Jul
11
2010

Unsere Welt wird immer komplexer. Laut Prof. Peter Kruse hilft als Strategie bald nur noch die Intuition des Teams

Seitdem wir bei uns SCRUM als Methodik zur Softwareentwicklung eingeführt haben, geht mir der Begriff des sich selbstorganisierenden Teams nicht mehr aus dem Kopf. Und gerade hat es wieder Klick gemacht. Weil es noch zu heiß zum Schlafen war, habe ich ein wenig im Netz geforscht und haben mir einen hoch interessanten, fünf-minütigen Vortrag zur Beurteilung komplexer Probleme von Prof. Peter Kruse angehört:

Er führt aus, dass wir Menschen nicht in der Lage sind, komplexe Probleme wirklich zu verstehen. Entweder wir trivialisieren, z.B. wählen wir bei der Produktauswahl das Billigste, negieren es, oder wenden als beste Strategie unsere Intuition an. Wie entscheiden Sie z.B. ihren Autokauf. Anfangs werden Sie die vielen Parameter versuchen zusammenzutragen und zu vergleichen. Aber unser Gehirn kann maximal 8-12 Parameter beherrschen, danach sind wir überfordert. Also lassen wir unseren Bauch sprechen (siehe aktuelle Fernsehautowerbung: “Brauchen Sie es denn?” “Nein, aber ich will es haben!”).

In der Wirtschaft ist es ebenso. Es wird immer komplexer (siehe auch den Post The ‘World’ just got more complicated). Und da die Intuition jedes Einzelnen sich über Krisen entwickelt, stellt sich die Frage, ob diese Entwicklung nicht schon zu lange her war und die Intuition nicht mehr zum aktuellen Rahmenwerk passt. Also kann man sich doch besser auf die Intuition von mehreren Verlassen. Demnach wird das Team, mit dem man zusammen arbeitet, immer wichtiger. Und schon kommt es zu mehr selbstorganisierenden Teams. Und genau das macht die SCRUM Teams so stark. Man muss sich nicht mehr auf einen Kopf allein verlassen, dessen Ausbildung der Intuition womöglich nicht mehr aktuell ist.

Ein weiteres Thema von Prof. Kruse ist die Vernetzung. Also das, was wir derzeit mit LinkedIn, Xing und Facebook wahrnehmen. Wenn Probleme zu lösen sind, werden andere Personen gefragt, ggf. über Fragestellungen, die man in die Runde gibt. Und da fällt mir dann gleich wieder mein Post ein, den ich zum Thema Schwarmintelligenz geschrieben habe. Da ich nun noch einiges Mehr an Erfahrung von Diskussionsrunden im Netz gewonnen habe, stehe ich diesem Begriff inzwischen etwas positiver gegenüber. Die Diskussionsrunden werden in der Regel sehr konträr geführt. D.h. es kommen viele Aspekte der unterschiedlichsten Experten auf den Tisch. So wird ein sehr differenziertes Bild entworfen, von dem nur alle profitieren können. Auch hierzu gibt es von Prof. Kruse einen sehr einleuchtenden Beitrag zur Bewertung der Inhalte im Internet. Kennen sich die Beteiligten zum Thema aus, entwickelt sich eine kollektive Intelligenz. Kennen sich die Beteiligten nicht aus, kommt nur Unsinn heraus. Meine Wahrnehmung ist, dass sich größtenteils Experten an den Diskussionen beteiligen, also sollte es demnach zu immer mehr fundiertem Wissen in diesen Diskussionsrunden kommen.

Mein Eindruck ist, dass bald das Wissen des Einzelnen nicht mehr im Vordergrund stehen wird. Die Intuition von Teams wird die notwendigen Innovation hervorbringen. Wird damit die Rolle des Managers eine ganz andere?  Wird er vom Allwissenden zu Jemanden, der die richtigen Fragen an das Team stellt?

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Written by Dr. Martin Bartonitz in: general,Video |

1 Comment »

  • Daniel Manzke

    “Wird damit die Rolle des Managers eine ganz andere?” Ist das wirklich eine andere Rolle? Meines Erachtens ist das genau das, was sie Heute schon machen. Die richtigen Fragen zu stellen.
    “Habt ihr Single Sign On berücksichtigt?”
    “Hat der Kunde ein Budget?”
    “Gibt es einen Meilensteinplan?”

    Ich glaube nicht, dass sich viel verändern wird/muss. Ich glaube, dass es uns nur bewußt wird, wie und was wir eigentlich machen.

    Comment | 12 July 2010

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