May
04
2010

Wenn unser Gewissen bei einer Regelverletzung anschlägt hilft Whistleblowing!

Whistleblowing

Whistleblowing

Heute habe ich nach einem Begriff gefahndet, der mir immer wieder als wichtiges Instrument des Compliance Managements untergekommen ist: Das Whistleblowing

Und da mache ich es mir dieses Mal ganz einfach und verweise auf den sehr schönen Artikel Whistleblowing – was geht`s mich an? von Kerstin Blossey, ohne dennoch ihren Einleitungsabsatz hier noch zu bringen:

Whistleblowing ist ein Begriff, den es im Grunde seit Menschengedenken gibt, der aber erst um die Jahrtausendwende richtig salonfähig zu werden begann. Überall dort, wo es um Korruption oder Verschwendung in staatlichen oder privatwirtschaftlichen Organisationen geht, wo es um Fragen der Umwelt, des Gesundheits- oder Verbraucherschutzes sowie um die Sicherheit von Produktionsanlagen und gefahrenträchtige Einrichtungen geht, finden wir das Lebensumfeld des Whistleblowers.”

In diesem Artikel wird besonders auf die notwendigen Datenschutzvorkehrungen für eine Anwendung zur Meldung von Regelverstößen eingegangen. Müßig hier festzustellen, dass eine solche Anwendung auf Basis von SAPERION den Richtlinien des Datenschutzgesetzes gerecht wird.

Buchempfehlung "Das Gewissen" von Peter Fonk

Buchempfehlung "Das Gewissen" von Peter Fonk

Aber was mich ganz besonders in den letzten beiden Wochen im Kontext des Compliance Management umtrieb, war noch etwas ausführlicher der Motivation für das Einhalten von Regeln nachzugehen. Denn da muss es doch etwas Menschliches geben, was uns dazu bringt, Regeln einhalten zu wollen, weil das gut sein muss. Und schon war ich bei Amazon und habe mir ein aktuelles Buch zum Thema bestellt: Das Gewissen, was es ist – wie es wirkt – wie weit es bindet, geschrieben von Peter Fonk, Profesor für Moraltheologie an der Kath.-Theol. Fakultät der Universität Passau.

OK, ich musste mich erst einmal um die Ansichten unserer Altvorderen zu unserem Gewissen kämpfen. Ich habe aber abschließend bestätigt erhalten, was mir mein Bauch nach den vielen Posts zum Thema Compliance schon signalisiert hat. Unser Gewissen schlägt nur dann Alarm, wenn wir aufgrund unseres gespeicherten Wissens eine Ahnung haben, dass etwas sittlich Moralisches oder gesetzlich Verletzendes eingetreten ist. Demnach ist die Konsequenz, dass wenn unsere Mitarbeiter eine Antenne bekommen sollen, um  der Geschäftsführung eine Regelverletzung zu melden, dann müssen sie über die Regeln auch in Kenntnis gesetzt sein. Sprich es braucht regelmäßige Schulungen. In jeder Abteilung die passenden zu den Tätigkeitsfeldern. Dann nützt neben der Einrichtung eines Compliance Managers auch ein Meldesystem.

Wer noch etwas interessiert an der Geschichte des Begriff Gewissens ist, noch kurz dieses:

Das Gewissen hilft uns Gutes von Bösem zu unterscheiden: tue das Gute, vermeide das Böse.

Der Begriff des Gewissens im Christentum ist erstmalig von Paulus gebraucht worden. Vorher gab es im alten Testament nur Umschreibungen.

Ort des Gewissens war das Herz oder die Nieren (z.B. “auf Herz und Nieren geprüft”).

Bei den Griechen sprach man auch vom ungeschriebenen Gesetz, an das man sich hielt.

Die 10 Gebote des alten Testaments waren in der Form schon vorher an vielen anderen Orten ähnlich bekannt.

Bis zu Thomas von Aquin wurde davon ausgegangen, dass das Grundgewissen angeboren ist.

Die Aufklärer machten das Gewissen für die Gräueltaten während der religiös-geführten Bürgerkriege in Europa verantwortlich, wodurch die Kirche in Misskredit fiel.

Heute gehen die Anthropologen davon aus, dass das Gewissen ein Sinn ist ähnlich dem des Gleichgewichts, Hörens, Sehens, Schmeckens,  Tastens aber auch des Sprechens, d.h. es muss gelernt werden. In der ersten Phase bis zur Schule sind die Eltern Vorbild. Hier wird gelernt durch Vermeidung von Liebesentzug, und es wird ohne Nachzudenken nachgeahmt. Anschließend sind es auch die Freunde, deren Verhalten man benchmarkt. Viele bleiben hier hängen, weshalb z.B. das Dritte Reich möglich wurde: man folgt der Obrigkeit, ob gut oder schlecht und reflektiert nicht selbst. Zum Schluss geht es darum, wer man ist oder sein will. Z.B. ob man auch dann moralisch korrekt sein will, auch wenn man sieht, dass ein Anderer schlecht sein darf, und es ihm trotzdem gut geht.

Interessant fand ich die Diskussion um dass irrende Gewissen. Jedes Mal, wenn wir eine Entscheidung fällen, bemühen wir unser Gewissen. Was, wenn wir die Entscheidung aufgrund mangelnder Kenntnis fällen (siehe auch: Regelverletzung aus Unkenntnis -> Unwissen schützt vor Strafe nicht)? Haben wir dann dennoch gut gehandelt, auch wenn das Ergebnis eher schlecht ausgefallen ist? Laut Kirche definitiv. Aber: Jeder ist gefordert, die Wahrheit weiter zu suchen, sprich zu lernen. Wo wir dann wieder dabei sein: Die Einsicht zum guten Verhalten, d.h. zum Einhalten von Regeln setzt Wissen und Übung voraus. Und wenn ich mir unsere aktuelle Ausbildung in unseren Schulen anschaue, wird da nicht doch vom Richtigen zu wenig gelehrt?

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Written by Dr. Martin Bartonitz in: general,language | Tags: , , , ,

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