt nicht notwendig, es wird also nach dem Bergen des Schatzes notwendig sein, einen Großteil der Mannschaft am Zielort in die Ar-beitslosigkeit zu entlassen. Das merken die Matrosen, es kommt zu Meutereien beim Bergen des Schatzes. Die Matrosen fordern einen Leistungsbonus, der aber nicht in den Zielvereinbarungen ein-geplant war. Man muss jetzt viele Matrosen wegen Vertrauensverlustes vorzeitig entlassen oder mit Methylalkohol versorgen. Ein großer Teil des Schatzes kann endlich trotz vieler Diebstähle absolut gieriger Arbeitnehmer an Bord gebracht werden, man kehrt nach Plymouth zurück. Endlich ist die englische Küste in Sicht, da schenkt man mehr und mehr Matrosen ein paar Goldstücke und ein Ret-tungsboot, weil nun das ganze Unternehmen entschlackt werden kann. Das betriebsnotwendige Kapi-tal wird optimiert. Zum Schluss läuft das Schiff mit Steuermann und zwei Matrosen zum Antauen ein, die zwei oder drei Initiatoren teilen sich das Geld wie vorgesehen – der Schatzkarteninhaber schafft die Rückfahrt meist nicht.

Oder, das passiert aber nie im Film, es läuft sozusagen im falschen Film: Der Schatzkarteninhaber heuert alle an, sie kaufen eine Menge Orangenkisten für den Startup und stechen fröhlich in See, weil der Schatz wahrscheinlich für alle bis zum Lebensende reicht. Sie finden den Schatz auch gleich und segeln alle wieder zurück. In Plymouth bekommen der Initiator, der Investor und der Kapitän die eine Hälfte, die andere wird relativ gütlich verteilt. Jetzt gehen alle auseinander, die Matrosen heiraten viel-leicht eine ihrer verschiedenen Hafenstandortfrauen, saufen ein paar Jahre, laden alle ein oder kaufen Schiffsanteile.Was will ich damit sagen? Man kann ein Unternehmen hart leistungsorientiert führen oder emotional intelligent. In der Spieltheorie spricht man von kooperativen und nicht-kooperativen Strategien. Bei den kooperativen Strategien gewinnen alle Teilnehmer zusammen in der Regel mehr als bei nicht-kooperativen Strategien. Das ist doch sonnenklar, oder? Der Unterschied ist, dass bei nicht-kooperativen Spielen manche sehr viel gewinnen und sehr viele nichts. Bei kooperativen Strategien gewinnen alle zusammen viel mehr, aber man muss den Gewinn gleichmäßiger verteilen, damit die Kooperation beibehalten wird.

Wettbewerb ist also gut für die, die gerade gewinnen. Kooperation ist dagegen für fast alle anderen besser – die Leistungsträger werden im kooperativen System dafür geliebt oder verehrt.

Was ist besser? Der harte analytische Verstand beharrt auf dem reinen Leistungsprinzip, dass sich der Stärkste durchsetzt, auch dadurch, dass er anderen Marktanteile wegnimmt. Die emotionale Intelligenz setzt mehr auf Teamlösungen und erarbeitet einen größeren Kuchen als der analytische Verstand, ver-teilt ihn dann aber gutmütig.

Wer will diese kooperative Auffassung? Die wollen im Allgemeinen mehr die Frauen, sehr viele Un-ternehmer im Mittelstand, IT-Startups, Google oder Facebook. Das wettbewerbsorientierte Leistungs-prinzip mit Slogans wie „Wer in einem schrumpfenden Markt wachsen will, muss anderen etwas weg-nehmen“ ist aber das beherrschende Managementprinzip des Shareholder-Value-Gedankens, der eher von Männern geteilt wird. Es gibt schon seit vielen Jahren Bestseller wie Coopetition – kooperativ konkurrieren (1996) von Adam Brandenburger und Barry Nalebuff, die seit langem eine „Economy of Peace“ statt einer „of War“ propagieren. Passiert etwas?

Das kooperative Konzept des Unternehmens als Familie liegt statistisch gesehen (siehe voriges DD) mehr den Frauen, das nicht-kooperative des Konkurrenzdenkens zum Zwecke des Antreibens mehr den Männern.

