Jul
04
2011

Übung macht den Manager

Manchmal schafft man es auch mit kleinen Kommentaren zu Blog-Artikeln in ein angesehenes  Business-Magazin. Mir gerade passiert im Harvard Business manager – Das Wissen der Besten, Ausgabe Juli 2011 – Seite 102 (Print).

Lutz Becker hatte auf dem Blog des Magazins getitelt: Übung macht den Meister, und der Abstract lautet:

Viele Führungskräfte unterschätzen, wie wichtig Intuition und ein breites Repertoire an Fähigkeiten sind, um ein Unternehmen erfolgreich zu steuern. Doch diese Kompetenzen entwickeln sich nicht von selbst, was eine neue Generation von Managern erkannt hat.

Herr Becker erklärte am Beispiel von Segelregattern, dass nur durch viel Erfahrung eine Meisterschaft zu erreichen ist. Es braucht ein gewisses Repertoir an Handlungsmustern, um schnell auf neue Situtationen reagieren zu können:

Viele Manager wünschen sich sicherlich, die Komplexität ihrer Umwelt komplett kontrollieren zu können. Das ist Illusion und wird immer Illusion bleiben. Wie Segler brauchen Führungskräfte ein Repertoire – also eine Vielzahl an Methoden, Kenntnissen oder Erfahrungen – das sie je nach Situation abrufen können. Zum einen ein Repertoire eigener Fähigkeiten, zum anderen ein organisatorisches Repertoire: Fähigkeiten, die in der Organisation angesiedelt sind und sich dort bei Bedarf abrufen lassen. So etwas, erfolgreiche Sportler wissen das genauso wie gute Musiker, fällt nicht vom Himmel, sondern müssen sie durch Lernen und Üben hart erarbeiten.

Hier hatte mich die Beherrschbarkeit Komplexität angesprochen. Und da ich gerade das Buch FeelIt! So viel Intuition verträgt Ihr Unternehmen von Dr. Zeuch gelesen hatte, konnte ich mir nicht verkneifen, auf einen weiteren Sachverhalt hinzuweisen:

Ich bin mir sicher, dass es aufgrund der immer stärker zunehmenden Komplexität und der Menge an notwendigem Wissen nicht mehr den einzelnen Experten gibt, der allein entscheiden wird. Der Manager wird sein Team moderieren und gemeinsam mit den Teammitgliedern an den Entscheidungen arbeiten. Das Expertenwissen wird verteilt sein und der Manager quasi auf Augenhöhe nach Lösungen suchen. Ganz besonders ist das schon dort zu beobachten, wo kreativ gearbeitet wird. Die Schwarmintelligenz wird immer wichtiger. Nicht nur in den Firmen, sondern auch in der Gesellschaft.

Auch Prof. Kruse formuliert sehr deutlich, dass es immer mehr auf das Team als auch Intuition ankommt, neue Herausforderungen zu meistern:

Das Video hatte ich hier das erste Mal genutzt: Unsere Welt wird immer komplexer. Laut Prof. Peter Kruse hilft als Strategie bald nur noch die Intuition des Teams

Interessant ist noch der Titel, der für die Veröffentlichung meines Kommentars gewählt wurde: ENDE DER HIERARCHIE

Mein Kollege Daniel Manzke hatte mir am Freitag noch ein Bild zum Schmunzeln gemailt und darin festgehalten, wie meine Vorstellungen von einem besseren Funktionieren von Business mit weniger Hierarchien aussieht. Dass ich hier nicht allein stehe, hat auch die Keynote auf der diesjährigen BPM Summit von Gartner in London gezeigt, denn auch hier wurde formuliert:

Bringen sie die Verantwortung für Entscheidungen dorthin, wo die Arbeit stattfindet.

