Sep
16
2010

Und es gibt doch Hoffnung, wie auf BITCOM´s KnowTech 2010 zu erfahren war

Gewusst? Als Deutscher ist das zwischen meinen Ohren mein persönliches Wissenskapital. Dagegen gehört das, was ich während meiner Arbeitszeit niedergeschrieben habe, der Firma, in der ich beschäftigt bin.

Da dies so ist, hält sich in Deutschland in vielen Firmen noch die Kultur des Wissenshortens. Aber auf der diesjährigen KnowTech mit über 400 Teilnehmenr konnte ich mir eine Reihe von Vorträgen anhören, die zeigten, wie man erfolgreich Wissen managen kann. Diesen Erfolg haben mir in vielen Gesprächen auch Personen bestätigt, die in ihren Firmen die Rollen des Knowlegde Managers wahrnehmen.

Dass die Externalisierung von Wissen immer wichtiger wird, hören wir mittlerweile täglich. Alte Mitarbeiter gehen nun verstärkt in Rente und nehmen ihre Erfahrung mit. Aber auch die Fluktuation von Mitgliedern in Projekteams macht zu schaffen, wenn sie nicht kontinuierlich ihre Beiträge in ECMS, DMS, WMS, Wikis, Blogs oder anderen Content Management Systemen hinterlegen.

Allen Beiträgen war gemein, dass Wissensmanagement nur auf Vertrauensbasis funktioniert. Wenn ich als Gebender keine Angst haben muss, dass mein Wissen von Anderen missbraucht sondern zum Vorteil der Firma verwendet wird, dann wird das Firmenziel auch zu meinem Ziel, denn es kann ja nur gut sein. Und wenn das auch mein Ziel ist, bin ich intrinsisch motiviert, meinen Beitrag zu leisten. Und auch das war spannend, hatte ich doch das Thema der negativen Aspekte von extrinsischer Motivation schon ordentlich gestresst. Die zweite Keynote zu Beginn befasste sich genau mit diesem Thema und empfahl zudem die Lektüre von Dan Pinks Buch (siehe auch den Blog Dan Pink sagt: Belohnungen machen das Business langsamer …).

Die Firma Detecon hatte eine interessante Strategie zur Einführung. Das System war schon produktiv und die Early Adopter waren auch schon aktiv. Aber man hatte den Start nicht offiziell angekündigt. Sie hatten auf den Flurfunk gesetzt und damit vollen Erfolg. Es hatten sich dann schnell 80% der Mitarbeiter registriert und inzwischen sind auch schon 14% aktiv (siehe auch Keine Lust zur geselligen …), sprich schreiben eigene Beiträge oder kommentieren. Zudem wurden weitere Anwendungen auf die Plattform gebracht.

Ein weiteres Aha war, dass die E-Mail im Kontext von Projektarbeiten zunehmend verteufelt wird. Sie solle nur noch als Ersatz von Geschäftsbriefen genutzt werden. Ansonsten sollten die Projektinhalte in Web 2.0 Anwendungen wie Wikis, Blogs oder Microblogs abgelegt werden. Gerade in letzterem Fall könnten aktiv auf neuen Informationen hingewiesen werden. Bemängelt würde, dass das E-Mail-System ein Informationsgrab sei, weil man an Dokument, die nur in persönlichen E-Mail-Körben lägen nicht mehr heran kommt. Wir selbst empfehlen ja hier zunehmend ein E-Mail-Management, das dafür sorgt, die notwendigen Informationen in die auf SAPERION basierenden Akten abzulegen. So sind die Daten auffindbar und Wissentransfer möglich.

Ein Vortrag beschäftigte sich mit Innovation. Innovation sei die Fähigkeit, Trampelpfade verlassen zu können (siehe auch Post Blick über den Tellerand oder “Das tote Pferd”) und zu verzweigen. Gerade Teams mit unterschiedlichen Charakteren und kulturellen Hintergründen, wo zum Beispielen das Denken in ordnenden Strukturen und das in künstelrischem Chaos aufeinander prallen, sind besonders fruchtbar.

