Nov
30
2010

Unser Ethikverstoß im großen Stil? Weil wir unsere Bauern subventionieren, müssen Milliarden hungern

Hunger

Hungernde Kinder

Mal ein eher persönlicher Post, dennoch mit Geschäftsbezug: Am letzten Wochenende bin ich über ein Dilemma unserer Gesellschaft gestolpert, das mal wieder zeigt, wie eng alles zusammenspielt; was passiert, wenn wir einem Teil unserer Mitbürger was Gutes fürs Geschäft angedeihen lassen und dabei mit noch viel größerem Hebel Anderen sehr übel mitspielen.

Jeder kann den Sachverhalt verstehen, nur warum handeln wir dann weiter so? Warum hat der EU-Kommissar Dacian Ciolos in seiner gerade vorgestellten Reform der europäischen Agrarpolitik für die Zeit nach 2014 unsere Verursachung des Hungerns Anderer nicht berücksichtigt?

So fordert die deutsche UN-Millenniumkampagne Änderungen mit Blick auf die Auswirkungen der Agrarpolitik: „Die Mehrheit der Ärmsten der Welt lebt von Landwirtschaft. Unsere EU-Subventionen verhindern, dass sie sich durch eigenhändige Einkünfte aus der Armut befreien können. Der EU-Agrarkommissar muss hier nachbessern, denn es kann nicht sein,dass die geplanten Reformen gegen die Millenniumentwicklungsziele arbeiten.“, forderte Dr. Renée Ernst, Leiterin der UN-Millenniumkampagne Deutschland.

Das ist schon harter Tobak. Da stecken wir erst Millarden Steuergelder in unsere Agrarproduktion, um dann wieder Millarden Steuergelder in die Welthungerhilfe zu stecken. Und weitere Milliarden, um uns gegen die illegale Imigration der Hungernden zur Wehr (?) zu setzen, weil sie nun alle zu uns kommen wollen. Und dann fischen wir mit riesigen, schwimmenden EU-Fischverarbeitungsfabriken vor den Küsten der Ärmsten auch noch den letzten Rest weg, um noch mehr Hungerflüchtlinge vor den Toren stehen zu haben.

Wenn das so leicht zu verstehen ist, warum wird das dann nicht geändert? Weil die Hungernden zu weit weg sind und unsere Empathie für Mitmenschlichkeit deshalb nicht anschlägt?

Es ist auf jeden Fall ein Compliance-Thema, den Kantschen Imperativ in einer kaum ausdenkbaren Dimension betreffend, das schwermütig machen kann.

Aber es gibt auch hoffnungsspendende Querdenker: Allen voran mal wieder Prof. Gunter Dueck. Er tritt in seinen letzten Buch Aufbrechen!: Warum wir eine Exzellenzgesellschaft werden müssen für eine generelle Aufgabe aller Subventionen auf, die nur auslaufenden Geschäftsmodellen das Sterben verlängern. Dieses Geld sollte besser in die Investiton neuer, florierender Bereiche gesteckt werden. Macht definitiv mehr Sinn für die Gesellschaft, auch wenn es kurzfristig Mitbürger gibt, die umlernen müssen. Wenn wir, die Gemeinschaft,  diese dann nicht im Regen stehen lassen, sollte das funktionieren. Und wir lassen dann zusätzlich auch Nicht-Mitbürger außerhalb Deutschlands/Europas nicht mehr hungern.

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Written by Dr. Martin Bartonitz in: deutsch,general | Tags: , ,

2 Comments »

  • Axel Kroll

    Sorry, Martin, das ist zu kurz gedacht. Die Millionen hungern, weil sie mit der Landwirtschaft noch nicht mal sich selber ernähren können, und das liegt an den korrupten Regierungen dort. Und solange die Landwirtschaft nicht für die Bevölkerung reicht, würden durch Export nur dieselben Regierungen noch korrupter und reicher. Das ist wie früher in der DDR, als alles, was an verkaufbaren (=qualitativ erträglichen) Gütern produziert wurde, in den Export floß.

    Ergo: sicherlich sind die Subventionen nicht unbedingt wirklich sinnvoll (genau wie der Unfug mit dem deutschen Bergbau), aber am Hunger in der Welt werden sie (genauso wie Entwicklungshilfe mit der Gießkanne) nichts ändern. Wer nicht nur sein Gewissen durch Spenden zur Weihnachtszeit oder Gutmenschenzahlungen qua Staat beruhigen will, der muß die Verhältnisse vor Ort ändern.

    Das kostet auch Geld, aber vor allem kostet es Arbeit, Intelligenz und Engagement, und das sollte man fördern.

    Comment | 30 November 2010
  • Dr. Martin Bartonitz

    Ja, die Entwicklungshilfe ist sicher richtig angebracht, wenn sie hilft, die Agrarwirtschaft wieder flott zu bekommen anstelle nur unsere Überproduktion dorthin zu “spenden”.
    Der Punkt ist nur, dass die Agrarproduktion der dritten Welt eingebrochen ist, weil die Importe durch die Subventionierung unserer Produkte billiger ist als die eigene Produktion dort. Also wurde nicht mehr produziert. Und daher der Hunger.

    Comment | 30 November 2010

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