Oct
12
2010

Prozessoptimierung: Lenin hätte besser “Kontrolle ist manchmal notwendig, Vertrauen ist besser” propagieren sollen

Der originäre Ausspruch von Lenin, “Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser” führte dazu, dass im Kommunismus den Bürgern die intrinsische Motivation ausgetrieben wurde und die Produktions- und Innovationskraft schleichend nachließ. Nach neuesten Kenntnissen sind die Firmen führend, die eine Vertrauenskultur pflegen, in der sich die Mitarbeiter aus freien Stücken richtig reinhängen und deshalb innovativ sind (siehe auch den Post Was machen erfolgreiche Unternehmen besser? Wieso sind ihre Mitarbeiter motivierter?)

Prof. Bruno Frey von der Universität Zürich bringt in seinem Artikel Was treibt Menschen an? eine Reihe von interessanten Beispielen, wie durch extrinsische Motivation die intrinsische zerstört wird. So berichtet er: Ein Beispiel ist eine Mitarbeiterin, die bei einer dringenden Angelegenheit dazu bereit war, Überstunden zu leisten, weil sie gerne gute Arbeit leistet. Sie wird dies auch in Zukunft tun, wenn ihr Vorgesetzter seine Anerkennung etwa mit einem Blumenstrauß ausdrückt. Wird die Zusatzarbeit hingegen einfach mit Geld abgegolten, wird sie zu einer rein geschäftlichen Angelegenheit degradiert. Die Mitarbeiterin wird in Zukunft nur zu zusätzlicher Arbeit bereit sein, wenn sie dafür bezahlt wird.

Ähnlich hatte ich das schon am Beispiel der Belohnung guter Klassenarbeiten von Kindern beschrieben. Durch die Belohung lernen die Kinder nicht mehr aus Spaß und Interesse für sich sondern nur noch fürs Geld. Und diese Gewohnheit später zu ändern ist schwierig, wie im Post Sich ständig ändern zu müssen ist wider den Energiehaushalt unseres Gehirns beschrieben.

Herr Frey sieht in dem Entlohnungssystem gegen Leistung daher gerade dort ein völlig falsches Mittel, wo Leistende entweder nicht im Profitsystem stehen wie im öffentlichen Dienst oder wo sie kreativ und damit innovativ sein sollen, wie z.B. in den Universitäten.

Ob unsere Makro-Ökonomen doch nochmals von ihrem Blackbox-Denken wegkommen und auch mal in die Box reinschauen, um dort das Menscheln in ihren Simulationsmodellen mit berücksichtigen. Prof Gunther Dueck geht in seinem Buch Abschied vom HOMO OECONIMCUS – Warum wir eine neue ökonomische Vernunft brauchen mit unseren Wirtschaftsvordenkern ziemlich ins Gericht. Sie würden es unseren Firmenlenkern zu leicht machen, indem sie zu sehr auf das Verhältnis zwischen dem, was vorne rein geht und dem was hinten rauskommt schauen lassen, ohne auf das darin Menschelnde zu blicken. Ich würde mir wünschen, dass diese Ökonomen mal das Buch lesen. Vielleicht wird es ja dann mal mit unseren Aufs- und Abs in der Wirtschaft nicht mehr wie beim Achterbahnfahren sondern etwas gemütlicher.

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Written by Dr. Martin Bartonitz in: deutsch,general | Tags: , ,

5 Comments »

  • Hallo Martin,

    leider ist der “orginäre Ausspruch” von Lenin eben nicht, was Du zitiert hast. Er hat vielmehr das russische Sprichwort “Доверяй, но проверяй” benutzt, was soviel heißt wie “Vertraue, aber überprüfe”.

    Siehe auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Vertrauen_ist_gut,_Kontrolle_ist_besser!

    Viele Grüße
    Andreas

    PS: Und wenn wir schon bei den Sprachmythen sind: Dass das chinesische Wort für Krise aus den Komponenten “Risiko” und “Chance” besteht, ist auch eher Küchenphilologie.

    Siehe wiederum: http://en.wikipedia.org/wiki/Chinese_word_for_%22crisis%22

    Comment | 13 October 2010
  • Dr. Martin Bartonitz

    Hallo Andreas,
    ja, dass da was in der Übersetzung nicht so gut geklappt hat, hatte ich auch schon in Wikipedia gefunden und schon in einem meiner vorherigen Posts darauf hingewiesen.
    Leider ist er aber so negativ interepretiert worden, wenn man sich anschaut, wie die Kontrolle praktiziert wurde.
    Gruß Martin

    Comment | 13 October 2010
  • Hallo Martin,

    wo ist der Unterschied, ob ich einen Blumenstrauß oder Geld für meine gute Arbeit erhalte? Der Satz: “Die Mitarbeiterin wird in Zukunft nur zu zusätzlicher Arbeit bereit sein, wenn sie dafür bezahlt wird.” könnte dann auch lauten: “Die Mitarbeiterin wird in Zukunft nur zu zusätzlicher Arbeit bereit sein, wenn sie einen Blumenstrauß erhält.” Beides ist eine Form von Anerkennung meiner Meinung nach.

    Gruß
    Athina

    Comment | 14 October 2010
  • Dr. Martin Bartonitz

    Hallo Athina,
    der Trick ist, dass Du Dich mit Deinen Arbeitsergebnissen indirekt selbst belohnst. Deine Ergebnisse helfen Jemand anderen, der sie braucht. Erhält er diese und findet sie gut, wird er sich freuen. Die Beobachtung der Freude rührt unsere Spiegelneuronen so an, dass unser Gehirn belohnende Stoffe ausschüttet und damit ein Glücksgefühl eintritt. D.h. da wir alle glücklich sein wollen, belohnen wir uns also immer wieder indirekt durch das Beschenken anderer.
    Im Prinzip ist die Anerkennung Deiner Arbeit durch den Vorgesetzten oder die Kollegen, wie immer sie ausfallen mag, auch nichts anderes als die Bekundung der Freude über Deine Ergebnisse.
    Was aber, wenn Du keinen direkten Abnehmer Deiner Ergebnisse hast. Dann wirst Du an anderen Kriterien fest machen wollen, ob Du was gut gemacht hast, z.B. die Steigerung der Hits auf diesem Blog oder Deines Umsatzes.
    Gruß Martin

    Comment | 14 October 2010
  • Henning Emmrich

    Eine große junge amerikanische Firma gibt jedem Mitarbeiter jeden Monat 400€, die sie anderen Mitarbeiter als Belohnung für ihre besonders gute Arbeit o.ä. “schenken” können. Diesen Ansatz finde ich sehr mutig, lädt er doch geradezu zu Missbrauch ein. Aber im Echtbetrieb soll es den kaum geben. Das Ziel, Mitarbeiter zu motivieren und damit ihre Leistung zu steigern, wurde voll erreicht. Auch eine Variante der Gehaltserhöhung – und passt irgendwie ins Zeitalter der Social Media…

    P.S.: hier ist natürlich Geld im Einsatz – aber mit Blumensträußen kann man sich das irgendwie auch nicht vorstellen…

    Comment | 15 October 2010

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