Aug
17
2010

Regeln sollen schützen: Berliner Ekelliste verbessert Restaurantbetriebe

Das Smiley-System aus Dänemark ist nun Vorbild für ganz Berlin

Das Smiley-System aus Dänemark ist nun Vorbild für ganz Berlin

Nach der Lektüre des Posts Was hat denn der Bau der Berliner Kanalisation in der Mitte des 19. Jahrhunderts mit Compliance zu tun? fiel mir spontan die Berliner Ekelliste ein.

Im März 2009 prangerte das Bezirksamt Pankow die Schmutz-Restaurants im Bezirk an, indem es eine Liste von 39 Restaurants mit gravierenden Hygiene-Mängel veröffentlicht hat. Und nicht nur eine Liste mit Text, sondern auch mit Fotos mit Schimmel, Dreck und Ungeziefer.

Daraufhin gab es Proteste, auf die neben der Veröffentlichung dieser Negativ-Liste auch eine Positiv-Liste ins Netz gestellt wurde. Aus dieser Liste entstand der Versuch, Betriebe und gastronomische Einrichtungen mit überdurchschnittlicher Qualität und Hygiene mit Smileys auszuzeichnen. Neben einer Urkunde bekommen die Einrichtungen einen Aufkleber mit einem Logo an prominenter Stelle angebracht. Noch ist der Smiley ein Versuch, der auf freiwilliger Basis und in kleinem Rahmen läuft. Seinen rechtlichen Ursprung hat das Projekt in dem 2008 novellierten Verbraucherinformationsgesetz (VIG), welches verschiedene Möglichkeiten derartiger Informationen für die Verbraucherinnen und Verbraucher zulässt.

Allerdings haben sich die zuständigen Bezirksstadträte und die Senatsverwaltung für Verbraucherschutz geeinigt, überall in Berlin statt der Ekelliste das Smiley-System nach dänischem Vorbild umzusetzen. Der Prüfbericht der Lebensmittelkontrolleure wird umgehend an die Wand der kontrollierten Lokale gehängt. Und dort muss er bis zur nächsten Kontrolle hängen bleiben – für jedermann sichtbar und auch im Internet veröffentlicht.
Die Umsetzung ist aber schwierig, da momentan die Kontrolleure mit Zettelblock und Stift in die Betriebe gehen, die dänischen Kollegen dagegen mit Laptop und mobilen Drucker ausgestattet sind. Auch sind die einzelnen Bezirke mit unterschiedlicher Mitarbeiterkapazität ausgestattet. Nach Stadtrat Jens-Holger Kirchner (Grüne), der als Vorreiter vor einem Jahr das Pankower System einführte und Mitglieder der derzeitigen Arbeitsgruppe ist, kann das System frühestens 2011 eingeführt werden – der Mangel der beschriebenen Ressourcen sowie einige rechtliche Fragen sind noch zu klären.

Übrigens müssen in Deutschland die Ergebnisse der amtlichen Lebensmittelkontrolle nicht automatisch veröffentlicht werden – allerdings sollte doch jede/r die Ergebnisse der Kontrollen erhalten und erfahren, ob seine Kantine, sein Lieblingsrestaurant, der Schnellimbiss, der Bäcker oder Fleischer an der Ecke sauber arbeitet!

Und was hat nun das Smiley-System mit Compliance zu tun? Nun, letztendlich sind diese Smileys nichts anderes als Punkte oder Noten. Unsere Kinder bekommen Smileys in den ersten Schuljahren anstelle von Zensuren. Smileys wirken freundlicher als harte Fakten und Zahlen, sind aber trotzdem ein Indikator für eine Leistung. Sozusagen ein Compliance Management System, welches Transparenz schafft, die Mitspieler (in diesem Fall die Betreiber) auffordert, sich an (ethische) Spielregeln zu halten und die Verbraucher darin bestärkt, seiner Lieblingslokalität zu vertrauen und diese mit gutem Gewissen und ohne gesundheitliche Folgen besuchen zu können. Ich hoffe, das das Modell nicht nur in Berlin, sondern weit über die Grenzen hinaus umgesetzt wird. Ein einfaches Konzept und für jedermann verständlich. Ähnlich wie die Nährwert-Ampel für Lebensmittel – aber das ist ein anderes Thema…

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Written by Katrin Kampf in: deutsch,general,language | Tags: ,

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