May
19
2010

Unser Grundgesetz regelt die Gleichheit zwischen Mann und Frau – Dass man auch die Gehälter dabei beachten sollte, weiß nun auch Novartis

Als ich heute auf meiner Zugfahrt neben der Regulierung der Finanzmärkte noch auf ein weiteres interessantes Compliance-Thema gestoßen bin, wurde mir bewusst, dass wir in Europa in vielen Bereich doch immer noch nicht wirklich die Gleichbehandlung von Mann und Frau erreicht haben. Dieses Mal hat es den Schweizer Konzern Novartis erwischt. Das Handeslblatt schreibt in ihrem Artikel US-Justiz kennt bei Diskriminierung kein Pardon:

“3,3 Mio. Dollar Schadenersatz bekommen die zwölf Klägerinnen, die von der Vetriebsexpertin Amy Velez angeführt werden. Novartis soll die Frauen bei Beförderungen übergangen und Schwangere benachteiligt haben. Der finanzielle Schaden ist verkraftbar – selbst wenn die Kosten im Zuge einer Sammelklage auf eine Mrd. Dollar ansteigen könnten. Der Reputationsschaden aber ist noch höher. Bereits andere Firmen sind wegen ähnlicher Vorwürfe in Amerika unter Druck geraten. …”

Die Schweizer sind bzgl. der Gleichstellung von Mann und Frau eh etwas hinter her. Erst am 7. Februar nehmen die Stimmbürger das eidgenössische Stimm- und Wahlrecht für Frauen mit 621’109 (66%) Ja zu 323’882 (34%) Nein bei einer Stimmbeteiligung von 58% deutlich an. 15½ Kantone stimmen zu, 6½ Kantone der Zentral- und Ostschweiz (UR, SZ, OW, GL, SG, TG, AR und AI) lehnen mit teilweise immer noch massiven Nein-Mehrheiten ab. Gleichzeitig wird das Frauenstimmrecht in Kantons- und Gemeindeangelegenheiten in Fribourg (74% Ja), Schaffhausen (57% Ja), Zug (63% Ja) und Aargau (52% Ja) angenommen (in: http://demokratie.geschichte-schweiz.ch/chronologie-frauenstimmrecht-schweiz.html).

Aber auch wir Deutschen hatten so unsere Nachzügler. Erst in meinem Geburtsjahr 1958 erhielt die Frau das Recht, eigene Geschäfte ohne die Zustimmung ihres Mannes zu führen.

Aber auch mit den Gehältern liegen wir weit hinten in der EU. “Berufstätige Frauen verdienen in Deutschland fast ein Viertel weniger als ihre männlichen Kollegen. Im Schnitt betrage der Lohnunterschied 23 Prozent. Damit liege Deutschland EU-weit auf dem siebtletzten Platz, erklärte Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) am Donnerstag in Berlin” kann man in in dem Artikel Von der Leyen fordert gleiche Bezahlung im Focus Karriere lesen.

Ob sich unsere deutschen Firmen dem Risiko bewusst sind, auf Welche Verluste sie hier zusteuern?

Ich suche ja hin- und wieder nach einem passenden Sinnspruch und musste doch Schmunzeln, dass wir uns doch mit unseren westlichen Nachbarn immer wieder mal bekabbeln. So habe ich gerade dieses gefunden (Quelle):

In den Niederlanden ist Diskriminierung per Gesetz verboten. Es ist eine der wichtigsten Regeln, an die man sich hält. Mit einer Ausnahme: Deutsche darf man ungestraft diskriminieren. (Helma Lutz, 1992, niederländische Soziologin)

Post to Twitter Post to Delicious Post to Digg Post to Facebook Post to MySpace

Download PDF
Written by Dr. Martin Bartonitz in: deutsch,general,language | Tags: ,

1 Comment »

  • Ja in den USA ist man deutlich mehr auf Diskriminierung bedacht, dort wird das deutlich restriktiver gehandhabt als hier. In Deutschland wären es nur einige Tausend Euro gewesen. Das Risiko ist in den USA deutlich höher als in Deutschland. Wenn man ehrlich ist, was ist für ein Unternehmen wie Novatis ein Summe von 3,3 Millionen Euro?

    Unser Grundgesetz hat aber auch noch Diskriminierungen inne:
    Artikel 6, Abs. 4: “Jede Mutter hat Anspruch auf den Schutz und die Fürsorge der Gemeinschaft.” Hierbei wird aber der Vater diskriminiert. Denn für ihn ergibt sich daraus kein Schutz der Gemeinschaft.

    Comment | 24 May 2010

RSS feed for comments on this post. TrackBack URL

Leave a comment


− five = 4

Theme: TheBuckmaker.com Web Templates | Bankwechsel Umschuldung, Iplexx IT Solutions