May
01
2010

Sei kein Frosch, sei compliant – für gute Lebens- und Arbeitsbedingungen auf Plantagen und eine nachhaltige Landwirtschaft

Zertifikat der Rainforest Alliance

Zertifikat der Rainforest Alliance

An diesem Wochenende habe ich mich umgeschaut, wo mit Compliance in den Discounter-Flyern, die wir am Wochenende ohne Ende in unseren Briefkästen vorfinden, geworben wird. Ich dachte mir, dass sich hier vielleicht ein Maß an Durchdringung von Regeleinhaltungen erkennen lässt. Und ich habe gestaunt. Es hat sich mittlerweile doch ziemlich viel Gutes getan.

Das mir neueste Zertifikat ist das der Rainforest Alliance. Durch die Zertifizierung (rund 100 Kriterien) wird gewährleistet, dass auch die forstwirtschaftliche Nutzung nachhaltig ausgerichtet ist und somit zum Erhalt der Artenvielfalt beiträgt und natürliche Ressourcen bestmöglich schützt sowie den örtlichen Gemeinden ein Auskommen sichert. Verbraucher unterstützen durch den Einkauf von Produkten mit diesen Siegeln den Umweltschutz und fördern eine auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Erzeugung.

Gefunden hatte ich das Zertifikat im Prospekt von Kaiser´s für Chiquitas Bananen. Beim Googeln habe ich noch entdeckt, dass auch McDonald´s inzwischen nur noch Kaffee von entsprechend zertifizierten Produzenten verwendet. Aber auch die Plantagen-relevanten Produkte von Tchibo, Kraft Foods und Nestlé sind danach zertifiziert.

Fairtrade Zertifikat

FAIRTRADE Zertifikat

In dem gleichen Prospekt von Kaiser´s habe ich noch das Zertifikat FAIRTRADE des TransFair e.V.  für Kaffee, Tee, Säfte, Honig und eine Nougat Creme gefunden. Fairtrade ist eine Strategie zur Armutsbekämpfung. Durch gerechtere Handelsbeziehungen soll die Situation der benachteiligten Produzentenfamilien in Afrika, Asien und Südamerika verbessert, die Binnenwirtschaft gestärkt und langfristig ungerechte Weltwirtschaftsstrukturen abgebaut werden.

Dass wir Kunden uns immer mehr fragen, woher die billigen Waren kommen und was wir mit ihrem Kauf verursachen, lässt sich daran erkennen, dass im 6. Jahr hintereinander der Umsatz von FAIRTRADE-Produkten stark gesteigert werden konnten, zuletzt in 2009 um 26%. Inzwischen werben sogar Städte damit, eine FAIRTRADE Town zu sein. Um den Titel für 2 Jahre führen zu können, müssen 5 Kriterien erfüllt sein.

Deutsches Bio-Siegel

Deutsches Bio-Siegel

Europäisches Bio-Siegel

Europäisches Bio-Siegel

Eine ähnliche Sicherheit, ökologisch angebaute Waren zu kaufen, ist das deutsche Bio-Siegel. Dieses soll noch in 2010 durch ein Europa-Siegel ersetzt werden. Auf der Web-Site wird die Zahl von 3.507 Unternehmen genannt, die das Bio-Siegel auf 57.337 Produkten (Stand: 31. März 2010) nutzen dürfen. Neben der artgerechten Haltung von “glücklichen” Tieren,  dürfen u.a. mit dem Siegel gekennzeichnete Lebensmittel

  • nicht zur Konservierung radioaktiv bestrahlt werden,
  • nicht durch und mit gentechnisch veränderte/n Organismen erzeugt werden,
  • nicht mit Einsatz von synthetischen Pflanzenschutzmitteln und
  • nicht mit Hilfe von leicht löslichen mineralischen Düngern erzeugt werden,
  • jedoch bis zu 5 % konventionell erzeugte Bestandteile enthalten – das aber nur auf in der Verordnung im Anhang VI c gelistete Rohstoffe begrenzt
GoodWeave Siegel

GoodWeave Siegel

Ein weiteres neues Siegel ist eines, das Teppiche auszeichnet, die von Erwachsenen geknüpft wurden. Hier geht es um den Schutz von Kindern, die gerade in Ländern wie Indien und Nepal für das Teppichknüpfen missbraucht werden. Die Ächtung von Kinderarbeit ist in vielen Compliance Management Programmen der großen Firmen explizit zu finden.  Es ist auch in Deutschland noch nicht so lange her, dass Kinder zur Arbeit ausgenutzt wurden, wie man schnell im Wikpidia-Artikel “Geschichte der Kinderarbeit” nachlesen kann, so dass als wichtigste Ursache für Kinderarbeit die Armut der Eltern angeführt wurde. So ergab die Auswertung umfangreicher Daten über Privathaushalte in Entwicklungsländern, dass die meisten Eltern ihre Kinder niemals zur Arbeit schicken würden, wenn sie nicht äußerste Not dazu zwingen würde. Die Kinderarbeit führt umgekehrt aber auch zu einem erhöhten Angebot an billigen Arbeitskräften und damit zu niedrigen Löhnen. Die Kinderarbeit ist also auch eine Ursache für die Elternarmut.

