Jan
18
2011

Von schwarzen Schwänen oder was uns eine Geschichte vom Truthahn über das Wiegen in Sicherheit lehrt …

Truthahn (Wikipedia)

Truthahn (Wikipedia)

Nachtrag vom 13.03.2011 aus Anlass der Katastrophe des Kernkraftwerks Fukushima: Der Atikel macht mir auch klar, dass ein genügend großes Restrisiko in Bezug auf die Beherrschbarkeit der komplexen Kernkraftwerke besteht. Und daher und auch wegen der nicht gelösten Probleme mit dem resultierenden Atommüll bin ich absolut gegen diese Technik.

Innovation ist eines der geflügelten Worte der letzten Monate und ich wage die Vorausschau: es hat Potential für das Wort des Jahres. Auch wir setzen auf Innovation. Unser erster großer Wurf, unsere Software mal nur indirekt betreffend, war die Einführung der SCRUM-Methodik in der Software-Entwicklung. Resultat: SAPERION überzeugt im ECM-Kundenmonitor von Pentadoc und springt von Platz 10 auf 2 in der letzten Erhebung.

Dass Innovationen eine entsprechend Fehler-tolerante Kultur benötigt, behandelt unter anderem auch das Buch Feel it!: So viel Intuition verträgt Ihr Unternehmen von Dr. Andreas Zeuch, aus dem ich schon im letzten Post agiles Geschäftsprozessmanagement durch intuitive Improvisation a la SCRUM berichtet hatte. Herr Zeuch hatte auch die vielen Hürden aufgezeigt, die bei Anwendung von Intuition uns hindern, auf neue Gedanken zu kommen. Ein Aspekt, auf den er auch eingegangen ist, ist der der “Schwarzen Schwäne”. Die folgende Geschichte macht unser Problem mit diesen sehr klar:

«Wir wollen uns einen Truthahn vorstellen, der jeden Tag gefüttert wird. Jede einzelne Fütterung wird die Überzeugung des Vogels stärken, dass es die Grundregel des Lebens ist, jeden Tag von freundlichen Mitgliedern der menschlichen Rasse gefüttert zu werden, die dabei nur sein Wohl im Auge haben, wie ein Politiker sagen würde. Am Nachmittag des Mittwochs vor dem Erntedankfest wird dem Truthahn dann etwas Unerwartetes widerfahren, und er wird seine Überzeugung revidieren müssen …   [Die Zuversicht des Truthahns] wuchs mit der Zahl der freundlichen Fütterungen; er fühlte sich immer sicherer, obwohl seine Schlachtung immer näher rückte. Sein Gefühl, in Sicherheit zu sein, erreichte also gerade dann seinen Höhepunkt, als das Risiko am grössten war. Das Truthahnproblem lässt sich auf alle Situationen verallgemeinern, wo die Hand, die uns füttert, auch die sein kann, die uns den Hals umdreht.››

Der Schwarze Schwan – die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse ist das nach Christoph Pfluger bahnbrechende Buch des aus Libanon stammenden Mathematikers, Philosophen und Börsenhändlers Nassim Nicholas Taleb und befasst sich mit den negativen wie auch den positiven Aspekten des Nicht-Wissens, unserer natürlichen Blindheit. Herr Pfluger zählt die folgende Gründe dafür auf:

  1. Wir konzentrieren uns auf vorher ausgewählte Segmente des Gesehenen und verallgemeinern davon ausgehend auf das, was wir nicht sehen:
    Bestätigungsfehler
  2. Wir streuen uns durch Geschichten, die unseren platonischen Durst nach charakteristischen Mustem stillen, selbst Sand in die Augen:
    narrative Verzerrung
  3. Wir verhalten uns so, als würde der Schwarze Schwan nicht existieren:
    Die menschliche Natur ist nicht auf Schwarze Schwäne programmiert
  4. Das, was wir sehen, ist nicht notwendigerweise alles, was da ist. Die Geschichte verbirgt Schwarze Schwäne vor uns und täuscht uns im Hinblick auf die Chancen für diese Ereignisse:
    Verzerrung durch stumme Zeugen
  5. Wir «tunneln»: Wir konzentrieren uns auf ein paar gut definierte Quellen von Ungewissheit, auf eine zu spezifsche Liste Schwarzer Schwäne (und vemachlässigen andere, die uns nicht so leicht einfallen).

Weil wir die Dimension unseres Nicht-Wissens nicht erfasssen können, wiegen wir uns einerseits in Sicherheit, denn ohne ein Urvertrauen sterben u.a. unsere Kleinsten, und sehen anderseits häufig die kleinsten Chancen nicht. Herr Zeuch führt in seinem o.g. Buch mehrere Beispiele auf, wie aber gerade durch Fehler neue Ideen gefunden wurden, seien es die Postits oder das Penicillin. Wenn wir Innovation auf allen Ebenen fordern und unsere blinden Flecken überwinden wollen, braucht es eine Kultur, in der Fehler gewollt sind, damit gerade aus ihnen Neues, positive schwarze Schwäne entstehen können. Also ran an intuitive Innovation?!

Post to Twitter Post to Delicious Post to Digg Post to Facebook Post to MySpace

Download PDF
Written by Dr. Martin Bartonitz in: deutsch,general | Tags: , , , ,

No Comments »

RSS feed for comments on this post. TrackBack URL

Leave a comment


6 − = five

Theme: TheBuckmaker.com Web Templates | Bankwechsel Umschuldung, Iplexx IT Solutions