Jul
27
2010

Suchen Sie noch nach Wissen oder transferieren sie schon? Wie etabliere ich eine Wissenskultur?

Wie schon in mehreren Beiträgen diskutiert, profitieren unsere Unternehmen vom Wissen unserer Experten (z.B. Auf Ihr Wissen ist wohl auch weiterhin NICHT zu verzichten: Business Experten, Designer, Software-Architekten, Ärzte, …). Noch besser profitieren Firmen, deren Experten untereinander gut vernetzt sind.  Und noch besser funktioniert es dort, wo eine Kultur des Wissenstransfers gepflegt wird.

Jeder Experte, ob Arzt, Architekt, Support-Mitarbeiter oder Software-Entwickler, wird auf neue Probleme während seiner täglichen Arbeit stoßen. Hat er ein Problem gelöst und ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass das Problem in Kürze bei einem Kollegen auftritt, dann wird der Motivierte die Lösung für die anderen Experten im vorhandenen Informationssystem hinterlegen. Wenn Alle mitmachen, reduzieren sich offensichtlich die Zeiten für die Lösungsgenerierung. Und genau hier hapert es meist. Nur ein Werkzeug zum Austausch von Informationen zur Verfügung zu stellen, heißt noch lange nicht, dass die Experten ihr Wissen auch Preis geben. Häufig verhindert die Firmenkultur den Wissenstransfer und muss erst in die richtige Richtung gebracht werden.

Die Autoren Prof. Dr. Marion A. Weissenberger-Eibl und Dr. Patrick Spieth listen in ihrem Artikel „Wissensorientierte Unternehmenskultur“ in der Zeitschrift für Organisation und Führung 6/2009 weitere Autoren auf, die anerkannte Aussagen zu den Voraussetzungen für eine Wissenskultur getroffen haben. So sagt V. Allee, dass es eine Vertrauensklima braucht und ein offenes Umfeld, in dem konstantes Lernen und Experimentieren sehr wertgeschätzt werden. B. Sollberger sieht acht Werte, die erfüllt sein müssen: Vertrauen, Zusammenarbeit, Offenheit, Autonomie, Lernbereitschaft, Fürsorge, Fehlertoleranz und konstruktiver Umgang mit Macht (siehe dazu auch Lassen sich Geschäftsprozesse besser verbessern, wenn man die Mitarbeiter mehr motiviert?). Eine wissensfreundliche Unternehmenskultur zeige sich darin,

  • das Wissen gern und hierarchieübergreifend geteilt und nicht lieber gehütet wird,
  • dass Wissen zugänglich und als wichtig für den Unternehemenserfolg verstanden wird,
  • das das Unternehmen eine Kultur hat, die das Entstehen, den Austqausch und das Anwenden von Wissen fördert

Für die Implementierung einer Wissensmanagemenkultur empfehlen die Autoren ein Vorgehen in vier Schritten:

  • Bestimmung des Ist-Zustands der Unternehmenskultur und der Wissensstände
  • Konzeptionalisierung einer wissensfreundlichen Unternehmenskultur
  • Formulierung der Wissensbedarfe
  • Einführung von Wissenstransferprozessen und Verankern der wissensfreundlichen Unternehmenskultur

Erfolgreich sei der Wissenstransfer, wenn es dem Empfänger ermöglicht, vorhandenes Wissen je nach Ausprägung der Dimensionen der Unternehmenskultur wiederverwenden zu können. Unterschieden werden die sieben Dimensionen Innovationsorientierung, Stabilitätsorientierung, Respektieren von Mitarbeitern, Ergebnisorientierung, Detailorientierung, Teamorientierung und Aggressivitätsorientierung.

Das Entstehen neuen Wissens erfolgt, entweder durch Sozialisierung. Hierbei wird beobachtet, nachgeahmt und nach Bedarf abgewandelt. Das ist ein Prozess, der überall abläuft. Oder alternativ über den schwierigeren Weg, das internalisierte Wissen eines Experten durch ihn selbst zu externalisieren. Dies erfolgt in niedergeschriebenen Beispielen, Analogien oder Modellen. Neues Wissen entsteht durch Kombination von internalisiertem Wissen. D.h. erst wenn das externalisierte Wissen, das in Informationspools gefunden, auch wieder verstanden wurde, kann durch Kombination schon internalisierten Wissens neue Zusammenhänger erkannt werden.

Wer unseren Blog schon länger verfolgt hat, konnte in vielen Beiträgen erkennen, wie das Wissen in älteren Posts wieder aufgegriffen und unter einem neuen Blickwinkel weiter diskutiert wurde. Dies ist ein gutes Beispiel der Generierung neuen Wissens durch den jeweiligen Autor.

Und es werden zum Abschluss noch zwei wichtige Hinweise gegeben:

  • Versuchen Sie nicht, die Firmenkultur komplett umzustülpen sondern beginnen sie mit kleinen Änderungen, und gehen Sie mit diesen Erfolgen die nächsten Änderungen an, denn
  • der Umbau hin zu einer funktionierenden Wissenskultur ist ein langer Prozess und braucht seine Zeit

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Written by Dr. Martin Bartonitz in: deutsch,general,language | Tags:

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