Innovative Team mit sehr unterschiedlichen Charakteren

Beispiel eines innovativen Teams mit sehr unterschiedlichen Charakteren

Quelle: Bild Online

Das Highlight war für mich eine Präsentation, wie agiles Wissensmangement funktioniert. Besser war nicht mehr zu dokumentieren, wie gut SCRUM auch außerhalb von Software-Entwicklung funktioniert und warum das viel besser geht als bei patriarchaisch geführtne Teams. Die beiden Vortragenden bildeten das SCRUM Team während der Präsentation und zeigten am Ablauf des Vortrags, wie das Story Board mit Pin-Wand funktioniert. Mittlerweile arbeitet nicht nur das Wissensmanagement Team via SCRUM sondern 18 weitere Teams  in einem weltweit operierenden Unternehmen in der Automobilzuliefererbranchen.

Was war für sie die Vortragenden die besondere Mehrwert:

  1. Das Team bestimmt selbst, was sie aus der Menge der Lieferprodukte aus dem priorisierten Backlogs des Product Owner nach einer Iteration abliefern will. Und da sie hier selbstbestimmt sind, halten sie ihre Zusagen und wollen beim nächsten Mal noch besser werden (siehe intrinsische Motivation von oben)
  2. In der Dauer der Iteration gibt es keine Störung mehr. Wenn doch mal was Anderes gemacht werden muss, wird die anfangs zugesagte Menge neu justiert.
  3. Während der Iteration ist mittels des Story Boards immer transparent, was getan worden ist, woran man gerade ist und was noch aussteht.
  4. Der Wissenstransfer erfolgt sowohl im Team täglich im 10-15 minütigen Stand-Up meeting, sowie im Review Meeting am Ende eines Sprints.
  5. Den höchsten Benefit wird in der Retrospective gesehen. Nach der Iteration setzten sich alle Rollen im SCRUM zusammen und schreiben auf, was besonders gut lief -> Bestätigung der intrinsischen Motivation. Danach wird aufgeschrieben, was beim nächsten Mal wie besser gemacht werden soll. So entsteht ein selbstlernendes Team!

Der Product Owner trägt nach wie vor die Verantwortung, das am Ende zum Kunden gelangt, und dass Zeit und Budget eingehalten wird. Er muss von Iteration zu Iteration schauen, was als nächsten vom Team angegangen werden soll und falls zu erkenn ist, dass das Team mit der Zeit vermutlich nicht auskommen wird, ist es seine Aufgabe, weiteres Personal und Budget zu beschaffen oder mit dem Kunden zu klären, auf welche Lieferkomponente verzichtet werden kann. Da dies eine sehr verantwortungsvolle Tätigkeit sei, wird sie auch entsprechend entlohnt. Aber sein Einfluss auf das Team während der Iteration ist maximal zu helfen, wenn was klemmt. Aber auch dafür ist der SCRUM Master da, der das Team vor äußeren Einflüssen schützt und bei auftretenden Problemen für entsprechende Lösungen sorgt.

SAPERION hatte zur Entwicklung der aktuellen Version 6 vor fast 3 Jahren auch SCRUM eingeführt und damit eine entsprechend viel bessere Produktqualität erreicht.

Und noch einer zum Abschluss: Warum ist Apple so erfoglreich? Es werden keine Kompromisse in Qualität und Usability gemacht, so ein weiterer Redner.

Es gibt so viele gute Beispiele, wie Innovation und Team Performance klappt. Man muss nur wie oben schon gesagt mal über den Tellerrand schauen und vom Trampelpfad verzweigen …

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Written by Dr. Martin Bartonitz in: deutsch,general | Tags: , , , , ,

1 Comment »

  • Hallo Herr Dr. Baronitz, das viele positive in Ihrem Artikel hat mich sehr gefreut. Es ist toll, wenn die Anwender so “gestärkt” von einem Kongress wiederkommen. Ihre Bitte habe ich nicht vergessen. Wir werden bestimmt in der nächsten Zeit Zeit finden, Ihre Gedanken und Anfragen zu vertiefen. Lassen Sie uns beginnen.

    Beste Grüße

    Jens Schwartz-Freiberg

    PS: Hier eine kleine Präsentation meines altem Arbeitgebers, wo ich dieses Projekt gemacht habe.

    http://www.know-center.tugraz.at/content/download/545/3387/file/12-15_Freiberg_CSC.pdf

    Comment | 17 September 2010

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