Oct
01
2010

Wenn Du Gutes für den Menschen erreichen willst, argumentiere wirtschaftlich!

Sklave: unwirtschaftlicher Mitarbeiter

Sklave: unwirtschaftlicher Mitarbeiter

Wenn man sich so den Lauf der Aufklärung bis heute anschaut, so haben sich viele positive Dinge für uns Menschen ergeben. Auf den ersten Blick sieht es danach aus, dass wir aus humanistischen Gründen handeln. Auf den zweiten Blick steht wohl eher der wirtschaftliche Nutzen als tatsächlicher Beweggrund da.

Wir hatten in dieser Woche intern über die Abschaffung der Sklavenhaltung als ein Beispiel für eine krasse Änderung von Mitarbeiterführung diskutiert. Das damalige Menschenbild war das Extrem des X-Menschen (siehe Post Phasic Instincts – wann sind wir gute Y-, wann schlechte X-Menschen?). Der Sklave galt als von Natur aus faul. Laut Aristoteles war er nur ein Werkzeug, wenn auch ein Gehorsamvorauseilender und damit besser als ein toter Gegenstand. Der Erste, der neben humanistischen Gründen zur Abschaffung der Sklavenhaltung auch den wirtschaftlichen und damit zündenden Aspekt anführte, war Adam Smith. in seinem 1776 erschienenen Buch Der Wohlstand der Nationen. In Wikipedia ist zu lesen:

“Smith argumentierte sowohl aus moralischen Gründen, sowie aus Gründen der wirtschaftlichen Effizienz für die Abschaffung der Sklaverei. Die Erfahrung zu allen Zeiten und in allen Völkern beweist, wie ich glaube, dass die Arbeit eines Sklaven am Ende die teuerste ist…. Nur sehr profitträchtige Pflanzungen wie Tabak oder Zucker können, so Smith, die hohen Kosten der Sklavenhaltung (noch) tragen. Der Grund, weshalb die Arbeit von Sklaven, der von freien Männern zuweilen vorgezogen wird, ist, der Stolz, der den Menschen herrschsüchtig macht und dazu führt, dass ihn nichts mehr kränkt, als sich herablassen zu müssen, um Untergebene zu überzeugen. (engl. orig: The pride of man makes him love to domineer, and nothing mortifies him so much as to be obliged to condescend to persuade his inferiors. Wohlstand der Nationen, drittes Buch, Kap. 2)”

Mir scheint die Sache mit dem Überzeugen auch heute im Falle der Manager mit dem Menschenbild X (siehe oben) noch zuzutreffen.

Schauen wir uns dann noch weitere humane Errungenschaften und den Nutzen für die Wirtschaft an:

Abschaffung der Kinderarbeit: Sowohl das Militär hatte sich über zu kleinwüchsige Jugendliche beschwert als auch die produzierenden Firmen. Kräftigere Jugendliche kämpfen besser und können auch härter anpacken und zudem viel länger arbeiten.

Bau der Kanalisation: Neben dem unerträglichen Gestank der im 19. Jahrhundert  schnell gewachsenen Großstädte war ein großes Problem die Ausbreitung von Krankheiten aufgrund der extrem schlechten Hygienebedingungen (siehe auch Was hat denn der Bau der Berliner Kanalisation …). Es starben zu viele ausgebildete Arbeitskräfte. D.h. ein Mehr an Gesundheit brachte ein Mehr an wirtschaftlicher Leistung.

Einführung der Schulpflicht: wissendere Mitarbeiter helfen Firmen zu mehr Innovation. Also auch hier steht  im Wesentlichen der wirtschaftliche Aspekt im Vordergrund.

Das Fazit ist demnach: Wenn Du Gutes für den Menschen erreichen willst, argumentiere wirtschaftlich!

Da dieser Mechanismus so gut funktioniert, habe ich große Hoffnung, dass Alles gut werden wird:

  • Krieg hat keinen wirtschaftlichen Nutzen!
  • Umweltschäden, wozu auch radioaktiver Müll gehört, sind nicht wirtschaftlich!
  • Die Führung von Mitarbeitern als Typ-X nicht!
  • Und was die Compliance angeht: Betrug und Korruption auch nicht!

Schon Schiller sagte: “Denn nur vom Nutzen wird die Welt regiert.” – Wallensteins Tod, I, 7 / Terzky

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Written by Dr. Martin Bartonitz in: deutsch,general | Tags: , , ,

1 Comment »

  • Michael Mertins

    Hallo Martin,

    ich finde es sehr gut, dass hier auch mal über grundlegende Fragestellungen und Denkweisen diskutiert wird. Dennoch oder gerade deshalb fallen mir noch ein paar wichtige ergänzende Punkte ein:

    1) Dass Sklaverei keinen wirtschaftlichen Nutzen hatte und deshalb abgeschafft wurde, ist zumindest in den USA, meinem Spezialgebiet, nicht korrekt. Seit die beiden Wirtschaftswissenschaftler Fogler und Engerman 1974 ihr Buch Time on a Cross publizierten, hat sich in der Wissenschaft bis heute die Meinung durchgesetzt, dass die Sklaverei auch bestimmte, wirtschaftlich sogar besser als unter andern Umständen funktionierende Organisationsformen kannte. Z.B. die Arbeit als sogenannte Gang. Dieses Wort bedeutet nicht etwa Verbrechergruppe, sondern kommt eben genau aus dem Sklaven-Millieu und bezeichnet eine spezifische Form der Arbeitsorganisation.

    2) Der Utilitarismus oder das nutzenorientierte Denken ist sicherlich die philosophische Grundlage jeder Marktwirtschaft. Dennoch haben Marktwirtschaften nicht immer zu für den Menschen besseren Lebensumständen geführt. Nun muss ich zwar nicht bis ganz nach Adam Smith ausholen, aber immerhin gab es zu Beginn der Industrialisierung auch bei uns eine große allgemeine Senkung der Lebenserwartung. Hier zeigt sich, dass nicht jede technische Verbesserung auch gleichzeitig den Menschen hilft.

    Dennoch finde ich die von Dir genannten Punkte gut und hilfreich, würde mir aber durchaus wünschen, humanistische Überlegungen nicht als Überlegungen anzusehen die den wirtschaftlichen sekundär wären, sondern möglichst als solche die ihnen ebenbürtig seien sollten.

    Dies mag nun aber ganz aus meinem jugendlichen Idealismus entsprungen sein.

    Hoffentlich regt dies zur weiteren Diskussion an.

    Viele herzliche Grüße,

    Michael

    Comment | 1 October 2010

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