Und auch hier ist erkennbar: es nützt besonders auch den Herrschenden, wenn Regeln zu Gunsten der Bürger aufgestellt werden.  Durch die Industrialisierung wurden im 18. und 19. Jahrhundert immer mehr Kinder schon ab 4 und 6 Jahre in Fabriken zu Schwerstarbeit angeheuert.  Das Resultat war, dass u.a. in Preußen kaum noch gesunde Jugendliche für den Wehrdienst eingezogen werden konnten. Daher wurde in der Gewerbeordnung für den Norddeutschen Bund 1869 der § 128 zum Schutz der Kinder erlassen:

“Kinder unter zwölf Jahren dürfen in Fabriken zu einer regelmäßigen Beschäftigung nicht angenommen werden. Vor vollendetem vierzehnten Lebensjahre dürfen Kinder in Fabriken nur dann beschäftigt werden, wenn sie täglich einen mindestens dreistündigen Schulunterricht in einer von der höheren Verwaltungsbehörde genehmigten Schule erhalten. Ihre Beschäftigung darf sechs Stunden täglich nicht übersteigen. Junge Leute, welche das vierzehnte Lebensjahr zurückgelegt haben, dürfen vor vollendetem sechszehnten Lebensjahre in Fabriken nicht über zehn Stunden täglich beschäftigt werden. Auch für diese jugendlichen Arbeiter kann durch die Centralbehörde die zulässige Arbeitsdauer bis auf sechs Stunden täglich für den Fall eingeschränkt werden, daß dieselben nach den besonderen in einzelnen Theilen des Bundesgebietes bestehenden Schuleinrichtungen noch im schulpflichtigen Alter sich befinden.”

Siegel des Forest Stewardship Council

Siegel des Forest Stewardship Council

Im Prospekt von Knauber habe ich das Siegel des Forest Stewardship Councils gefunden. Der FSC wurde 1993 in Folge des Umweltgipfels von Rio ins Leben gerufen. Der FSC ist eine nichtstaatliche, gemeinnützige Organisation, die sich für eine umweltgerechte, sozialverträgliche und ökonomisch tragfähige Nutzung der Wälder unserer Erde einsetzt. Die Organisation wird weltweit von Umweltorganisationen, Gewerkschaften, Interessensvertretern indigener Völker, sowie zahlreichen Unternehmen aus der Forst- und Holzwirtschaft unterstützt. Der FSC ist für jedermann offen, der ein Interesse an den Wäldern dieser Welt hat. Ziel des FSC ist es, einen Beitrag zur Verbesserung der Waldbewirtschaftung weltweit zu leisten. Der FSC versteht sich hierbei als Plattform, auf der Vertreter mit unterschiedlichen Interessen am Wald zusammenkommen und einen Konsens über verantwortungsvolle Waldwirtschaft finden können. Aus diesem Konsens werden Bewirtschaftungsstandards entwickelt und Mechanismen für die Vermarktung von entsprechend erzeugten Waldprodukten abgeleitet.

Dass hier dringend etwas getan werden muss, speziell im Kontext des Klimawandels zeigen diese beeindruckenden Zahlen. Es wird immer noch jährlich eine Waldfläche so groß wie Griechenland gerodet, größtenteils ohne Wiederaufforstung. Durch diese Waldzerstörung gelangen rund eine halbe Milliarde Tonnen Kohlendioxid aus den natürlichen Speichern in die Atmosphäre. Da wirken die 500 Millionen Tonnen, die die Bundesregierung bis 2020 jährlich einsparen will, eher kläglich.

Die Zunahme von zertifizierten Produkten stimmt mich aber für eine zukünftig bessere Dritte Welt optimistisch. Das kann aber nur klappen, wenn wir uns darüber bewusst werden, dass sich unser Wohlstand auf günstigen Waren gründet, die ausbeuterisch erstellt wurden. Und da kommen wir auf einen weiteren Begriff, unser Gewissen. Zwar ist der Begriff “Gewissen” in keinerlei Gesetz in Deutschland zu finden und daher schwer zu definieren.

Immerhin hat unsere schlechte Erfahrung mit dem Dritten Reich dazu geführt, dass die Väter und Mütter unseres Grundgesetzes im Artikel 4 unser Gewissen besonders schützt. Die drei Absätze lauten daher:

  1. Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.
  2. Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet
  3. Niemand darf gegen sein Gewissen zum Kriegsdienst gezwungen werden

Unser Gewissen hilft uns demnach, ein persönliches Wertesystem von Gut und Böse aufzubauen. Die Kunst des Compliance Management in den Unternehmen ist es daher, die Mitarbeiter in Bezug für die in ihrem Bereich relevanten Gesetze und Regeln so zu sensibilisieren, dass ihr Gewissen Alarm schlägt, wenn ein Konflikt vorliegt.

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Written by Dr. Martin Bartonitz in: deutsch,general,language | Tags: ,

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