Oct
15
2010

BPMN Anwendertag 2010 – Vom organisatorischen Geschäftsprozess bis zu seiner Ausführung – BPM Round-Trip Engineering

Hasso Plattner Institut in Potsdam

Hasso Plattner Institut in Potsdam

Ich hatte heute Gelegenheit, auf dem BPMN Anwendertag 2010 in Potsdam beim Hasso Plattner Institut von unseren Erfahrungen mit BPMN 2.0 bei der Integration des Signavio Process Editor in SAPERION zu berichten. Initiatoren dieses ersten , und interessanten Events dieser Art in Deutschland waren Prof. Dr. Andreas Gadatsch von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg sowie Prof. Dr. Mathias Weske von der Universität Potsdam. Mein Vortrag kam direkt nach der Keynote von Jakob Freund, der u.a. sein Vorgehensmodell von der strategischen Sicht auf Geschäftsprozesse bis zu Ihrer Ausführung mit einem Workflow-System vorgestellt hat. D.h. die etwa 90 Zuhörer waren entsprechend gut vorbereitet.

Bevor ich zu den Kernaussagen meines Vortrags komme, kurz so viel von diesem Anwendertag. Richtig ist, es waren 3 Tage. An den ersten 1,5 Tagen ab Mittwoch haben sich die Akademiker über Ihre Forschungen im Kontext der BPMN berichtet. Die zweite Hälfte richtete sich dann an die Anwender, die dann auch entsprechend eintrafen.

Gut, es waren vorwiegend BPMN-Interessierte und -Anwender dort. Dennoch zeigten die Beispiele und auch weitere Kommentare, dass sich die BPMN als der Standard zur grafischen Dokumentation derzeit klar durchsetzt.

So kommentierte Dr. Haarländer von Vattenfall, dass in diesem schwedisch geführten Unternehmen die Akzeptanz für einen Industriestandard aus Deutschland, sprich die EPK der Fa. Software AG (vormals IDS Scheer), sehr gering war. Da passte ein internationaler Standard besser ins Bild.

Ein weiterer Redner erzählte, dass in den Fachbereichen die BPMN-Diagramme leichter zu verstehen waren als die EPK, und man deshalb auch diese benutzt hat.

Dr. Walser von der Fachhochschule Bern berichtete von den Umwälzungen der Schweizer Verwaltung mit der Ausrichtung auf BPM unterstützt von BPMN. Die interorganisationale Arbeit soll verstärkt werden, so dass Prozess reibungsloser, sprich mit weniger Übergabeproblemen ablaufen.

Bei aller Euphorie gab es aber auch genügend Stimmen, die auf noch vorhandene Lücken der BPMN hinwiesen und entsprechende Wünsche an die Weiterentwicklung äußerten. Auch wir haben ja entsprechende Erfahrungen gemacht, die ich dann auch abschließend als Wunsch für die Zukunft geäußert habe.

Die Details zu unserer Integration hatte ich ja schon hier postet: SAPERION und Signavio auf dem Weg zum BPM Round-Trip Engineering (2). In meinem Vortrag bin ich nun noch darauf eingegangen, was sich auch in diesem Projekt bewahrheitet hat: eine Prozessdefinition, die ohne Wissen des künftig eingesetzten Workflwo-Systems erstellt wurde, hat sich auf dem Weg durch die IT in die Produktion noch stark geändert, sprich die Anzahl der Elemente hat sich um über 50% reduziert. Die folgende Grafik zeigt den Prozess vor dem Training durch SAPERION:

Der Posteingansprozess vorher

Der Posteingansprozess vorher

Und dann der Prozess nach dem Training und der Konzeptionierung der Gesamtanwendung:

Der Posteingansprozess nachher

Der Posteingansprozess nachher

Ohne ins Detail zu gehen, auch hier war es so, dass mehrere Aktivitäten, die direkt hintereinander von dem gleichen Benutzer ausgeführt werden, typischerweise in eine Workflow-Aktivität zusammengefasst werden. Einerseits werden damit Klicks gespart, d.h. der Anwender mus nicht ständig zwischen seiner Inbox und der Anwendung wechseln. Andererseits erfolgen die Schritte sowieso in der Anwendungsoberfläche. D.h. nach Eingabe von bestimmten Daten können auf dieser Basis andere Daten im Hintergrund beschafft oder berechnet werden.

Warum  sich die Prozesse immer wieder auf dem Weg durch die IT wandeln, hatte ich übrigens schon in dem Artikel BPM Round-Trip Engineering – Vision und Wirklichkeit im März letzten Jahres beschrieben.

Und genau hier gibt es einen der Erweiterungswünsche an BPMN. Die Anwender würden schon gerne sehen, welche einzelnen Teilaufgaben gemacht werden. Daher sollte ggf. während bei der Modellierung zwischen normaler Aktivitäten und einer Workflow-Aktivität unterschieden werden. Die Workflow-Aktivität könnte ähnlich einem Teilprozess im aufgeklappten Zustand den Ablauf der Teilaufgaben visualisiern.

Anbei noch eine Studie der Oberfläche unseres neuen Rich Clients der kurz vor Release stehenden Version 7 mit geöffneter Workflow Inbox:

Die SAPERION Anwender werden sich besonders über die neue Navigation auf der linken Seite freuen, die ein deutlich leichteres Finden der gerade in Bearbeitung befindlichen Geschäftsfälle (Business Case, oder im Kontext des Wissensmanagement wieder mal <ein schönes Attribut wie adaptive, smart oder dynamic> Case Management) ermöglicht.

Die Vortäge stehen hier online:  Vorträge stehen hier und Videos.

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Written by Dr. Martin Bartonitz in: deutsch,general | Tags: , ,

2 Comments »

  • Dr. Martin Bartonitz

    Prof. Allweyer, ebenfalls Teilnehmer des BPMN Anwendertags 2010 hat den ersten Teil und auch zweiten Teil (inkl. meinem Vortrag) auf seinem empfehlenswerten Blog Kurze Prozesse zusammengefasst.

    Comment | 16 October 2010
  • Hr. Dr. Bartonitz hat mal wieder ein zentrales Thema aufgegriffen: Wie komme ich vom fachlichen (betriebswirtschaftlichen) Modell zum fertigen (ausführbaren) Workflow. Die Thematik ist nicht trivial, trotzdem konnt er die Vorgehensweise in lockerer Weise beschreiben, ohne das Detailreichtum oder Unterhaltung auf der Strecke blieben. Im Kern kann man folgendes Fazit festhalten: Die fachliche Modellierung von Prozessen auf der Grundlage von BPMN 2.0 mit dem Modellierungswerkzeug Signavio und der nahtlose Übergang zum ausführbaren Workflow mit dem System von Saperion stellt eine gute Möglichkeit dar, die Stärken beider Systeme zu kombinieren und dem Anwender eine laufffähige Lösung bereitzustellen.

    A. Gadatsch, 16.10.2010

    Comment | 16 October 2010

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