Dec
06
2010

Wer es im Leben zu etwas bringen will, muss früh trainieren! Das weiß die Wissenschaft schon lange, nur die Politik nicht

Ich verfolge seit einigen Jahren die aktuellen Erkenntnisse in der Gehirnforschung und langsam kann einem der Kragen platzen, wenn man wie jetzt wieder die Ergebnisse der Pisa-Studie vorgelegt bekommt und feststellen muss, dass es in Deutschland mit der Ausbildung nicht wirklich voran geht. Lächerlich, wenn man meint, allein mit dem Verschenken von Büchern schlauere Kinder zu bekommen.

Ich lese derzeit in einem Buch mit einer Sammlung von Artikeln zum Lernen (Lernen lassen – Abenteuer Bildung) und habe darin passend gestern ein Interview mit Prof. Wolf Singer gelesen, das nochmals eindrücklich klar macht, wie fahrlässig unsere Politiker die aktuellen Erkenntnisse über das Lernen ignorieren und damit Deutschland langfristig gefährden. Anders die Politiker in England und Frankreich, die schon entsprechend reagiert haben und die Kleinsten besonders fördern.

“Lasst doch den Kindern ihre Zeit zum Spielen. Lernen müssen sie früh genug.” Leider ist diese alte Weisheit des letzten Jahrhunderts genau die, die uns daran hindert umzudenken. “Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr.” Diese alte Weisheit bringt es besser auf den Punkt. “Mit der Geburt vollzieht sich ein dramatischer Sprung in unserer Hirnentwicklung: die Sinnesorgane nehmen nun Signale aus der “echten” Umwelt auf. … Hirnstrukturen reifen zu unterschiedlichen Zeitpunkten aus und bedürfen in den Reifephasen der Aktivität, also der Erfahrung, um sich adäquat ausbilden zu können. Diese Fenster gehen zu verschiedenen Zeiten auf und wieder zu.“, so Prof. Singer.

Wenn also ein Kind in  diesen frühen Phasen vernachlässigt wird (siehe besonders in Familien mit weniger Einkommen) und nicht in Bezug auf das Sammeln vielfältigster Erfahrungen SPIELERISCH UND MIT SPASS gefördert wird, ist das meiste Potential schon verloren. Und wenn man sich anschaut, dass unsere Kinder im Kindergarten, aber auch unseren Schulen im Wesentlichen verwahrt werden, müssen wir uns nicht wundern, dass da so wenig bei rum kommt.

Prof. Gunter Dueck geht in seinem letzten Buch Aufbrechen!: Warum wir eine Exzellenzgesellschaft werden müssen sogar so weit zu behaupten, dass jedes Kind mitgenommen werden kann, wenn man es entsprechend seiner Entwicklungsgeschwindigkeit (ja, auch die ist unterschiedlich je nach Alter) fördert. Und dass es besser ist, wirklich Alle mitzunehmen wird Jedem verständlich, wenn man davon ausgehen muss, dass unser Dienstleistungssektor mit den geringer Verdienenden immer kleiner werden wird.

Und wenn wir alle auf die Reise in die Exzellenzgesellschaft mitnehmen, so wird es weniger Arbeistlosigkeit und auch Kriminalität geben. Das damit freigesetzte Geld kann dann wieder in die Ausbildung unserer Gemeinschaft fließen. Wenn das so offensichtlich ist: warum tun unsere Politiker nichts?

Oder ist die Schwarmintelligenz des Volkes  inzwischen doch größer als die der Volksvertreter?

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Written by Dr. Martin Bartonitz in: deutsch,general | Tags: , , ,

2 Comments »

  • Dr. Martin Bartonitz

    Der Post ist inzwischen bei der sueddeutsche.de unter die Besten Blogs zu Pisa erwähnt:
    http://www.sueddeutsche.de/service/die-besten-blogs-zu-pisa-1.1034206

    Comment | 11 December 2010
  • Michael Mertins

    Super! Finde es auch gut, Kinder früh zu fördern. Wenn wir wirklich alle mitnehmen wollen, wird es aber vermutlich auch zu großen Spannungen innerhalb der sehr heterogenen Gruppen kommen. Gerade Kinder sind da ja weit weniger barmherzig untereinander als gemeinhin angenommen. Ich denke mit mehr Betreuung und Spass am Lernen ist es allein auch nicht getan. Ich bin immer noch ein großer Fan von Bernhard Buebs Lob der Disziplin (http://www.perlentaucher.de/buch/25199.html) und hätte mir selbst oft mehr Förderung bzw. Forderung gewünscht.
    Stattdessen habe ich vielmehr eine große Indifferenz gegenüber dem Nachwuchs und den Unwillen in junge Leute zu investieren, erlebt. Ohne anteilnehmende, vorgelebte Disziplin und den Willen der Mehrheit von Älteren, die Jüngeren zu integrieren, lässt sich Bildung nicht sinnvoll betreiben.

    Comment | 16 December 2010

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