Wenn man nun eine Frauenquote im Management einführt, steht die „richtige“ Wirtschaftsauffassung zur Diskussion, nicht mehr und nicht weniger. Eine solche Diskussion steht aber heute fast unter Tabu. Werden Frauen mit eine kooperativen Auffassung einfach so ins Top-Management wollen und dabei undiskutiert einfach die kämpfenden Normen übernehmen? Glaube ich nicht! Kann eine einzelne oben angekommene „Quotenfrau“ überhaupt diese Diskussion führen, die sich dazu auch den abschätzigen Blicken der kämpferischen nicht-kooperativen Kolleginnen ausgesetzt sieht? Glaube ich nicht!

Diese Diskussion sollten wir alle zusammen neu führen. Kooperativ? Oder hässlich? In welchem Film wollen Sie sitzen?

<<<<< Ende des Textes von Prof. Dueck >>>>>

Ich bin der Meinung, dass dieser Gedankengang wert ist, diskutiert zu werden. Zeigen doch unsere Krisen, dass reichlich Fehler in unserem Wirtschaftssystem sind.

Was ist Ihre Meinung?

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6 Comments »

  • Na den Kommentar kannst Du haben :-)

    Fangen wir mal an: so richtig laut lachen mußte ich bei der Einschätzung von Google und Facebook als kooperative Unternehmen. Hallo? Das sind die Unternehmen, die sich gerade einen erbitterten Kampf um die Adressbücher ihrer Kunden liefern. Das ist das Unternehmen (Google), welches in den Suchergebnissen Shops mit Places-Präsenz nach vorne ranked. Das ist das Unternehmen (Facebook), welches regelmäßig (nicht immer zu Unrecht) als Datenkranke bezeichnet wird, und dessen extrem kooperative Geschichte man sich in “The Social Network” ansehen kann. “Don’t be evil”? Eher “You cannot have 500 million friends without making some enemies”. Um den Schlußsatz oben aufzugreifen: in genau dem Film sitzen wir.

    Dann geht’s weiter. Ehrlich gesagt finde ich diese ganze Einschätzung von Frauen im Management völlig sexistisch. Na klar, Frauen sind natürlich unglaublich sozial orientiert, kümmern sich um die Familie und stehen am Herd. Ach so, das letzte natürlich nicht, das hatten wir ja früher.
    Den Dank von Frauen wie Carly Fiorina, Meg Whitman oder Condoleeza Rice höre ich bis hier.

    Das sind die Ausnahmen? So wie Steve Jobs, Bill Gates, Mark Zuckerberg und Larry Ellison die Regel sind? Forget it. Wer erfolgreich sein will, kann kein Weichei sein. Egal, ob Mann oder Frau. Ok, wenn natürlich alle versuchen, ab morgen Softie zu sein, dann könnte das was bringen. Alle. Ohne Ausnahme. Super. Das freut die Frauen und Männer, die trotzdem Power haben, Dynamik bringen und dann den Laden aufmischen.

    Oder um es ganz einfach zu sagen: “Gute Mädchen kommen in den Himmel. Böse Mädchen überall hin.”

    Comment | 14 March 2011
  • Ich denke, Du hast den eigentlichen Kern seiner Hypthese überlesen:
    Wenn wir kooperieren, haben wir in Summe Alle gemeinsam mehr. In unserer Konkurrenzgesellschaft gewinnen nur die, die Du als “keine Weicheier” bezeichnest. D.h. wenige machen das Rennen, viele gucken in die Röhre, unterm Strich ist die Volkswirtschaft geringer als es bei Kooperation möglich wäre.
    Laut der Gallup-Studien sind es gerade mal 13%, die sich wirklich in Firmen engagieren, der Rest ist eher wenig motoviert bis zu innerlich gekündigt. Volkswirtschaflticher Schaden: 109 Millarden € pro Jahr allein in Deutschland. Was für ein Potential hier geborgen werden könnte, wenn Kooperation zu mehr Motivation führt!
    Quelle: http://www.sueddeutsche.de/karriere/innere-kuendigung-statisten-am-schreibtisch-1.375928

    Comment | 14 March 2011
  • Mit der Ansicht müßten Beamten die höchstmotivierten Mitarbeiter überhaupt sein. Das hat man doch ansonsten schon probiert. Nannte sich Sozialismus. Jeder nach seinen Fähigkeiten, jeder nach seinen Bedürfnissen.