Hierarchien in der Business-Welt

Hierarchien in der Business-Welt

Post to Twitter Post to Delicious Post to Digg Post to Facebook Post to MySpace

Download PDF
Written by Dr. Martin Bartonitz in: company,deutsch,process management | Tags: , , ,

3 Comments »

  • Ein weiterer Kommentar kam von Ralf Georgi:
    Kein Zweifel: Intuition als heuristisches Instrument des Managements ist vielerorts noch nicht einmal ansatzweise implementiert. Das mag auch der Tatsache geschuldet sein, dass Intuition als emotionale Eigenschaft/Fähigkeit betrachtet wird.
    Ich verstehe Intuition als implizites Handlungswissen, das sich in vier Phasen aktiviert – der bewussten Auseinandersetzung mit einem Thema (Präparation), einer zum Teil bewussten, einer zum Teil unbewussten Verarbeitung der Situation (Inkubation), dem Einfall (Illumination) und dem Lösungs-Check (Verifikation). Dieser Ansatz ist zumindest ein wesentlicher Baustein in meinem Coachingmodell. Das Thema Intuition wird damit aus kognitiver Perspektive „barrierefrei“. Vorteil: Auch rational geprägtere Persönlichkeiten können dann ausgezeichnet an ihrer Intuition arbeiten, weil der Begriff das sogenannte „Bauchgefühl“ entmystifiziert.

    Comment | 4 July 2011
  • Hiernoch die Antwort von Lutz Becker auf meinen Kommentar:
    Antwort von Lutz Becker In wissensbasierten Umgebungen werden wir uns von Hierarchien verabschieden und in Richtung auf (flexible) Rollenmodelle bewegen müssen (man denke an das Modell der  Projectbased Enterprise“ oder „Projektfirma“). Dazu müssen aber unterschiedlich hohe kulturelle Hürden überwunden werden. Diese Hürden sind etwa in norwegischen Unternehmen aufgrund der Gesellschaftsstruktur eher gering. In anderen Gesellschaften, ich denke
    etwa an Frankreich, Italien oder China, ist das deutlich schwieriger (siehe dazu auch die etwas in die Jahre gekommene Arbeit von Geert Hofstede).
    Der mög liche Abschied von der Hierarchie ist übrigens nicht mit dem Abschied von Macht und Machtspielen gleich zusetzen. Die Frage der Macht unterscheidet uns von Schwärmen im Tierreich. Es ist nicht nur,  dass uns ein Äquivalent zum Seitenorgan fehlt, wir haben aus unserer Forschung auch gewisse Hinweise, dass sich Macht und das, was wir gemeinhin als Schwarmintelligenz bezeichnen, de facto konterkarieren.

    Comment | 4 July 2011
  • Hiernoch die Antwort von Lutz Becker auf meinen Kommentar:
    Antwort von Lutz Becker In wissensbasierten Umgebungen werden wir uns von Hierarchien verabschieden und in Richtung auf (flexible) Rollenmodelle bewegen müssen (man denke an das Modell der  Projectbased Enterprise“ oder „Projektfirma“). Dazu müssen aber unterschiedlich hohe kulturelle Hürden überwunden werden. Diese Hürden sind etwa in norwegischen Unternehmen aufgrund der Gesellschaftsstruktur eher gering. In anderen Gesellschaften, ich denke
    etwa an Frankreich, Italien oder China, ist das deutlich schwieriger (siehe dazu auch die etwas in die Jahre gekommene Arbeit von Geert Hofstede).
    Der mög liche Abschied von der Hierarchie ist übrigens nicht mit dem Abschied von Macht und Machtspielen gleich zusetzen. Die Frage der Macht unterscheidet uns von Schwärmen im Tierreich. Es ist nicht nur,  dass uns ein Äquivalent zum Seitenorgan fehlt, wir haben aus unserer Forschung auch gewisse Hinweise, dass sich Macht und das, was wir gemeinhin als Schwarmintelligenz bezeichnen, de facto konterkarieren.

    Comment | 4 July 2011

RSS feed for comments on this post. TrackBack URL

Leave a comment


+ eight = 15

Theme: TheBuckmaker.com Web Templates | Bankwechsel Umschuldung, Iplexx IT Solutions