Nov
20
2010

Über die Bedeutung von BPMN als Brücke zwischen Organisation und IT

Jakob Freund, BPM-Berater und Mit-Autor des empfehlenswerten BPMN Praxishandbuchs, wurde auf der diesjährigen  W-JAX zum Standard für die Geschäftsprozessmodellierung befragt. Er führt in dem folgenden Interview aus, welche Vorteile sich mit der kurz vor der Freigabe stehenden Version 2.0  der BPMN – Business Process Model and Notation – bieten.

Wir haben seit Anfang des Jahres frühzeitig mit der Übernahme der neuen XML-basierten Serialisierung, sprich dem Speicherformat der BPMN 2.0, begonnen. Mit der am letzten Montag freigegebenen neuen SAPERION Version  7 steht neben der BPMN-Modellierung mit dem eigenen ProcessDesigner nun auch eine Integration mit dem BPMN-basierten Process Editor von Signavio zur Verfügung.

Und da der Standard noch ein paar Dinge bzgl. der Prozessausführung vermissen lässt, haben wir auf Basis der gemachten Integrationserfahrungen auch schon die ersten Wünschen an die Nachfolgeversion BPMN 2.1 formuliert: Wishes to BPMN 2.1 in respect to execution

Zu den Wünschen gehören neben der Bestimmung der Aufgaben-ausführenden Rollen  mit der Verlinkung zu einem Organisationsmodell (siehe OMG mit OSM) besonders Elementattribute, die den Anwender während seiner Sachbearbeitung unterstützen. So sollte es schon während der Modellierung möglich sein,

  • Kontextmenüs zu einer Aufgabe zu hinterlegen, über die der Anwender zur Laufzeit die alternativen , nachfolgenden Aufgaben auszuwählen
  • das Verhalten zur Verteilung einer Aufgabe in eine Gruppe zu bestimmen, z.B. Round Robin, nach Last oder dass die Guppenmitglieder sich selbst aus dem Gruppenkorb bedienen sollen
  • festzulegen, ob bei einem wiederholten Erreichen einer Aufgabe, die an eine Gruppe gehen sollte, der vorherige Bearbeiter der Aufgabe wieder adressiert werden soll
  • ob der Bearbeiter der aktuellen Aufgabe den Empfänder der nächsten Aaufgabe selbst bestimmen soll
  • ob beim Weiterleiten zur nächsten Aufgabe noch eine Begründung eingegeben werden soll, die dann zu Auditzwecken historisiert wird
  • ob beim Weiterleiten zur nächsten Aufgabe zur Sicherheit nochmals das Passwort des Anwenders abgefragt werden soll
  • und wie bei Aufgaben, die zwecks Abstimmung an mehrere Empfänger gehen die Entscheidung, zu welcher der nachfolgenden Aufgaben weitergeleitet wird erfolgen soll, z.B. nach einfacher Mehrheit oder sobald eine bestimmte Anzahl Weiterleitung erreicht ist
  • Aufgaben, die von einem Benutzer hintereinander ausgeführt werden zu einer technischen zu bündeln, so dass der Anwender nicht nach jeder Beendigung einer Aufgabe dies der Workflow Engine bestätigen muss
  • Funktionen, die zu der aktuellen Aufgabe durch den Empfänger ausgeführt werden können sollen, festzulegen, wie z.B. das Delegieren an einen Kollegen, das Anzeigen des Prozessmodells mit Markierung der aktuellen Aktivität oder das Anzeigen der Fallhistorie

Wie man sieht, bleibt noch etwas Arbeit für das Standardisierungsgremium bei der Object Management Group (OMG) speziell für die Ausführung im Kontext von Benutzeraufgaben übrig. Bisher haben wir diese nützlichen, noch in der BPMN 2.0 fehlenden Attribute sozusagen proprietär zur Verfügung gestellt, damit der Anwender sie schon heute nutzen kann. Und dies auch im Kontext der Integration mit Signavio.

Dies ist mein 200ster Beitrag auf diesem Blog :-)

Ergänzung vom 24.11.2010:

Wir haben es heute in die BPMN Supporter Liste der Object Management Group – OMG – geschaft. Die OMG ist der Hort, an dem die Spezifikation des Standards für die grafische Darstellung für Geschäftsprozesse, die Business Process Model and Notation – BPMN – erarbeitet wird.

Wie an der Liste leicht zu erkennen ist, befinden wir uns nun in guter Gesellschaft bekannter Hersteller von Modellierungswerkzeugen als auch BPM Suiten. Wir sind hier bisher der einzige ECM Hersteller, der sich geoutet hat.

Die Liste: OMG – BPMN Implementors And Quotes

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Written by Dr. Martin Bartonitz in: deutsch,general | Tags: , ,

2 Comments »

  • Dr. Martin Bartonitz

    Ich habe gerade eine interessante Dikussion auf dem Gartner-Blog gefunden, bei der zwei sehr konträre Meinungen zum Nutzen der BPMN durch die Business User geäußert werden.
    Jim Sinur, VP Researcher, hat getitelt: BPMN for Business Professionals: Burn Baby Burn
    Er vertritt das eine Lager, dass die PBMN als zu komplex bezeichnet. Besonders, wenn auch die IT-Engineers ihre Attribute zur Ausführung der Prozesse ergänzt haben. Jim ist der Meinung, dass es für die Business User was einfacheres geben muss, ohne Alternativen aufzuzeigen.
    Das andere Lager vertritt die Ansicht, dass ohne eine gemeinsame Basis der Sprache, es wenig möglich ist, über Prozesse zu sprechen.
    Eine Analogie dazu ist interessant: Ein Orchester auf ein Konzert vorzubereiten bedeuten enorme Arbeit. Diese wäre aber sehr viel aufwändiger, wenn man sich nicht auf die gemeinsame Sprache der Noten einigen kann. Und das weltweit.
    Ich würde das sogar noch vereinfache. Wir alle lernen die Grundregeln der Mathematik in der Schule. Wie viel schwerer hätten wir es im Business, wenn wir uns nicht darauf verlassen könnten, wie eine Rechnung zu lesen ist?
    Ich sehe wie Jakob das große Potential der BPMN, wenn es schon während des Studiums, gegebenfalls schon in der Schule gelernt wird. So wird egal aus welchem Land kommend, jeder den in BPMN modelliert Prozess lesen und verstehen können. Was die Basis ist, um gemeinsam die auf kritischsten Painpoints zeigen zu können. Und hierfür gemeinsam eine Optimierung herbeizuführen.

    Comment | 21 November 2010
  • [...] This post was mentioned on Twitter by Gerd Betz, BPM-Vision. BPM-Vision said: Über die Bedeutung von #BPMN als Brücke zwischen Organisation und #IT – http://ht.ly/3duXx [...]

    Pingback | 23 November 2010

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