    Comment | 15 March 2011
  • Geschäftsprozessmanagement hat zwei Seiten zu untersuchen, was getan werden kann, um erfolgreich zu sein. Die eine Seite ist der Einsatz von Technik, wie ein Enterprise Management System a la SAPERION. Die andere Seite befasst sich mit Methoden, wie Menschen effektiver miteinander arbeiten können. Da Menschen Bedürfnisse haben und nicht befriedigte Bedürfnisse demotivieren und dabei nachweislich einen großen volkswirtschaftlichen Schaden anrichten, ist auch eine ganzheitliche Betrachtung wichtig.
    Was nützt mir eine tolle Technik, wenn die Menschen nicht wollen mögen? Wenn Menschen motiviert sind, weil sie verspüren, eine sinnvolle Arbeit zu leisten, dann laufen sie auf effektiver Hochtour. Dort, wo der Sinn der Arbeit nicht mehr wahrgenommen wird, wie z.B. Deine Verwaltungen, läuft es auf Dienst nach Vorschrift raus. Es wird gerade so viel getan, dass man nicht auffällt.
    Bzgl. des realen Sozialismus, den Du angesprochen hast. Wir wissen doch Alle, dass das alles Andere war als das, was sich die ursprünglichen Denker dabei vorgestellt haben.

    Comment | 15 March 2011
  • mregelsberger

    Männer mögen weniger gut im Kooperieren sein, als Frauen und einen Hang zum Wettkampf haben, auch über das sinnvolle Maß hinaus (ein echter Mann dreht nie um). Aber das gängige Wirtschaftsmodell ist auch unter männlicher Führung weit vom offenen Wettbewerb entfernt, von dem uns ständig erzählt wird. Ganz im Gegenteil, wir haben eine Mischung aus Kooperation, Korruption, illegalen Absprachen, Monopol- und Kartellbildung und sicher auch ein bisschen Wettbewerb. Man braucht nur den Mobiltelephoniemarkt ansehen: da muss die EU-Kommission Höchstgrenzen für Tarife von Auslandstelephonaten vorgeben, und das sind dann auch schon die Tarife aller Anbieter. Vor der Einführung von Höchstgrenzen gab es auch keinen Preiswettbewerb, durch illegale Absprachen zwischen den Anbietern. Die Baubranche teilt sich den Markt ganz gerecht auf und macht Scheinangebote, um den Wettbewerbsregeln von öffentlichen Ausschreibungen gerecht zu werden. Der österreichische Grüne Peter Pilz hat das in einem Buch detailliert dargestellt, in den 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts und seither hat sich nichts geändert.

    Innerhalb eines Betriebs gibt es oft harte Konkurrenz, in der Frauen unterliegen oder eben mitkämpfen, um nach oben zu kommen. Da sind und werden Frauen regelmäßig benachteiligt. Die Konkurrenz zwischen Marktteilnehmern hält sich jedoch auch schon mit Männern an der Spitze sehr in Grenzen, ist oft überhaupt nur ein Märchen. Mir scheint das Problem auch nicht so sehr der Anteil oder Mangel an Konkurrenz zu sein, als die Bereitschaft von Führungskräften, Konsumenten und Natur auszubeuten. Ob das eine Frage des Geschlechts der der Selektion von Führungskräften ist (Hare, Babiak, Snakes in Suites) und ob sich das mit mehr Frauen verbessern würde, weiß ich nicht. Vielleicht würde die Wirtschaft mit mehr Frauen transparenter und besser für die Deckung der Bedürfnisse der Gesellschaft sorgen, anstatt die Gesellschaft und die Natur ausbeuten zu wollen?

    Comment | 8 February 2012
  • danke für das Posten dieses super Artikels ;
    er gehört seit langem zu meinem Standardrepertoire zum Thema: Umerziehungslager.
    Frauen sollten /NUR/ die besseren Männer werden ;-)
    Innovatoren sollten /NUR/ lieb & brav werden
    MINTler, Nerds, Geeks sollten /NUR/ die bessseren Komunikations-Genies werden
    etc. etc.

    http://ed.iiQii.de/gallery/ValueCreation/Traumschiff_shanty_chor_benthullen_harbern_de

    http://ed.iiQii.de/gallery/Querdenkerinnen/NW_natashawalter_com

    Comment | 21 August 2012

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